Baustelle Bahnhofstunnel: Seit Montag ist die Bahnhofstraßeaus Richtung Zentrum gesperrt. Schwere Technik einer Spezialfirma aus Halle bereitet den ab Freitag geplanten Einbau von insgesamt acht Straßenbahn-Weichen vor.
Eine Autoschlange wartete gestern Mittag im oberen Teil der Bahnhofstraße geduldig vor dem Ampelrot. Entgegen kamen bergauf ein Überlandbus und die Straßenbahn der Linie 1, dahinter zwei Taxen. Nichts geht ansonsten mehr in Richtung Bahnhof. Da seit gestern der Einbau der Straßenbahn-Weichen vorbereitet wird, ist die Bahnhofstraße aus Richtung Zentrum gesperrt – von Linienbussen, Straßenbahnen und Taxen einmal abgesehen. Überall stehen Halteverbotsschilder. Lediglich bergab, in Richtung Heilbronner Straße, rollt der Individualverkehr im Schritttempo einspurig – wie durch ein Nadelöhr – an der Baustelle vorbei.
Die Polizei und das städtische Ordnungsamt hatten bereits am Freitag strenge Kontrollen angekündigt. Gestern Morgen mussten mehrere Autos, die im Halteverbot standen, kostenpflichtig abgeschleppt werden.
Die Lage im Griff hat Ralf Krüger, Bauleiter der Balfour Beatty Rail GmbH. Die Spezialfirma mit Sitz in Halle hat sich auch im Geschäftsbereich Gleisanlagen bundesweit einen Namen gemacht. „Mit der Frankfurter Stadtverkehrsgesellschaft arbeiten wir schon seit Jahren zusammen.“ Bis zu 30 Fachleute bringt Krüger in dieser Woche nach Frankfurt. Ein Teil von ihnen fräst derzeit links und rechts der Straßenbahngleise den Asphalt weg.
Die Asphaltfräse frisst sich bis auf eine Tiefe von 20 Zentimetern in den harten Straßenbelag. Andere von Krügers Kollegen arbeiten in der Nähe der Görlitzer Straße.
Kurz vor der Brücke über die Große Müllroser Straße ist eine weitere, nicht ganz so spektakuläre Baustelle. Der Parkplatz in der Fürstenberger Straße ist deshalb gesperrt. „Wir haben bis Donnerstagabend Zeit, den Einbau der insgesamt acht Weichen – vier in der Bahnhofstraße, vier in Beresinchen – vorzubereiten“, berichtet Bauleiter Krüger gestern. Allein zur Baustelle Görlitzer Straße werden ab heute 350 Tonnen Schotter angeliefert – Grundlage für ein stabiles Gleisbett.
Freitag, 8.30 Uhr, greift dann der Schienenersatzverkehrs-Plan der Stadtverkehrsgesellschaft (siehe Frage des Tages). „Dann haben wir volle Baufreiheit und können den restlichen Asphalt abfräsen, einen Teil der Schienen herausreißen und die Bauweichen einbauen.“
Die Weichen werden gebraucht, weil laut Bauplan ab Februar kommenden Jahres die Straßenbahnen nur noch eingleisig durch den Bahnhofstunnel rollen können. „Eine Seite der Eisenbahnüberführung bleibt für die Tram offen, die andere ist Arbeitsfläche für den Abriss. Durch die Weichen sind wir flexibler und können mal das linke, mal das rechte Gleis blockieren“, erläutert Uwe Brettin, Leiter des hiesigen Baubüros der Deutschen Bahn.
Ihm und seinen Mitarbeitern macht seit Wochen das Schichtwasser auf der Baustelle zu schaffen, „das in Menge und Höhe so nie zu erwarten war. Es hat sich wohl über Jahre in einer großen Tonwanne gesammelt“. Erst jetzt, nach dem Einbau eines Entwässerungssystems, soll der Spuk endlich ein Ende haben. Brettin: „Ende der Woche sind wir schlauer.“