Die Forscher hatten sich zu freiwilligen Einsätzen getroffen, um die Steine zu bergen. Zu den besonderen Funden zählen nach Einschätzung von Slubices ehrenamtlichem Denkmalschützer Roland Semik ein Stein aus dem Jahr 1867, der zweitälteste der bisherigen Sammlung, drei Steine vom Grab eines Polizeibeamten Friedrich, Nachname unbekannt, und ein rührendes Gedicht: "Auf Wiedersehen. Hier ist es, wo die Mutter ich beweine. Wie sie, das fühl' ich, gibt es keine. Nun ruht sie selig und im Frieden hier, Doch unvergeßlich bleibt sie mir."
Der Sommer wird wegen des Niedrigwassers der Oder von den Forschern für ihre Rundgänge genutzt. Die Hinweise, dass man Grabsteine in der Oder versenkt hatte, hatten sich bereits bei der ersten Kampagne 2015 bestätigt.
Der im Mittelalter angelegte Frankfurter Judenfriedhof, der von seinem Alter her sicher mit dem Prager Begräbnisplatz zu vergleichen ist, war etwa 1975 und der alte Dammvorstadt-Friedhof ab 1983 planiert und die Grabsteine entsorgt worden.
Nun war Roland Semik wieder am Oderstrand im Einsatz, unterstützt wurde er dabei unter anderem von Matthias Diefenbach, Jan Musekamp mit Sohn Adrian, Konrad Tschaepe und Adrian Mermer. Wenn der Denkmalschützer unterwegs ist, dann muss er auf die Ausrüstung achten: Auch wenn es im Spätsommer noch heiß ist, so sind beim Gang durch das Schilf lange Hose und langärmlige Hemden unerlässlich. Dazu braucht man Sonnenbrille und festes Schuhwerk sowie Handschuhe. Während der Schweiß fließt, eilen die Helfer von Stein zu Stein.
Einige der Fragmente tragen noch Namensangaben, lesbar waren folgende Zeilen: * Albine Kern (10.09.1856-1936); * Sta-tions-Assistent a.D. (?) Ruthenberg (12.08.1841-26.01.1910).
"Wir haben eine finanzielle Unterstützung für die Reinigungsmittel in Höhe von 50 Euro von der Stiftung fürs Collegium Polonicum in Slubice bekommen", bedankte sich Roland Semik.
Nun widmet man sich der Auswertung der geborgenen Schätze. Dabei wird auch geklärt, ob Reste des jüdischen Friedhofes gefunden wurden. "Es gibt einen Stein mit Davidstern, also eindeutig jüdischer Herkunft", deutet Roland Semik ein Zeichen. Andere Fragmente seien zweiseitig beschriftet, auf der einen Seite in deutscher, auf der anderen Seite in hebräischer Sprache. Forscher wollen Zeichen als hebräische Buchstaben entziffern. Doch diese Deutungen sind umstritten, der Frankfurter Eckard Reiß, Experte für den alten Frankfurter Judenfriedhof, ist da eindeutig anderer Ansicht. Er habe sich die Fundstücke angesehen, er könne keinen Davidstern und keine hebräischen Buchstaben entdecken. Es gebe unter den aktuellen Fundstücken nichts, was in Richtung des jüdischen Friedhofes weise, bilanzierte der Regionalhistoriker. Er hat 2012 zusammen mit Magdalena Abraham-Diefenbach das Buch "Makom tov - der gute Ort. Jüdischer Friedhof Frankfurt (Oder) / Slubice" herausgegeben.
Am Donnerstag, 27. Oktober, um 13 Uhr beginnt eine ehrenamtliche Reinigung des 1814 angelegten Kommunalfriedhofs. Die Organisatoren sind Roland Semik als ehrenamtlicher Denkmalschutzbeauftragter des Landkreises Slubice, das Gymnasium Nr. 2 in Slubice und die Slubicer Pfadfinder. Alle freiwilligen Bewohner aus Frankfurt und Slubice sind herzlich eingeladen. Handschuhe, verschiedene Tücher und Müllbeutel werden vor Ort zur Verfügung gestellt.
Ein deutsch-polnischer Spaziergang mit historischem Kommentar beginnt am Allerheiligen Tag, also am 1. November, um 16 Uhr vor dem ehemaligen Schützenhaus, heute Heilig-Jungfrau-Marienkirche. Besucher sollten beachten, dass sie wegen erneuter Bauarbeiten an der Oderbrücke zu Fuß kommen oder über die Autobahn fahren müssen. Die Organisatoren sind Roland Semik als ehrenamtlicher Denkmalschutzbeauftragter des Landkreises Slubice und die Slubicer Pfadfinder. Zum ersten Mal macht auch das Katholische Studentenzentrum mit. "Wir freuen uns auf Fackeln, Taschenlampen und Kerzen. Unser Ziel ist die Erforschung der gemeinsamen Lokalgeschichte", lädt Roland Semik ein.
Nun widmen sich Regionalforscher der Auswertung der geborgenen Schätze.