Viele Erinnerungen und die Hoffnung auf ein gefülltes Vakuum – das verbinden Gäste mit der Neueröffnung  vom Café Nord. Am Freitag hat die Lebenshilfe das Traditionslokal eingeweiht.
„Ich kenne das hier noch als HO, als Fischladen, als Gemüseladen und als Café Nord“, erzählt Regine Frey  bei einem Glas Sekt und fasst damit mal eben die jüngere Geschichte des Hauses hinter ihr zusammen. „Café Nord“ prangt dort wieder in großen Lettern auf strahlend blauem Grund, seit Freitag hat die Lebenshilfe das Traditionslokal wieder eröffnet. Eine „Kiez-Gaststätte“ soll es sein, sagt Regina Griebel, Geschäftsführerin der Frankfurter Lebenshilfe.
Kurz darauf schneidet sie gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Martin Patzelt und Anwohnern ein rotes Band durch. Es gibt Sekt, Saft und Häppchen und vielen Besuchern ist die Freude über diese besondere Neueröffnung im Gesicht abzulesen. „Hier habe ich vor über 40 Jahren meinen Mann getroffen“, erzählt Marion Tannert. 1976 hat sie mit einem Eis in der Hand auf der Terrasse Joachim Tannert kennengelernt. Noch heute wohnen beide in der Nähe und sind fest entschlossen, das Café Nord immer wieder zu besuchen.
Kochen wird für sie dann ein Team, das bei ihrem Eis-Rendezvous noch lange nicht geboren war. Küchenchef Chris Vollmer ist 26 Jahre alt und hat ein ebenso junges Team um sich. Mit diesem will er am Herd „alte Gerichte ins 21. Jahrhundert bringen“, wie er sagt. Zum Mittagstisch wird er Königsberger Klopse, Frikasse und Grützwurst auftischen, am Abend darf es gern moderner werden. Vollmer hat im Studentenwerk gelernt und schon in Frankreich, England und Italien gekocht. In Nord wirkt er fest entschlossen, das neue Projekt gemeinsam mit Serviceleiterin Josy Spruch Littmann erfolgreich zu führen. „Viele hier haben die Eröffnung sehnlich erwartet“, weiß er.
Vor der Herausforderung, mit Menschen mit Behinderung im Team zu arbeiten, hat er keine Angst. 40 Prozent sollen es werden, damit das Café offiziell zum inklusiven Betrieb wird. „Das sind für mich Kollegen, wie die anderen. Manches dauert vielleicht länger, aber wir halten zusammen“, sagt er bestimmt.
Die Arbeitsplätze für Beeinträchtigte sind für Martin Patzelt eine der Besonderheiten des neuen Lokals. „Außerdem hat die Lebenshilfe damit den Frankfurtern ein Stück Heimat zurück gegeben“, sagt er und besteht darauf, dass mit Fanny Wullekopf auch eine langjährige Nord-Bewohnerin das Café eröffnet. Die freut sich einerseits, dass ihr Enkel in der Küche vom Café arbeitet. Vor allem aber betont sie, welches Vakuum das Café füllt. „Es geht hier nicht nur um Erinnerungen. Die Eröffnung ist für den Stadtteil so wichtig.“