Wenn das Wetter mitspielt, verwandelt sich an Donnerstagen der leere Marktplatz in einen bunten, trubeligen Ort des Handelns. Honig, Gurken und Käse aus der Region gibt es genauso wie vogtländische Leberwurst, italienische Pasta, warmen Blechkuchen aus dem Holzbackofen und Grüne-Bohnen-Suppe aus der Spreewälder Gulaschkanone. Etwa 25 Händler bieten zwischen 8 und 15 Uhr ihre Waren an. Die Kunden schlendern hier zwischen den Ständen, zum Transport des Einkaufs dient meist ein althergebrachter Korb, viele nehmen sich Zeit für einen Plausch in der Sonne.
Geht es nach Plänen des Stadtmarketings, soll es dieses Flair künftig nicht nur an Donnerstagen geben. Zusätzliche zentrale Markttage sind dem Vernehmen nach für Dienstag und Sonnabend geplant, dafür sollen die dezentralen Märkte vor dem Kaufland und am HEP entfallen. Eine offizielle Bestätigung dafür will Katja Werner, seit kurzem Leiterin des Stadtmarketings, nicht geben, da das neue Marktkonzept noch nicht beschlossen sei. Ziel der Veränderungen sei es, "den Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden" und "ein zentrales Einkaufserlebnis" zu schaffen. Dies solle in einer erhöhten Frequenz und einer Umsatzsteigerung für die Händler münden, vorhandene Anbieter binden und neue gewinnen.
Die Reaktionen der Händler sind zwiegespalten. Holger Sader zum Beispiel würde gern auch am Dienstag Pflanzen, Obst und Gemüse vor dem Rathaus verkaufen. Allerdings plädiert er dafür, die Öffnungszeiten nach hinten zu verschieben. "Mein Vorschlag wäre 9 bis 16 oder vielleicht sogar 17 Uhr. Wer berufstätig ist, schafft es sonst nicht zu uns", begründet er seinen Vorschlag, der in Händler-Versammlungen allerdings auf "erbitterten Widerstand" gestoßen sei, wie er berichtet.
Für wenig sinnvoll hält Benny Hesselink diesen Vorschlag. Er verkauft gleich nebenan aus einem gelben Wagen "Elfis Käsespezialitäten" - vom Trüffel-Gouda bis zum Ziegenfrischkäse - und kommt dafür jeden Donnerstag aus Werder/Havel. "Ab 13.30 Uhr ist hier tote Hose", lautet seine Erfahrung vom Grünen Markt, auf dem er seit dessen Anfängen 2004 präsent ist. Außerdem wolle er auf der Heimfahrt nur ungern in den Berufsverkehr geraten. An einem zusätzlichen Markttag in Frankfurt ist er ebenfalls nicht interessiert. "Wir sind total ausgelastet", berichtet er.
Ähnlich sieht das die Verkäuferin von der Bäckerei Kirscht, auch sie ist seit 2004 auf dem Markt vertreten. Ihre Stammkunden freuen sich, wenn gegen 13 Uhr überhaupt noch Brötchen zu haben sind. "Danach ist kaum noch Kundschaft da", meint sie. Beständigkeit sei ihr das Wichtigste, deshalb betont sie angesichts der anstehenden Veränderungen: "Hauptsache, ich behalte meinen Platz, ansonsten finden einen die Kunden nicht mehr."
Holger Sader kontert, man müsse Veränderungen auch eine Chance geben. Wenn neue Marktzeiten ausprobiert werden, müsse man eine solche Versuchsdauer auch mal auf eine Saison ausdehnen, damit die Kunden davon erfahren und sich daran gewöhnen können. "Die Organisatoren sollten sich nicht nur den Händlern verpflichtet sehen", gibt er zu bedenken. Im Zentrum sollte stehen, möglichst viele Kunden zu erreichen.
Neues Konzept sieht bis zu drei Tage für Händler am Rathaus vor / Anbieter uneinig über Öffnungszeiten