Ausgangspunkt für das Infektionsgeschehen ist nach Angaben der Stadtverwaltung eine Familie mit Kindern, die am 5. August aus dem Urlaub in Bulgarien zurückgekehrt war; am 7. August stufte das Auswärtige Amt das Land offiziell als Corona-Risikogebiet ein.

Symptome nach Familienfeier

Laut Oberbürgermeister René Wilke traten erst nach der Feier erste leichte Krankheitssymptome auf. Die Mutter wurde dann am Mittwochmorgen auf Covid-19 getestet ( MOZ berichtete), am Abend lag das positive Testergebnis aus dem IMD Labor Oderland vor. Auf der Feier seien 88 Gäste aus zehn Landkreisen verschiedener Bundesländer anwesend gewesen. Allein das Gesundheitsamt der Stadt ordnete für 47 Gäste mit Wohnsitz in Frankfurt eine 14-tägige häusliche Quarantäne an. Zwischen der Familie und dem Gesundheitsamt besteht enger Kontakt, inzwischen wurden alle Kontaktpersonen ermittelt. Wie bereits berichtet, hatte ein Kind aus der Familie am Mittwoch noch an einem Fußballtraining teilgenommen.

Zwei Schulen in Frankfurt (Oder) betroffen

Im Zusammenhang mit dem Infektionsgeschehen wurde am Freitag auch jeweils eine Klasse am Karl-Liebknecht-Gymnasium und an der Astrid-Lindgren-Grundschule nach Hause geschickt. Zudem wurde für die jeweils 20 Kinder der betroffenen Klassen ebenfalls häusliche Isolation angeordnet. „Beide Schulen haben sich an die strengen Hygieneregeln gehalten, sie komplett zu schließen, wäre unserer Ansicht nach völlig überzogen“, erklärte Oberbürgermeister René Wilke. Allerdings beobachte die Stadtverwaltung die weitere Entwicklung sehr genau. „Was die Infektionslage betrifft, ist das die kritischste Phase, in der wir als Stadt bisher waren; auch, weil sich daraus möglicherweise noch mehr Fälle ergeben könnten“. Am Freitag trat deshalb erstmals seit Langem wieder ein Krisenstab der Verwaltung zusammen.
Dass eine Klasse des Liebknecht-Gymnasiums nach Hause geschickt wurde, bestätigte auch Schulleiter Torsten Kleefeld am Freitag. Per Brief seien die Eltern benachrichtigt worden. Der Klassenlehrer werde die Schüler in den nächsten 14 Tagen mit Aufgaben bestücken, auch die Fachlehrer bereiten Homeschooling vor und nehmen zu den Schülern Kontakt auf, wenn ihr Unterricht laut Stundenplan an der Reihe ist. „Sie bleiben in Verbindung“, sagte Kleefeld. Dass die Schüler nach Hause geschickt wurden, sei in enger Zusammenarbeit mit Gesundheitsamt, der Schulaufsicht und dem Schulträger geschehen. „Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt ist ganz toll“, lobte er. „Das hat keine Auswirkungen auf den gesamten Schulbetrieb“, erklärte der Schulleiter. Es gebe keinen Grund dafür, andere Kinder vorsorglich zu Hause zu lassen. Er appellierte dafür, Ruhe zu bewahren.

Rathaus nicht erreichbar

Der erste größere Corona-Ausbruch in Frankfurt seit Beginn der Pandemie fällt ausgerechnet mit einer der größten technischen Störungen in der Stadtverwaltung seit Jahren zusammen, denn die Telekommunikationsanlage liegt lahm. Per Facebook informierte das Rathaus am Freitag, dass am Mittwoch auf der Rathaus-Baustelle ein Datenkabel schwer beschädigt worden sei. "Seitdem sind große Teile der Stadtverwaltung per Telefon und E-Mail nicht erreichbar. An der Behebung des Schadens wird von den entsprechenden Fachfirmen mit Hochdruck gearbeitet", hieß es in der Mitteilung. Darüber hinaus veröffentlichte die Stadt Notfall-Telefonnummern. Das Gesundheitsamt ist unter 0171 9946262, Mitarbeiter des Amtes für Jugend und Soziales unter 0163 5520070 sowie 0163 5520076 zu erreichen.