Summ, summ, summ. Dieses Geräusch dürfte vielen Frankfurtern seit Wochen äußerst bekannt sein. Gefühlt hat sich seit dem letzten großen Gewitter eine wahre Mücken-Invasion formiert. Die Reaktionen und Auswirkungen sind meistens  dieselben: Aufs Summen folgt das Klatschen – und vielleicht wurde am Ende der fliegende Blutsauger getroffen. Zig juckende Stiche sind meist das Resultat.
Insbesondere an der Oder fühlen sich die Insekten pudelwohl. "Entweder klatschen oder reingehen", sagt Petra, die am Abend am Fluss spazieren war. "Oder im Ganzkörper-Kondom auf der Terrasse sitzen", ist ihr Rat für viel Kleidung. Auch Peter, der oft an der Schiffsanlegestelle seine Angel ins Wasser hält, schützt sich – mit einem Anti-Mückenspray.  "Direkt am Wasser geht’s noch", erzählt er. Schlimmer sei es auf dem Ziegenwerder, mit Moor und Wiesen, die perfekte Brutplätze für Mücken bieten. Das kann Gundula Wolk vom Theater des Lachens nur zu gut bestätigen.
Beeinträchtigungen bei La Luna
"Mittwoch war der große Aufbau- und Probentag bei über 34 Grad und mit Millionen Mücken", berichtet Wolk über das Theaterfest "La Luna", das letzte Woche auf der Insel stattfand. Hochrote Köpfe und Beulen am Körper seien die Folge gewesen.  Während das Publikum sich bei den Vorstellungen großzügig mit Mückenspray versorgte, wurden die Darsteller erfinderisch – und tanzten eine Runde mit Autan-Zerstäuber zum Rhythmus der Musik. "Sobald die Vorstellung begann, waren die Mücken fast vergessen", sagten so einige Zuschauer nach dem Open-Air.
"Ja, in diesem Jahr gibt es mehr Mücken als die letzten Jahre", bestätigt Axel Bialas vom Frankfurter Regionalverband des Naturschutzbundes (Nabu). Gründe könnten der milde Winter und das günstige Wetter im Frühling sein. Von den deutschlandweit gut 50 Mückenarten sind in Frankfurt besonders die Stechmücke (1 Zentimeter groß) und die Kriebelmücke (2 bis 3 Millimeter groß) verbreitet, so das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Zalf) aus Müncheberg.
Das Mehr an summenden Plagegeistern macht sich auch in Drogerien und Supermärkten bemerkbar. Seit Sonnabend gibt es kein Mückenschutzmittel mehr im Rossmann, der im Oderturm sitzt.  "Ausverkauft seit zwei Wochen", heißt es auch am Montag bei DM in den Lennépassagen. Und gähnende Leere herrscht in der Insektenschutz-Abteilung im Kaufland am Hortenvorplatz.
Ähnlich schwierig gestaltet sich auch der Kauf eines Fliegengitters. "Bei DM war das Gitter ausverkauft. Bei Rossmann gab‘s auch keins", berichtet Annika. Nach Tedi, Woolworth und Kaufland ist die Studentin im Baumarkt Toom fündig geworden.
Einige Apotheken scheinen früh genug auf die Invasion reagiert zu haben. "Wir haben noch reichlich an Mückenspray auf Vorrat", heißt es aus der Lenné-Apotheke. Am besten sei "Anti-Brumm", da bei anderen Herstellern wie Authan, die Mücken auf den Wirkstoff nicht mehr anschlügen.
Keine Gefahr für Menschen
Sind die Plagegeister gefährlich? "Die in Brandenburg vorkommenden Mückenarten übertragen keine für den Menschen gefährlichen Infektionskrankheiten", so Kora Kutschbach, Presserefentin der Stadt. Rechtlich liege kein von der EU zugelassener Handlungsspielraum vor, um gegen fliegende Mücken vorzugehen. "Insekten sind ein Teil der Nahrungskette", warnt Bialas vor dem Einsatz von Insektengift. In Słubice wurde in 2009 und 2010 Gift versprüht. "Das war keine gute Entscheidung", meint die Ärztin Jadwiga Caban-Korbas von der polnischen Hygienebehörde.

Kommentar: Erst Denken, dann raus

Plötzlich waren sie da, die schwarzen, kleinen, summenden Plagegeister. Wie aus dem Nichts tauchten die Mücken vor ein paar Wochen auf. Und lassen sich seitdem auf Mensch und Tier nieder, um noch mehr von ihrer Art zu zeugen. Ob beim Imbiss um die Ecke, im Biergarten oder am Oder-Ufer – überall klatschen sich die Leute ab. Oder sprühen sich am ganzen Körper mit Mückenspray ein. Auch wenn die Anzahl dieses Jahr schon erhöht ist, da die Insekten ideale Bedingungen für ihre Fortpflanzung vorgefunden haben, so sollte die Reaktion pro Umwelt – und nicht pro Insektengift sein. Denn dadurch würde noch mehr in der Natur zerstört, als "verbessert" werden. Deshalb ist Vorsicht besser als Nachsicht: Plant man in den Abendstunden rauszugehen, sollte lange Kleidung angezogen und ein Schutzmittel eingepackt werden. Ja, im Sommer sind Hosen und Pullover lästig. Aber wenigstens ist spazieren gehen so möglich. An Hausmitteln kann man beispielsweise Kräuter wie Minze, Eukalyptus, Zitronenmelisse, Rosmarin oder Lavendel aufstellen. Ebenfalls können ätherische Öle Abhilfe schaffen. Falls es nicht hilft: Zu Hause bleiben, Fliegengitter vor die Fenster und erst nach der Dämmerung frische Luft schnappen gehen. Und wenn’s doch sticht – nicht kratzen. Jan-Henrik Hnida