„100 Jahre will ich werden!“ Horst Fröhlich hat sich trotz eines weiteren Schicksalsschlages seinen Optimismus und seine Fröhlichkeit bewahrt. Am Mittwoch feiert der Trainer des SC Frankfurt seinen 70. Geburtstag – mit Krücken in der Reha-Klinik Bad Freienwalde.
Vor fünf Jahren hatte er sich prophylaktisch an der rechten Hüfte im Frankfurter Klinikum operieren lassen und mit Gehhilfen seinen 65. Geburtstag daheim in Jacobsdorf feiern können. Nun also wieder das gleiche Malheur. Diesmal allerdings traf es ihn völlig unvorbereitet. Er musste in die Notaufnahme.
„Anfang Oktober war eine ordentliche Übergabe der Trainergeschäfte also nicht planbar“, bedauert der grauhaarige Kurpatient. Und man spürt die Sorge um seine Leichtathleten vom Sportclub. „Aber Trainerkollege Hartmut Schulze und die anderen packen das auch ohne mich“, ist Fröhlich überzeugt.
Tatendrang und Aktionsradius des einstigen Dynamo-Übungsleiters sind derzeit enorm eingeschränkt. Eisern arbeitet er am Heilungsprozess. Völlig ausbremsen lassen will er sich nicht – typisch für ein wahrlich bewegtes Sportlerleben.
Im Oderbruch, in Wollup, ist er aufgewachsen, ließ sich in Bernau zum Forstingenieur und in Leipzig zum Sportlehrer ausbilden. Mitte der 60er Jahre gehörte er zu den stärksten Mittelstrecklern des Bezirkes. 1967 begann Dynamo mit dem Aufbau von Nachwuchsabteilungen, die sich vor allem aus Mädchen und Jungen der 9., 10. und?11. Oberschule zusammensetzten. Detlef Gerstenberg, der spätere Junioren-Europameister und Olympiafünfte 1980 im Hammerwerfen, war einer der bekanntesten Leichtathleten, die aus Fröhlichs Trainingsgruppe hervorgingen.
Als Trainer am damalige Trainingszentrum (TZ) konnte er ab 1980 sein „Hobby zum Beruf machen“. 43 Frankfurter Mädchen und Jungen fanden bis zur Wende den Weg an die Sportschulen – ein Zeichen für erfolgreiche Arbeit im Nachwuchs-Leistungssport. Auch nach der Wende fanden einige seiner Talente wie Josefine Sperling oder Janine Borrmann den Weg in die Leistungszentren.
Bei den diesjährigen Deutschen Meisterschaften im Blockmehrkampf (Lauf, Wurf und Sprint/Sprung) der AK 14/15 in Cottbus überraschten Marius Sperling, Leon Senger und Tim Bechly sowie die Zwillinge Florian und Pascal Berthold mit einem vierten Rang in der Mannschaftswertung. „Und bei den Jüngeren wächst auch was nach“, freut sich Fröhlich angesichts der Entwicklung von Matti Keller und Lea-Sophie Derling.
Seit 2001 ist der Familienmensch Fröhlich (43 Jahre verheiratet mit seiner Annelie, drei Töchter, vier Enkel) ruheloser Rentner. 2003 übernahm er beim 140 Mitglieder starken SC Frankfurt mehr ehrenamtlich das Trainer-Zepter, half entscheidend mit, das Leichtahletik-Dasein am brandenburgischen Landesleistungsstützpunkt zu sichern.
Über sich selbst macht er nicht „Gewese“. Nur so viel: „Wer von der Pike auf Leichtathlet mit ganzem Herzen war, kommt so schnell nicht wieder davon los.“
Auf dringenden Rat der Ärzte muss er nun wesentlich kürzer treten, die Hüfte schonen –„nur ungern, aber was hilft‘s?“, sagt er. Nicht mehr zwei volle Trainingseinheiten am Tag wird er im Stadion oder in der Halle im wahrsten Sinne des Wortes durchstehen. „Aber maximal zwei Stunden sind bestimmt möglich“, hofft und wünscht deralte Trainerfuchs mit A-Lizenz. Einen „kalten Entzug“ könne er sich nicht vorstellen.
SC-Chef Olav Senger lobt den erfahrenen Sportlehrer wegen seines großen Fachwissens und seiner Leidenschaft. „Horst brachte frischen Wind und neue Sichtweisen in unseren Verein, sorgt für einen regelmäßigen Übungs- und Wettkampfbetrieb, schafft Erlebnisse. Er ist zuverlässig, ein Mann der klaren Worte, und sein Wort zählt. Unser Verein mit seinen 140 Mitgliedern, darunter 100 Kinder und Jugendliche, freut sich, dass er uns nach seiner Genesung erhalten bleibt.“