Der bisherige Fraktionsvorsitzende der Linken, Wolfgang Neumann, soll in den kommenden fünf Jahren Stadtverordnetenvorsitzender sein. Darauf haben sich die Fraktionen und Parteien der neu gewählten Stadtverordnetenversammlung bei Gesprächen unter Leitung des bisherigen Vorsitzenden Peter Fritsch (SPD) verständigt. Die Zusammenkünfte dienen der Vorbereitung der konstituierenden Stadtverordnetenversammlung am 19. Juni, bei der alle Vorabsprachen erst noch bestätigt werden müssen.
Dazu zählt neben der Personalie Neumann auch der Zuschnitt und die Besetzung der Fachausschüsse. Deren Anzahl soll von zuletzt zehn auf jetzt sieben reduziert werden. Auch darauf haben sich die Fraktionen geeinigt. Die gravierendste Veränderung betrifft den Hauptausschuss unter Leitung der CDU, in dem zukünftig die Bereiche Finanzen und Ordnung integriert werden sollen und den Wirtschafts- und Arbeitsausschuss, der mit dem Stadtentwicklungs-, Verkehrs- und Umweltausschuss zusammengelegt wird. Der Ausschuss für Bildung und Sport arbeitet zukünftig zusätzlich die Themen des Gleichstellungs-, Gesundheits- und Sozialausschusses mit ab. In ihrer bisherigen Form bestehen bleiben sollen vier Gremien: der Jugendhilfeausschuss, für deren Vorsitz die Linken das Vorschlagsrecht haben, der Rechnungsprüfungsausschuss (Vorschlagsrecht: AfD), der Kulturausschuss (Vorschlagsrecht: CDU) und der Gemeinsame Europäische Integrationsausschuss (Vorschlagsrecht: Grüne/Bürgerinitiative Stadtentwicklung).
Am intensivsten ausgehandelt wurde dem Vernehmen nach der Vorsitz für den neuen Hauptausschuss. Da ihr Kandidat Wolfgang Neumann als Stadtverordnetenvorsteher durchging, stimmten die Linken, die bei der Wahl stärkste Partei waren, zu, dass Ulrich Junghanns von der CDU (zweitstärkste Partei) den Vorsitz dieses Ausschusses übernimmt. Das Gremium hat nicht zuletzt durch die neuen Bereiche Finanzen und Ordnung an Bedeutung gewonnen. Hier werden unter anderem die Arbeiten der anderen Ausschüsse aufeinander abgestimmt. Neu ist, dass die Tagesordnung zukünftig mit dem Stellvertreter des Ausschusses (René Wilke) und Oberbürgermeister Martin Wilke, der das Gremium bisher führte, abgestimmt werden muss. René Wilke soll darüber hinaus den Vorsitz des Wirtschafts- und Arbeitsausschusses übernehmen. Außerdem wurde festgelegt, dass die SPD das Vorschlagsrecht für den Bildungs- und Sportausschuss hat.
René Wilke spricht von insgesamt drei Vorbereitungstreffen, "die in großer Ernsthaftigkeit und konstruktiver Atmosphäre stattgefunden haben. Jede Partei war bereit, Kompromisse einzugehen und konnte trotzdem ihr Gesicht wahren", so René Wilke. Er wertete das als ein klares Signal an die Frankfurter, dass die Zukunft der Stadt im Vordergrund stehe "und keine Ränkespiele der Parteien". Der neue Zuschnitt der Ausschüsse sei an die Aufgabenzuschnitte der drei Dezernate angepasst und ermögliche ein effektiveres Arbeiten.
Ulrich Junghanns sagt, es gehe nicht nur um eine Neuausrichtung der Organisationsstruktur, sondern auch um einen neuen Stil im Umgang miteinander. "Unsere Absicht ist es, mit den neuen Ausschüssen Arbeiten zusammenzuführen, die sonst manchmal doppelt gemacht wurden." Dass die Sitzungen mit mehr Themenbereichen länger werden, glaubt er nicht. "Es ist kein Automatismus, dass größere Ausschüsse mehr Zeit beanspruchen. Ich baue darauf, dass wir uns auf die Schwerpunkte konzentrieren und dass die Gremien klug geführt werden. Dazu müssen wir den Dialog mit der Verwaltung intensivieren."
Jörg Gleisenstein (Grüne/BI Stadtentwicklung) kritisiert die größeren Ausschüsse. "Ich gebe diesem Modell keine große Überlebenschance. Mir erschließt sich nicht, wie wir so arbeitsfähig sein wollen." Gleisenstein befürchtet einige Mammut-Sitzungen, in denen Themen liegen bleiben, vor allem im Wirtschafts- und Verkehrsausschuss. "Wenn es funktionieren soll, müsste die Verwaltung zukünftig besser planen, wie und in welcher Form sie Vorlagen einbringt."