Wenn das Gebet beginnt, wird es voll sein. "Freitags könnten wir den doppelten Platz gebrauchen", räumt Rautenberg ein. 50 bis 70 Teilnehmende kommen regelmäßig. Früher traf man sich in der Turnhalle des Brückenplatzes, die musste man sich mit anderen Gruppen teilen.

Gemütlicher Minimalismus in der Moschee

Von außen wirkt der zwischen zwei Altbauten eingeklemmte Flachbau, an dem eine Inschrift auf die alte Steinmetzwerkstatt verweist, unscheinbar. Öffnet man die Tür, steht man plötzlich in einem Raum, der, wie die meisten Moscheen, von gemütlichem Minimalismus geprägt ist. Die Schuhe lässt man im Schuhregal. Katrin Rautenberg führt durch den Raum. Auf den Teppich quer zur Wand geklebte Linien helfen, um sich beim Beten nach Mekka auszurichten. Helle Streifen markieren den Abstand – Corona begleitet die Gemeinde fast von Anfang an in der Leipziger Straße. Der Verein mietet die Immobilie von einem Privateigentümer. Das Teuerste am Umbau sei die Lüftungsanlage gewesen, sagt Rautenberg und deutet auf die großen Rohre an der Decke. Das Land fördert den Aufbau des Gemeindelebens mit 8000 Euro im Jahr.
Toiletten wurden eingebaut mit einem Waschbereich für die rituelle Reinigung von Händen, Armen und Füßen vor dem Gebet. Vorn steht eine kleine Kanzel für die Predigt, daneben ein Teppich für den Vorbeter. Eine digitale Anzeige blendet die Zeiten für das fünf Mal tägliche, meist individuelle Gebet, das nach dem Stand der Sonne berechnet werden. An der langen Wand hängen arabische Kalligraphien, die "Allah" und "Mohammed" bedeuten. In den Wandregalen stehen der Koran und Religionsbücher auf arabisch, deutsch und englisch. Unter der Woche findet derzeit Religionsunterricht für Kinder statt. Auch erwachsene Frauen und Männer treffen sich gemeinsam, um im Koran zu lesen. "Dafür ist der Raum genau passend", sagt Rautenberg.

Predigt auf deutsch angestrebt

Ein Jalousie-Vorhang in der Mitte dient für die Geschlechtertrennung beim Freitagsgebet – theoretisch. Praktisch verzichteten aber die Frauen oft darauf – für sie ist es keine Pflicht und Platz ist rar. Ab 13 Uhr treffen immer mehr Gottesdienstbesucher ein – alle "Brüder", wie Rautenberg sie nennt. Sie grüßen sie mit "Salam alejkum". Manche bringen ihre Söhne mit. Katrin Rautenberg bleibt die einzige Schwester. Hinter einer spanischen Wand hört sie die Worte des Vorbeters "Auf zum Gebet, auf zum Erfolg".
In der Predigt spricht der davon, dass es nicht reiche ein guter Muslim zu sein, man müsse auch ein guter Mensch sein – übersetzt Rautenberg aus dem Arabischen. Sie setzt sich dafür ein, dass auf deutsch gepredigt wird. Einerseits wegen der Transparenz nach außen, sagt sie, andererseits, damit sich auch die Gemeinde als Ort der Begegnung auf Basis der gemeinsamen Sprache entwickeln könnten. Nicht alle sprechen gut arabisch. Zwar stammen viele Mitglieder aus Syrien, aber auch aus Afghanistan, Indien, Pakistan oder afrikanischen Ländern. Rautenberg legt Wert darauf, dass sich die verschiedenen Sprachgemeinschaften über die unterschiedlichen religiösen Traditionen hinweg treffen können. "Wir sind ein Ort für alle Muslime", sagt sie.