"Wir wollten Frankfurt nicht verlassen", sagt Mirko Discher, "aber nach dem ganzen Hickhack blieb uns aus unternehmerischer Sicht nichts anderes übrig." Sie hätten bei allen Gesprächen den Eindruck gehabt, "das TeGeCe will uns nicht", ergänzt Stefan Grunow. "Dafür hat man uns in Müllrose den roten Teppich ausgerollt."
Es ist in der Stadt kein Geheimnis, dass sich Gespräche zwischen Unternehmen und der Geschäftsführung der TeGeCe GmbH (Technologie- und Gewerbecenter) mitunter kompliziert gestalten. Das durften in den vergangenen drei Jahren auch die Unternehmer Mirko Discher und Stefan Grunow erfahren. Und mit ihnen die Mitarbeiter der städtischen Wirtschaftsförderung.
Der Lossower Betriebssitz der Metallbau Grunow & Discher GbR platzt aus allen Nähten. Acht Mitarbeiter - davon zwei Lehrlinge - hat das 2010 gegründete Unternehmen. Diese Zahl wird weiter wachsen. Denn der Betrieb, der u. a. Balkone, Treppengeländer und Fluchttreppen herstellt, muss sich vergrößern. Zum einen wegen neuer technischer und baulicher Anforderungen an Firmen, die Tragwerke aus Stahl herstellen. Zum anderen, weil das Auftragsvolumen steigt: 2010 wurden 30 Tonnen Stahl verarbeitet, 2014 schon 110 Tonnen.
Die beiden Geschäftsführer machen sich 2012 auf die Suche nach einem geeigneten Objekt für eine neue Produktionsstätte. Ein Gebäude zum Kauf soll es sein. Auf der Internetseite der TeGeCe werden sie fündig: Die Halle 1205 steht leer, steht zur Vermietung. Sie fragen an, ob sie sie kaufen könnten, denn: "Wir müssten sehr viel investieren, das macht man nicht in einem Mietobjekt", betont Mirko Discher. Die Anfrage wird abgelehnt.
Nach weiteren erfolglosen Nachfragen wenden sich die Unternehmer ans Rathaus. Denn die TeGeCe GmbH ist eine 100-prozentige Tochter der Stadt. "Wir waren der Meinung, die Stadt müsste doch ein Interesse an der Vermarktung der Halle, die seit Jahren leer stand, haben", sagt Discher. OB Martin Wilke habe im Gespräch bestätigt, ein Verkauf der Halle 1205 im Randbereich wäre denkbar, er werde sich kümmern und sie sollten sich melden.
Danach hören die beiden Unternehmer lange Zeit nichts. Irgendwann meldet sich der Bereich Wirtschaftsförderung, vermittelt noch mal Gespräche mit der TeGeCe-Geschäftsführung, die nicht weiterführen. Monate später überlegen sich die Unternehmer, die Halle vielleicht für fünf Jahre zu mieten. Denn das Auftragsvolumen wächst. TeGeCe-Chef Holger Müller bietet ihnen einen Acht-Jahre-Mietvertrag an. Die Miete hat sich gegenüber 2012 aber fast verdoppelt, weil das TeGeCe inzwischen in das Gebäude investiert hat, angeblich 250 000 Euro. "Warum diese Investition?", fragt Stefan Grunow. "Hätte er uns die Halle verkauft, hätte er sich diese Ausgaben sparen können." Stattdessen steht der Hauptteil der Halle bis heute leer, ist nur ein kleiner Seitenbereich an eine polnische Mini-Firma vermietet. "Ein Alibi-Mieter", sagt Grunow, "weil die Stadt sich eingeschaltet hatte."
Weitere Monate später kommt ein Angebot des TeGeCe zum Kauf einer anderen Halle, 1085, die gerade leer geworden ist. "Diese war nicht ideal, aber wir hätten uns damit arrangiert, hätten später angebaut", sagt Discher. Das TeGeCe will für die Halle 190 000 Euro haben, der Verkehrswert beträgt laut einem Gutachten 174 000 Euro. Den Unternehmern kommt das sehr teuer vor. Für die Gespräche mit ihrer Hausbank lassen sie auf eigene Kosten ein Wertgutachten erstellen. Ergebnis: Die Halle hat einen Marktwert von 96 000 Euro. "Als wir den Prokuristen der TeGeCe darüber informierten, hat er nur gelacht", sagt Stefan Grunow.
Die Unternehmer bieten der TeGeCe 130 000 Euro Kaufpreis an, ohne Erfolg. Auch die Bemühungen des städtischen Wirtschaftsreferenten Mario Quast sind erfolglos. Gegenüber Quast zweifelt Müller sogar die Liquidität des Unternehmens an, erzählen Grunow und Discher. So habe ihnen es Mario Quast berichtet. Dieser formuliert es diplomatisch: "Herr Müller hatte noch Fragen zur finanziellen Machbarkeit eines Kaufs und Anbaus", sagt er, "diese konnten im Gespräch zwischen der Bank, einem der Unternehmer und mir eindeutig positiv beantwortet werden." Denn einer der beiden Unternehmer geht sofort mit dem Wirtschaftsreferenten zur Hausbank, um die Situation klarzustellen.
Letztlich scheitern alle Versuche der Unternehmer, im TeGeCe einen neuen Standort zu finden. Erst ganz zum Schluss, als die Stadt noch mal Druck macht, kommt vom TeGeCe ein Angebot zum Kauf eines Grundstückes. Doch da haben sich die Unternehmer längst für Müllrose entschieden. "Dort hat man uns ein Grundstück im Gewerbeparkring angeboten", sagt Stefan Grunow, "für 13 Euro je Quadratmeter. Dort bauen wir eine neue Halle, für 450 000 Euro." Und dort werden sie künftig Nachbarn von Orgelbau Sauer sein - eines Traditionsbetriebes, der ebenfalls einst in Frankfurt zu Hause war. Die Amtsverwaltung Schlaubetal habe sich sofort gekümmert, die Stadtverordneten hätten innerhalb von vier Wochen dem Verkauf zugestimmt, erzählt er. "Wir haben den Vertragsabschluss sogar noch um drei Monate verzögert, hatten noch auf eine Lösung in Frankfurt gehofft. Im Januar 2015 gab es ein letztes Gespräch, aber die Fronten waren verhärtet."
"Wir haben den Eindruck, bei der TeGeCe GmbH müsste mal jemand ordentlich mit der Faust auf den Tisch hauen," sagt Stefan Grunow, "irgendwas läuft da gewaltig schief." Mario Quast bedauert, dass die Firma Frankfurt verlässt. "Wir hatten von Anfang an den Eindruck, dass den beiden Herren im TeGeCe kein vertrauensvoller Partner gegenübersaß - im Gegenteil: Es ist nie zu einem Vertrauensverhältnis gekommen, es gab von Seiten des TeGeCe immer Zweifel. Die Gespräche haben in keiner konstruktiven Atmosphäre stattgefunden - mehr möchte ich dazu nicht sagen."
Quast erklärt, die Stadt habe auch auf die Möglichkeit verwiesen, ein Grundstück in einem Gewerbegebiet zu kaufen. Das sei für Grunow & Discher aber nicht in Betracht gekommen, zumal die Quadratmeterpreise über 20 Euro liegen. OB Martin Wilke hat nach eigenen Aussagen inzwischen den TeGeCe-Chef angewiesen, dem Gesellschafter unverzüglich alle Auseinandersetzungen mit Mietern und potenziellen Mietern zu melden.
TeGeCe-Chef Holger Müller verteidigt seine Politik. "Man möge uns bitte zugestehen, dass wir selbst entscheiden, wie wir das TeGeCe vermarkten", sagt er. In die Halle 1205 sei umfassend investiert worden, um "die grundhafte Verfügbarkeit herzustellen", unter anderem mit neuer Elektrik und neuer Heizung. Dass dafür auch ein entsprechender Mietpreis verlangt werde, sei klar.
Die Differenzen zwischen dem Verkehrswertgutachten und dem Marktwertgutachten zur Halle 1085 sieht Holger Müller nicht als Problem. "Beide Gutachten haben für uns nicht denselben Stellenwert", sagt er, "wir lassen Verkehrswertgutachten von einem Sachverständigen erstellen, wir haben schließlich die Verantwortung für das Vermögen der Kommune." Außerdem sei das TeGeCe den Unternehmern sogar entgegengekommen, habe ihnen "die Erlaubnis erteilt, das Objekt zu begehen". Den Vorwurf, er habe die Liquidität des Unternehmens angezweifelt, weist er zurück: "Wir haben Herrn Quast nur gefragt, ob die Wirtschaftsförderung Grunow & Discher in der Finanzierung begleitet", sagt er. "Ich ziehe deren Liquidität überhaupt nicht in Zweifel - ganz im Gegenteil, ich ziehe den Hut vor ihnen. Das Unternehmen hat eine ordentliche Bonität, wir fragen das immer bei der Creditreform ab." Also ist die Firma im TeGeCe unerwünscht? "Es ist legitim, dass wir unsere Interessen genauso vertreten wie die Grunow & Discher GbR ihre."
Das Metallbauunternehmen Grunow & Discher GbR verlässt Frankfurt und zieht um nach Müllrose.