Lutz Stückrath meint es ernst. "Das ist wirklich, tatsächlich, wahrhaftig mein letzter Auftritt auf einer Kabarettbühne", sagt der 79-Jährige zu seinem Auftritt bei den Oderhähnen am Mittwochabend. Noch einmal wird er mit seinem Weggefährten Wolfgang Flieder das Programm "Aber jetzt ist Schluss" geben. Dann wird er sich verbeugen, einen Blumenstrauß in Empfang nehmen, vielleicht noch ein Bier mit Flieder trinken und sich danach von seiner Frau Ute nach Hause fahren lassen.
Stückrath nimmt diesen Abschied nicht leichtfertig. Lange hat er auf diesen Abend hingearbeitet, ein letztes Programm auf die Beine gestellt, sich gedanklich vorbereitet. "Ich versuche, mich daran zu gewöhnen", sagt er am Telefon und meint sein Leben ohne Kabarett, das er in Zukunft vor allem seiner Familie und der Gesundheit widmen will. Ganz einfach ist das offensichtlich nicht. Kein Wunder nach über 50 Berufsjahren.
Maschinenschlosser im Berliner Glühlampenwerk war Stückrath 1959, als das Kabarett "Die Kneifzange" gastierte und er sofort wusste, das ist, was er machen will. Er wurde aufgenommen, holte ein Schauspielstudium nach und startete 1966 als Ensemblemitglied der Berliner "Distel" durch. In dieser Zeit lernte er Wolfgang Flieder, den heutigen Chef des Frankfurter Kabaretts kennen, der neben dem Studium als Bühnenarbeiter im Kabarett Geld verdiente. Nach der Wende sprach Flieder Stückrath dann an, ob er für die Oderhähne inszenieren möchte, was er zweimal tat. Das aktuelle ist sein drittes Frankfurter Stück.
"Lutz Stückrath gehört zu den wenigen, die es verstehen, eine Pointe vorzubereiten und sie abzuschießen", benennt Kollege Wolfgang Flieder das seiner Meinung nach größte Talent Stückraths. Zudem habe er den Berliner Dialekt auch auf großer Bühne hoffähig gemacht.
Deftig berlinernd erlangte Stückrath bei "Ein Kessel Buntes" DDR-weite Bekanntheit. Neben Horst Köbbert und Manfred Uhlig gehörte er zu den "Drei Dialektikern". "Die ersten sieben Kessel und die ersten sechs Jahre bei der Distel, das waren meine Höhepunkte, da hatte ich große Freude an meinem Beruf", sagt Stückrath rückblickend.
Ganz bewusst schränkt er die Zeiten ein. Sowohl beim DDR-Fernsehen als auch bei der Distel gab es irgendwann Konflikte. "Wenn die politischen und künstlerischen Differenzen zu groß werden, muss man gehen", war immer seine Devise, auch wenn es dadurch beruflich mitunter eng wurde. Die letzten Jahre der DDR hat Stückrath freiberuflich gearbeitet. Zum Schluss sei es ans Eingemachte gegangen. "Das Publikum wusste, es geht nicht weiter so. Wenn man dem Ausdruck verliehen hat, musste man mit dem Konsequenzen rechnen."
Das Kabarett heute beobachtet er als kritischer Zuschauer. Vor allem in Frankfurt spare er nicht mit Hinweisen,. "Ich beurteile das alles mit hellem Verstand. Was satirisches, politisches Kabarett angeht, sehe ich einige Stücke der Oderhähne kritisch", sagt Stückrath. Das letzte Sommerstück hingegen lobt er. Wenn er Kritik äußere, dann aber nicht zum Selbstzweck. "Das ist wie in einer Ehe. Man will, dass es besser wird."
Für die Kabarettszene im Ganzen wünscht er sich kurz vor seinem Abschied, dass sie die gegenwärtige Politik aufmerksam beobachtet. Er selbst wird versuchen, sich ruhig zu verhalten. "Es muss der Zeitpunkt des Schweigens kommen", schließt er, nicht ohne Wehmut.
"Aber jetzt ist Schluss - Zwei Kabarettisten packen ein", Mittwoch, 20 Uhr, Karten für 16/10 Euro unter Tel.: 0335 23723
Freunde seit den 1970er-Jahren: Wolfgang Flieder (links) und Lutz Stückrath in ihrem Abschiedsstück. Der 79-jährige Stückrath macht am Mittwoch ernst und verlässt die Bühne endgültig.Foto: Promo
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Der 79-jährige Kabarettist Lutz Stückrath verabschiedet sich am Mittwoch von der Bühne
Nach weit mehr als 50 Berufsjahren verlässt der Kabarettist, Schauspieler und Autor Lutz Stückrath am Mittwoch die Bühne.