Als Martin Patzelt um kurz nach 18 Uhr mit CDU-Anhängern in der Movie Bar in Frankfurt die ersten Prognosen verfolgte, entglitten ihm kurz die Gesichtszüge. Dass die Christdemokraten bundesweit so schlecht abschneiden und mehr als 8 Prozent verlieren, damit hatte auch er nicht gerechnet. Zugleich ließ das starke Ergebnis der AfD für das Rennen um das Direktmandat nichts Gutes erahnen.
Doch Patzelts Miene hellte sich im Laufe des Abends zunehmend auf. Nach Auszählung eines Großteils der 333 Wahlbezirke lag der 70-Jährige dann doch deutlich mit 27,1 Prozent der Stimmen vor Alexander Gauland (22,0). Wenngleich mit Verlusten. Vor vier Jahren hatte Patzelt den Wahlkreis noch mit 33,9 Prozent gewonnen.
Trotzdem freute sich Patzelt über den Gewinn des Direktmandats. "Ich bin bewegt vom Vertrauen der Wähler, dass sie mir trotz ihrer Probleme, die auch sie haben, geschenkt haben", betonte er. Er habe die feste Absicht, die Sorgen der Bürger in seinem Wahlkreis prominent in die Bundestagsfraktion hineinzutragen. In Bezug auf die AfD gab er sich kämpferisch: "Alles Schlechte hat auch sein Gutes. Wir werden jetzt auf höchster Bühne, im Parlament, die Auseinandersetzung mit der AfD führen. Wir werden sagen, was geht und was nicht geht. Und dann soll die AfD einfach mal erklären, wie sie Probleme lösen will."
Nicht in das Rennen um das Direktmandat eingreifen konnte Thomas Nord. Er holte gut 19,1 Prozent, und blieb damit gut 9 Prozent unter seinem Ergebnis von 2013. Trotzdem zieht auch Thomas Nord über die Landesliste in den Bundestag ein. Nord gratulierte Martin Patzelt zum Gewinn des Direktmandats. "Ich freue mich, dass mit Martin Patzelt ein Politiker das Mandat direkt geholt hat, der einen aufrechten Gang in der Flüchtlingsfrage gezeigt hat." Die Linken sind im Wahlkreis 63 seit 2009 von damals 31,4 Prozent, 2013 auf 24,7 Prozent und jetzt 18,9 Prozent abgestürzt. Nord räumt ein, dass die Linken sich bundesweit in einem Umstrukturierungsprozess befinden und vor allem im Osten überproportional an Stimmen gewinnen. "Insbesondere im ländlichen Raum haben wir kein Mittel gegen die Verluste gefunden", betonte er. Der Landtagsabgeordnete René Wilke sieht in dem starken Ergebnis der AfD eine Herausforderung für alle anderen Parteien. "Auch die Linke muss das bei den Menschen weit verbreitete Gefühl der Ungerechtigkeit besser aufgreifen", betont er. Politik mische sich in die Probleme, die die Menschen bewegten, manchmal so ein, dass sie das Leben noch schwerer machte.
SPD-Kandidat Franz Berger kam auf 17 Prozent. Angesichts des generell schwachen Ergebnisses seiner Partei hat er auch keine Chance, über die Landesliste (Platz 14) ins Parlament einzuziehen. "Ja, ich bin enttäuscht, anhand der nackten Zahlen ist es eine Niederlage", so Berger. "Aber persönlich habe ich im Wahlkampf viel gewonnen", so der Meteorologe.
Ein Achtungserfolg gelang Manfred Dietrich von der FDP mit 5,1 Prozent der Erststimmen. Auch Grünen-Direktkandidat Clemens Rostock konnte sich über seine 3,2 Prozent freuen - hatte er doch im Vorfeld um die Zweitstimme geworben und deshalb dazu aufgerufen, nicht ihm, sondern Patzelt oder Nord die Stimme zu geben. "Uns war wichtig, dass Alexander Gauland nicht gewinnt. Damit die Region nicht den rechtspopulistischen Stempel aufgedrückt bekommt." Zum guten Ergebnis der Grünen im Bund erklärte Rostock: "Wir sind erleichtert. Wir hatten viel Gegenwind aus allen Richtungen. Es war zu befürchten, dass wir schlechter abschneiden, jetzt ist das Ergebnis sogar besser."
Der Spitzenkandidat der AfD, Alexander Gauland, war bis Redaktionsschluss nicht mehr für eine Stellungnahme zum Ergebnis in seinem Wahlkreis zu erreichen. Dafür Wilko Möller, Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes in Frankfurt (Oder). "Schade, ich hätte gedacht, dass es ein spannenderes Rennen wird und Alexander Gauland gewinnt", zeigte er sich sogar ein wenig über den Wahlausgang bei den Erststimmen enttäuscht. Zusammen mit zwei weiteren Frankfurter AfD-Mitgliedern feierte Möller am Abend bei der Wahlparty der AfD-Bundespartei in einem Club am Alexanderplatz. Auch wenn Gauland das Direktmandat verpasst hat, freute er sich über das "tolle Ergebnis der AfD in Frankfurt." Tatsächlich lieferten sich CDU (23,3 Prozent), AfD (22,2) und Linke (21,3) bis kurz vor Redaktionschluss (59 von 60 ausgezählte Stimmbezirke) in Frankfurt ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Im Wahlkreis insgesamt lag die CDU am Abend mit 24,6 Prozent vor der AfD mit 22,2 Prozent.
Die Wahlbeteiligung lag bei rund 70 Prozent.