„Hier war 2019 nichts zu holen“, sagt Thomas Bröcker und zeigt auf die nun vier gut behangenen Apfelbaum-Reihen der Sorte Golden Delicious. Schuld war unerwarteter Frost im Mai vergangenen Jahres, der dem Obstbauern seine komplette Apfelernte in Markendorf zerstört hatte – für viele war es die schlechteste Erntesaison seit Jahrzehnten.
Frostige Nächte bescherten Bröcker zwar auch in diesem Jahr ein paar schiefe Früchte und braune Flecken, aber: „Mit insgesamt 300 Tonnen wird es ein gute Ernte“, erklärt der Frankfurter, der mit seinem Betrieb Mitglied in der Genossenschaft Markendorf Obst ist. 5000 Tonnen Äpfel ernten die zwölf Obstbauern zusammen in dieser Saison.

Sieben Erntehelfer pflücken zurzeit Elstar-Äpfel

Sieben Erntehelfer stehen in der Woche täglich sieben Stunden in den Baumreihen vom Obstbauern. Derzeit sind die Früchte der Sorte Elstar reif. Diese Bäume zählen mit ihrem Alter von zwei Jahren zu den jüngsten auf der Plantage. Liegt das Durchschnittsalter bei 15 Jahren, stehen einige bereits seit 28 Jahren in Markendorf – 75 Meter über dem Meeresspiegel. „Die Lage ist wahrscheinlich ein Grund für meine vielen, guten Früchte in diesem Jahr“, mutmaßt der 62-Jährige. Denn europaweit sei 2020 die Apfelernte bislang eher schlecht ausgefallen.
'Krasny Standard' (Roter Standard) - dieser rotfleischige Apfel wächst auf der Apfelplantage von Obstbauer Thomas Bröcker in Frankfurt (Oder). Laut Bröckers soll es 1915 der erste rotfleischige Apfel weltweit gewesen sein. "Wir machen Saft aus der Frucht", sagt er.
'Krasny Standard' (Roter Standard) - dieser rotfleischige Apfel wächst auf der Apfelplantage von Obstbauer Thomas Bröcker in Frankfurt (Oder). Laut Bröckers soll es 1915 der erste rotfleischige Apfel weltweit gewesen sein. "Wir machen Saft aus der Frucht", sagt er.
© Foto: Jan-Henrik Hnida
Miroslawa Borecka aus Polen und ihre Kollegen pflücken vom Boden oder von einer Leiter aus, legen die Äpfel dann zuerst in ihren Korb, um sie später über einer großen Holzkiste auszuschütten – bis zirka 350 Kilo erreicht sind. Die vollen Kisten werden am Ende eines Arbeitstages mit dem Trecker ins Kühlhaus gebracht, dort gelagert, sortiert und später verkauft. „Wir schaffen acht Tonnen mit einer Fuhre pro Tag“, sagt Bröcker.

Zwischen 28 und 38 Cent gibt es für ein Kilo Tafeläpfel

Zwischen 28 und 38 Cent erhält er dann für ein Kilo verkaufte Tafeläpfel am Markt. Geld komme nur über die Menge rein, erklärt er. In einem eigenen Laden verkauft seine Tochter das Markendorfer Obst außerdem direkt in Berlin. „Regionaler Anbau wird bei den Kunden immer beliebter“, weiß der Obstbauer. Aber gegen bessere klimatische Verhältnisse, wie in Italien oder Frankreich, oder den großen Ausbau von Apfelplantagen im Nachbarland Polen, habe er nur wenig in der Hand.
Nach dem Pflücken leeren die Erntehelfer ihren Korb in die Holzkiste aus. Diese fasst 350 Kilo.
Nach dem Pflücken leeren die Erntehelfer ihren Korb in die Holzkiste aus. Diese fasst 350 Kilo.
© Foto: Jan-Henrik Hnida
Noch bis Ende Oktober werden Äpfel, wie Gala und Golden Delicious, gepflückt, bis alle der 35 Sorten für den direkten Verkauf und 150 der alten Sorten abgeerntet wurden. „Von letzteren haben wir nur jeweils zwei bis zehn Exemplare“, sagt Bröcker. Sogar rotfleischiges Kernobst der Sorte „Krasny Standard“ (Roter Standard) wächst in Markendorf. Laut Bröckers soll es 1915 der erste rotfleischige Apfel weltweit gewesen sein. „Wir machen Saft aus der Frucht“, sagt er. In einem Waldstück entdeckte er zufällig vor Jahren diese weniger aromatische, dafür hübsch anzuschauende Sorte.

Heute bewirtschaftet Bröcker 20 Hektar – früher waren es 80

Waren es früher einmal 80 Hektar, sind es seit mehreren Jahren nur noch 20, auf denen Bröcker sein Obst anbaut. „Ich habe mich sukzessive verkleinert, denn die Kosten als Bauer in der Landwirtschaft sind sehr hoch – und ein Nachfolger ist bisher nicht in Sicht“, erzählt der 62-Jährige. Doch bis zur Rente, die er in zehn Jahren anpeilt, steckt er weiterhin sein Herzblut in die rundlichen Früchte. Er selbst beißt am liebsten in einen Ribston Pepping, die Mutter der Cox-Orange-Sorte – wegen des süß-säuerlichen Aromas.