Am 24. Juli saß Franke abends mit ein paar anderen Männern, die er gerade kennengelernt hatte an  der Oderpromenade. Sie tranken Bier und unterhielten sich. Der spätere Täter war auch dabei. "Gegen 23 Uhr  wollte ich einen polnischen Obdachlosen zu mir mitnehmen, damit er erstmal ein Dach über dem Kopf hat", erzählt Franke. Das gefiel offenbar einem anderen Mann aus der Runde nicht, sie gerieten darüber in ein lautes Wortgefecht, fingen an zu streiten.
Ein paar Bänke weiter saß Schwarze mit seiner Freundin. "Wir kamen gerade aus Slubice wieder, ließen den Abend ausklingen. Dann hörten wir Schreie", berichtet der Frankfurter. Ging es zuerst nur um ein Feuerzeug, wurde es wenig später ernst. Denn in der Zwischenzeit wollte der spätere Täter den obdachlosen Polen verprügeln. "Als ich mich einmal kurz wegdrehte, holte er ein Messer aus seinem Rucksack und stach mir damit in die Seite", sagt Franke, zieht sein T-Shirt hoch und zeigt die gut 14 Zentimeter lange Wunde, die mit einem großen Pflaster überklebt ist. Die Tat geschah am Freitag- und nicht am Samstagabend, wie die Polizeipressestelle der Direktion Ost zuerst mitteilte.
Franke schleppte sich zum Haus 7 der Oderpromenade, klingelte dort, doch niemand der Anwohner öffnete. "Zu uns kam plötzlich ein Pole an, redete irgendwas von einer Messerstecherei", berichtet Schwarze. Den entwischten Täter, der sich Richtung Stadtbrücke davon machte, sei er hinterhergerannt, bekam ihn aber nicht mehr zu fassen. Den um Hilfe schreienden Franke fanden sie am Boden liegend. "Meine Frau arbeitet im Bereitschaftsdienst am Klinikum in Markendorf. Die wusste, was zu tun ist", sagt der Zeuge. Nachdem sie den Notarzt alarmierten, kümmerte sich das Paar um das Opfer, legten ihn auf den Rücken, sprachen ihm Mut zu, bis die Sanitäter eintrafen.
Die Kriminalpolizei übernahm die weiteren Ermittlungen zur gefährlichen Körperverletzung, wie die Polizeipressestelle mitteilte.  Auch die polnische Polizei wurde über die Tat informiert. "Wäre das Messer nur etwas länger gewesen, säße ich heute nicht hier", berichtet der 36-Jährige später – nach einer Not- und einer weiteren Operation. Nach vier Tagen durfte er das Klinikum wieder verlassen.
Mit ihrem Hund gingen der Zeuge Schwarze und seine Partnerin am Montagabend, den 27. Juli,  an der Oderpromenade spazieren. "Dabei entdeckten wir den Täter von Freitagabend –  bei den Stufen der Stadtbrücke", sagt der Frankfurter. Sofort wählte er die 110. Die Polizeibeamten sagten ihm am Telefon, dass er die Revierpolizei unter der 0335 5611 230 anrufen solle, um die Täterhinweise weiter zu geben. "Gut eine halbe Stunde ließ ich das Handy klingeln", erzählt der Zeuge. Doch niemand im Revier nahm ab. Dann legte er auf – ohne weitere Hinweise über den frei herumlaufenden Täter der Polizei geben zu können.

Interne Untersuchung bei Polizei

"Weshalb eine Entscheidung getroffen wurde, die nicht zufriedenstellend war, wird einer Untersuchung zugeführt", sagt Bärbel Cotte-Weiß von der Pressestelle der Polizeidirektion Ost.  Aus diesem Grunde hat der amtierende Leiter der Polizeidirektion entschieden, den Sachverhalt als Dienstaufsichtsbeschwerde bearbeiten zu lassen.
"Man fühlt sich nirgendwo mehr sicher", findet die Partnerin von Schwarze. Auf jeden Fall hat der Vorfall die beiden Männer zusammengeschweißt. "Wir sind jetzt Freunde. Ich bin den beiden unendlich dankbar", sagt Franke. Er verdanke dem Paar sein Leben.