Geboren wurde Helm in Süd-Marokko, verbrachte dort ihre Kindheit und Jugend. "Wir hatten zwar kein Spielzeug und mussten acht Kilometer zur Schule laufen", berichtet die Frankfurterin. Dafür fand sie Tanzen für sich – durch ihre Mutter. "Bei ihr lernte ich als Kind orientalische Tänze", sagt Amira Helm. Zusammen mit ihrer Freundin seien sie oft bei Hochzeiten aufgetreten, begleitet von traditionellen Instrumenten wie Tamburin (Hand-Trommel) und Zimbel (Klangschalen).  "Dann fing ich an Jura zu studieren und brach es ab. Die Paragrafen und Gesetzestexte waren mir zu trocken", sagt die 43-Jährige.
Der Liebe wegen zog Helm vor 26 Jahren dann nach Frankfurt. "1996 gab ich hier meinen ersten Bauchtanzkurs", sagt sie. Gerade in der Anfangszeit sei es für sie schwierig gewesen, denn für so einige sei sie damals "die erste leibhaftige Ausländerin" gewesen, erntete deswegen schräge Blicke. Schließlich habe ihr eine Bekannte dazu geraten einen Tanzkurs anzubieten. "Die Zukunftswerkstatt rief mich an, ob ich nicht orientalischen Tanz unterrichten wolle", erzählt Helm. Das tat sie – sattelte noch ein Studium in klassischem und folkloristischem Tanz in Kairo obendrauf und kam als ausgebildete Tanzlehrerin nach Deutschland zurück. "Tanzen ist wie Sport für mich. Und es tut Körper und Seele gut", erläutert die Frankfurterin. Sieben Jahre bot sie Kurse in einer Mutter-Kind-Klinik an; für mehr Selbstbewusstsein, Eleganz und Wohlbefinden.
Seit 2002 ist Helm im Mehrgenerationenhaus (Mikado) tätig, bietet hier für Kinder und Erwachsene Tanzkurse orientalischer und indischer Art sowie Zumba an. "Bewegung zur Musik ist Heimat. Das liegt mir einfach im Blut." Doch auch hierbei gilt: Übung mache die Meisterin – bis die Bewegungen flüssig und elegant seien, brauche es viele Lehrstunden. "Viele meiner Frauen sind seit 12 Jahren dabei", sagt sie.
Neben ihrer Tanz-Tätigkeit begleitet sie ehrenamtlich Geflüchtete im Alltag – als Übersetzerin, macht Hausbesuche bei Älteren, berät Minderjährige oder begleitet sie zum Arzt.  Im März reaktivierte sie mit anderen Helfern die "Gute Stube" im Pablo-Neruda-Block, um bei Kaffee und Keksen mit Anwohnern und Geflüchteten über Rassismus sowie Alltagssorgen zu reden. Probleme seien dazu da, angesprochen und gelöst zu werden, findet Helm. Denn Ausgrenzung und Fremdsein kenne sie nur zu gut – sich einbringen, anderen helfen und etwas zum Positiven bewegen, aber ebenfalls.
Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in  unserem Coronablog.