"Ich habe einen Schrei gehört. Es war schrecklich", sagt eine Frau am Montagmittag. Die 39-Jährige kommt gerade von ihrer Arbeit in ihre Wohnung im Traubenweg zurück – und ist noch immer schockiert, die Stimme zittert. Denn als sie am Morgen um kurz nach sieben Uhr nachschaut, woher der Schrei kommt, sieht sie von ihrem Balkon aus einen Mann am Boden liegen, zusammengekrümmt. Wenig später erliegt der Mann seinen Verletzungen. Es kann nur noch der Tod des 52-Jährigen von der Polizei festgestellt werden, die die Bewohner gegen 7.10 Uhr anriefen.
Umstände sind unklar
"Er ist vom Balkon aus der vierten Etage gestürzt", berichtet Stefan Möhwald von der Pressestelle der Polizeidirektion Ost. Als seine Kollegen die Wohnung des toten Mannes öffneten, lag der 83-jährige Vater ebenfalls leblos in der Wohnung. Vater und Sohn sollen dort zusammen gelebt haben. Sofort sperrt die Mordkommission den Tatort ab, ein weißes Zelt schirmt den Toten vor neugierigen Blicken auf der Straße ab. "Bisher wissen wir nichts über die beiden Männer", so Möhwald – weder über das Vater-Sohn-Verhältnis, noch, wie es zu dem Vorfall kam; ob es sich um einen Unfall handelt, ein Familienstreit dem Sturz voraus ging oder Gewalt im Spiel war. Die Umstände sind unklar.
Direkte Nachbarn wollen nicht reden
"Ich will darüber nicht reden", ruft eine Nachbarin aus der vierten Etage, die zwei Balkone nebenan den Vorfall live mitbekam. Sie habe alles der Polizei mitgeteilt. Aus dem Wohnblock, in dem Vater und Sohn oben zusammen waren, möchte sich keiner der Nachbarn zum Geschehen äußern.
Mittagsläuten der Kirchenglocken – gegen 12 Uhr sind die Beamten der Kriminalpolizei fertig, nehmen die Toten zur Obduktion mit, bauen das Zelt ab und reißen das Absperrband im Innenhof wieder ab. Was übrig bleibt, ist das getrocknete Blut, an der Stelle, wo der Mann aufschlug. "Bei mir wurden die Rauchmelder ausgetauscht – und da habe ich mich über die Polizeiautos vor den Garagen gewundert", erzählt eine Seniorin, die ihre Blumen auf dem Balkon gießt. Als ruhig und eher anonym beschreibt sie die Wohngegend. Überwiegend ältere Menschen wohnen in den zirka 60-Quadratmeter-großen Wohnungen.
Keiner kennt Vater und Sohn
Oder Mutter und Kind: "Zum Glück bin ich nicht dort unten hingezogen. Sonst wäre ich heute Morgen neben einem Toten aufgewacht", ist Erstere erleichtert darüber, dass sie nicht aus der Hausnummer 5 ins Erdgeschoss gezogen ist. Der 53-jährige Mann kam vor den Fenstern der Wohnung auf. "Ich kannte die Männer nicht", sagt Gerhard Flögel, der mit seiner Frau zwei Hausnummern weiter wohnt. Der Rentner beobachtete das Geschehen gegen halb acht von seinem Fenster aus.
Es ist auffällig: Keiner der befragten Anwohner kannte den Sohn oder Vater. Die Mordkommission versucht nun den Hergang des Sturzes zu rekonstruieren und in welchem Verhältnis Vater und Sohn zueinander standen.