Der Nahverkehrsplan für die Jahre 2017 bis 2021 legt die Grundlagen der Entwicklung des Bus- und Straßenbahnverkehrs in Frankfurt fest. Ein Ziel ist die Herstellung der Barrierefreiheit.
"Linientausch im Stadtverkehr", hatte der Stadtbote Mitte Juli getitelt und über mögliche Änderungen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), die im Entwurf des Nahverkehrsplans enthalten waren, berichtet. Inzwischen ist der Nahverkehrsplan von den Stadtverordneten beschlossen worden und die vorgesehenen Neuerungen werden mit dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember in Kraft treten.
Erstellt worden ist der Plan im Auftrag der Stadt durch die Proziv Verkehrs- und Regionalplaner GmbH & Co. KG in Berlin. Das Unternehmen untersuchte die Situation im Nahverkehr und stellte unter anderem fest, dass das Fahrplanangebot nach Neuberesinchen derzeit deutlich überdimensioniert ist. So sei das Fahrgastaufkommen auf der Linie 1 zwischen 2007 und 2013 um fast 47 Prozent zurückgegangen, was dem massiven Wohnungsabriss geschuldet ist. Als weitere nur mäßig genutzte Strecken werden die Abschnitte zwischen Zentrum und Lebuser Vorstadt bzw. Stadion angeführt.
Die Straßenbahn bilde in Frankfurt auch weiterhin das Rückgrat des Nahverkehrs, wird im Nahverkehrsplan festgestellt. "Die Straßenbahn bleibt Hauptträger im ÖPNV", da sie auf den am meisten nachgefragten Verkehrsachsen unterwegs ist. In Zahlen sieht das so aus: Die Busse fahren zwar insgesamt etwa 30 Prozent mehr Kilometer, aber 63,2 Prozent aller Fahrgäste des ÖPNV (Stand: 2013) nutzen die Straßenbahnen. Der Busverkehr werde auch künftig "die Funktion der Netzergänzung zur Straßenbahn haben".
Mit den im Nahverkehrsplan festgelegten Leitlinien bekennt sich die Stadt auch zur Herstellung der Barrierefreiheit bis zum 1. Januar 2022. Die entsprechenden gesetzlichen Anforderungen sollen "möglichst weitgehend erfüllt werden können". Die Proziv GmbH hat festgestellt, dass die Haltestellen "vergleichsweise gut" ausgebaut sind. Etwa 50 Prozent aller Richtungshaltestellen im Stadtgebiet seien bereits barrierefrei. In Frankfurt gibt es insgesamt 314 Richtungshaltestellen - das heißt im Umkehrschluss, etwa 150 Haltestellen sind noch nicht barrierefrei.
An Straßenbahn-Haltestellen, die nicht barrierefrei ausgebaut sind, haben Fahrgäste nicht nur große Mühe beim Ein- und Aussteigen. An etlichen dieser Haltestellen können sie auch durch durchfahrende Kraftfahrzeuge gefährdet werden. Laut Nahverkehrsplan sollen bis Ende 2021 etwa 1,2 Millionen Euro in den barrierefreien Ausbau von Straßenbahn-Haltestellen investiert werden. Eine Prioritätenliste - erstellt durch die Arbeitsgruppe "Barrierefreier ÖPNV" der Stadt - legt fest, welche acht Haltestellen zuerst ausgebaut werden sollen. Das sind in der Reihenfolge die Haltestellen Magistrale, Anger, Topfmarkt/Konzerthalle, Messegelände, Kleist Forum, Kantstraße, Witzlebenstraße und Westkreuz. An fast allen diesen Haltestellen befindet sich das Gleisbett in der Fahrbahnmitte statt am Straßenrand. An neunter Stelle wird der Ausbau der Bushaltestellen auf dem Gelände des SMC genannt.
Im Nahverkehrsplan wird aber auch betont, dass die Stadt nicht aus eigener Kraft in der Lage dazu ist, bis 2022 alle Haltestellen für Straßenbahnen und Busse barrierefrei auszubauen. Die Stadt gehe davon aus, "dass im Bereich der Haltestelleninfrastruktur - ungeachtet von einem konsequenten Hinwirken auf dieses Ziel - ohne eine verstärkte Förderung über Bund und/oder Land die Vorgabe aufgrund mangelnder Finanzierungskraft nicht in vollem Umfang realisierbar sein wird", heißt es. Strafen braucht die Stadt nicht zu befürchten: Paragraf 62 des Personenbeförderungsgesetzes legt fest, dass Ausnahmen festgelegt werden können, "wenn dies nachweislich aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen unumgänglich ist".
Grundlagenplan für 2017 bis 2021 legt Prioritäten fest / Neuerungen auf mehreren Linien ab Dezember
Änderungen ab dem 10. Dezember
¦ Straßenbahn, Linie 1: neue Streckenführung Neuberesinchen - Stadion ¦ Straßenbahn, Linie 2: verkehrt Mo-Fr, 9.30-16 Uhr, alle 10 statt bisher alle 20 Minuten ¦ Straßenbahn, Linie 4: neue Streckenführung Markendorf - Lebuser Vorstadt ¦ Straßenbahn, Linie 5: fährt nur noch Mo-Fr, 6-9.30 Uhr und 16-18 Uhr ¦ Straßenbahn, Linien 3/4: bis Ende 2018 Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Kopernikusstraße und Markendorf, Ort ¦ Bus, Linie 980: neue Streckenführung Bahnhof - Kopernikusstraße. Die Haltestellen Seefichten, Grubenstraße, Mozartstraße und Birnbaumsmühle entfallen. Keine Fahrten mehr zwischen Ziolkowskiallee und Bahnhof. Keine Fahrten mehr zwischen Rosengarten und Messegelände. ¦ Bus, Linie 981: verkehrt zwischen Kopernikusstraße und SMC öfter als bisher ¦ Bus, Linie 982: verkehrt öfter als bisher ¦ Bus, Linie 985: Die Linie 985 wird eingestellt, die Linie 980 fährt dafür öfter. ¦ Bus, Linie 987: weniger Fahrten als bisher ¦ Nachtbus: Aufsplittung der Linie N 1 in neue N 1 und N 2; die bisherige N 2 über die Ortsteile wird eingestellt