Ein Wochenende mit dreimal restlos ausverkauftem großen Saal - wann hat es das zuletzt im Frankfurter Kleist Forum gegeben? Und nicht weltbekannte Stars oder die bei den Frankfurtern so beliebten Uckermärkischen Bühnen aus Schwedt haben das geschafft, sondern 350 Kinder und Jugendliche aus Frankfurt, Seelow, Lebus, Golzow, Eisenhüttenstadt, Beeskow, Neuzelle, Müllrose sowie den polnischen Orten Slubice und Kowalow gemeinsam mit dem Brandenburgischen Staatsorchester unter Leitung von Howard Griffiths.
Und deshalb saßen bei der Premiere und den beiden weiteren Aufführungen am Sonnabend und Sonntag auch Besucher aus all diesen Städten und Gemeinden im Saal, vor allem Familien, Freunde, Schulkameraden und Bekannte der jungen Akteure auf der Bühne. Noch einige mehr hätten gerne Karten gekauft und haben keine bekommen. Und das, obwohl bei der Premiere einige Plätze frei blieben. Denn einige der geladenen Ehrengäste waren nicht gekommen, hatten aber auch nicht abgesagt, wie Orchester-Sprecherin Christine Hellert bedauerte. So wurde einigen kurzentschlossen Angereisten die Chance genommen, mitzuerleben, was die Kinder und Jugendlichen gemeinsam mit den Orchesterprofis zu zeigen hatten.
Und das darf getrost als großartig bezeichnet werden. Denn die "Rituale" sind wohl das bislang kompakteste Projekt in der von der Drosos-Stiftung geförderten Education-Reihe des Staatsorchesters. Mehrere Monate lang haben sich die Kinder und Jugendlichen mit dem Thema Rituale beschäftigt. In Gesang, Tanz, Musik und Percussion zeigen sie von der Kindheit über die Jugend und das Erwachsensein bis hin zu Alter und Tod, was sie dabei bewegt. Und sie denken dabei nicht nur an Deutschland, sondern stellen ganz selbstverständlich auch dar, was in anderen Kulturen Ritual ist. Da erklingt ein polnisches Lied neben einem deutschen, wirbeln Tänzer wie Derwische oder Kosaken über die Bühne, wird eine jüdische Hochzeit gefeiert oder erklingen Instrumente aus fernen Ländern.
Die Choreografen Be und Mevlana van Vark, Chorleiterin Barbara Weiser-Lada, Musikerin Claudia Georgi, Theaterpädagogin Gundula Wolk, Bühnen- und Kostümbildnerin Bärbel Jahn, aber auch die Lehrer aller beteiligten Schulen haben mit den Kindern so gearbeitet, dass sie das so bewegend auf die Bühne bringen konnten. Sicher wird nun nicht jeder von ihnen Tänzer, Musiker oder etwa Choreograf werden wollen. Doch sie haben gelernt, dass Kunst und Kultur Spaß machen, aber durchaus Arbeit sind, Disziplin brauchen und dass es für die Gesamtleistung auf jeden einzelnen ankommt. Nur so haben sie es geschafft, das Publikum mitzureißen, das bis zum grandiosen Finale zu Ravels Bolero gebannt auf den Plätzen sitzt, sich zwar ab und an gegenseitig zeigt, wo Paul, Maria oder Anna auf der Bühne sind, ansonsten aber jede Gruppe feiert und sich am Ende geschlossen erhebt und minutenlangen Beifall spendet.
Und nach der Aufführung werden im Foyer immer wieder Kinder in den Arm genommen und erhalten ihr ganz persönliches "Toll gemacht. Ich bin stolz auf dich."
"Rituale" sorgen für ein dreimal ausverkauftes Kleist Forum. 350 Kinder aus der Region waren beteiligt.