Adelheid Röhler und ihre 13 Wanderfreunde waren am vorigen Sonntag früh aufgestanden. Nach Wandlitz sollte es gehen, zunächst mit dem RE1 um 7.35 Uhr ab Frankfurt. Doch in den wegen Bauarbeiten eingesetzten Ersatzbus nach Fürstenwalde ließ der Busfahrer bald keinen mehr einsteigen, verwies auf den nächsten Bus in einer halben Stunde. Der kam nicht. Erst um 8.35 Uhr kamen die Ausflügler um Adelheid Röhler fort. Sie mussten umplanen und wanderten schließlich am Wannsee.
Am Abend, gegen 21.45 Uhr am Bahnhof Fürstenwalde, wollte Philipp Guttzeit nach Frankfurt – wie knapp 50 weitere Menschen. Ein kleiner Transporter, ein Achtsitzer, fuhr vor. "Ist das der SEV?", fragte sich der Frankfurter. Das Auto war nicht gekennzeichnet. Doch tatsächlich. Aber Guttzeit und die meisten anderen konnten nicht mitfahren.
Einer erreichte telefonisch die DB Regio: Mehr Busse gebe es nicht, denn Busfahrer hätten sich krank gemeldet, so die Information. Um weiter zu fahren, könnten Fahrgäste ein Taxi nehmen. Die rund 80 Euro Fahrtkosten, etwa nach Frankfurt, könnten sie sich später von der DB erstatten lassen. Guttzeit hat Glück – jemand nimmt ihn im Auto mit. Um 23.10 Uhr ist er zuhause.
Am Montag, um 6.35 Uhr, wartete Maria Ilona Lange mit vielen anderen Pendlern auf dem Frankfurter Bahnhofsvorplatz. Wegen des Ersatzverkehrs wollte sie die Fahrt zur Arbeit nach Berlin extra zwei Stunden früher als sonst antreten. Ein einziger Reisebus kam. Die Fahrgäste schoben sich hinein, bis nichts mehr ging. Doch zwei Drittel der Leute blieben auf dem Bussteig zurück. Auch eine Frau im Rollstuhl kam nicht mit – trotz Anmeldung.
Es war eine chaotische Woche für Bahnreisende. Die Navigator-App der Deutschen Bahn wies Mitte der Woche auf Engpässe im Schienenersatzverkehr zwischen Frankfurt und Fürstenwalde hin. "Tatsächlich fielen über einen längeren Zeitraum Busfahrten aus, speziell am Dienstagmorgen", teilt Bahnsprecherin Sandra Spieker am Freitag mit. Man habe dies sofort beim zuständigen Busunternehmen reklamiert, aber erst nach Stunden kamen drei zusätzliche Busse zum Einsatz. Versprochen hatte die Bahn am Dienstag gegenüber der MOZ fünf. Um mehr Busse zu organisieren, habe das Partner-Busunternehmen im Umkreis von 200 bis 300 Kilometern alle Busunternehmer angerufen, so Spieker. Diese müssten jedoch derzeit viel anderen Reiseverkehr bedienen.
Gegen Ende der Woche entspannte sich die Lage etwas. Am Freitag seien ausreichend Busse vorhanden gewesen, sagt Bahnsprecherin Spieker. Am Freitagmorgen gab die Bahn die fünf durchfahrenden Eurocity-Züge zwischen Berlin und Frankfurt sowie vier in die Gegenrichtung zum Nahverkehrstarif frei. Fahrgäste, etwa mit VBB-Monats- oder Semesterticket, können bis Ende der Bauarbeiten am 6. Juli in die durchfahrenden Züge von und nach Warschau und Gdynia einsteigen. Der nächste Ersatzverkehr ist indes schon angekündigt: Vom 8. bis 12. Juli fallen wieder Züge zwischen Frankfurt und Fürstenwalde aus. Grund: Vegetationsarbeiten.