Das Ergebnis ist deutlich: Mehr als zwei Drittel der Slubicer Wähler haben Tomasz Ciszewicz bei der Stichwahl am Sonntag ihre Stimme gegeben und damit einen Trend bestätigt, der sich schon in der ersten Runde vor zwei Wochen abzeichnete. Schon damals, als sich insgesamt noch fünf Kandidaten um den Posten an der Stadtspitze bewarben, hatte Herausforderer Ciczewicz gegenüber Amtsinhaber Ryszard Bodziacki die Nase vorn.
Die klare Mehrheit habe ihn etwas überrascht, sagte Tomasz Ciczewicz am Montag. Er werte das Ergebnis als Vertrauensvorschuss der Wähler und als Verpflichtung, Slubice voranzubringen. Zu tun gibt es seiner Meinung nach vieles. Als erstes will der 42-Jährige sich einen genauen Überblick über die finanzielle Lage Slubices verschaffen und mit daran arbeiten, den Haushalt der stark verschuldeten Stadt zu ordnen. Als zweiten Schwerpunkt hat er sich nach eigenen Worten die Erarbeitung eines Investitionsplanes gesetzt. Nötig sei etwa der weitere Ausbau des Slubicer Straßennetzes. Den Bau einer grenzüberschreitenden Straßenbahnlinie zählt Ciczewicz erst einmal nicht dazu. Das Projekt sei seiner Ansicht nach nicht vordringlich. Zunächst habe Slubice andere Probleme, vor allem fürchte er, mit dem Vorhaben den Stadthaushalt über Gebühr zu belasten. Damit spreche er sich aber nicht grundsätzlich gegen eine grenzüberschreitende Linie des öffentlichen Personennahverkehrs aus, betont Ciczewicz.
Ohnehin sei er an guten Beziehungen zur Nachbarstadt Frankfurt interessiert. Natürlich seien Frankfurt und Slubice auch Konkurrenten, etwa was Ansiedlungen betreffe. An einer konstruktiven Zusammenarbeit führe seiner Ansicht nach dennoch kein Weg vorbei.
Der 42-jährige Inhaber einer Geodäsie-Firma mit acht Mitarbeiten muss in der neugewählten Slubicer Stadtverordnetenversammlung nun Mehrheiten finden. Er ist als Parteiloser zur Wahl angetreten, unterstützt von einem kleinem Team namens „Slubiczanie razem“ (Slubicer gemeinsam). In der Stadtverordnetenversammlung aber hat die Bürgerplattform die Mehrheit, der der bisherige Bürgermeister Ryszard Bodziacki angehört. Noch am Wahlabend rief dieser seinen Herausforderer an und gratulierte ihm zum Sieg, wie Tomasz Ciczewicz berichtet.
Der neue Bürgermeister hofft, das Amt noch in diesem Jahr antreten zu können. Über den Termin entscheidet der Stadtrat. Sobald er im Amt ist, will sich Frankfurts Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) mit Ciczewicz treffen. Er hoffe auf eine weitere gute Zusammenarbeit mit Slubice, sagte der OB gestern. „Wir sind nach wie vor für Kooperationen offen.“