Ein solcher hilft, jenseits des Austauschs von Höflichkeiten die Stolpersteine zu erkennen. In der polnisch-deutschen Kindertagesstätte Pinokio in Słubice malen, klettern, basteln und spielen unter 175 Kindern gerade mal acht deutsche. Zwar bekunden deutlich mehr Eltern aus Frankfurt Interesse an einem Platz, berichtet Kita-Leiterin Malgorzata Tomala.  Doch sie darf Kinder erst nach deren drittem Geburtstag aufnehmen. In Polen besuchen jüngere Kinder eine Krippe, erst danach die Kita. Der späte Kita-Einstieg schreckt deutsche Eltern offenbar ab.
Warum nicht eine deutsch-polnische Krippe für die ganz Kleinen auf den Weg bringen?, schlägt Malgorzata Tomala vor. Sie hält das gemischt-nationale Konzept für das Richtige und hat in ihrer Bewerbung für die Direktorenstelle einige neue Projekte angeregt. Als Kindertagesstätten-Leiterin muss sie sich, sofern sie bleiben möchte, alle fünf Jahre neu um den Leitungsposten bewerben.
Ein weiterer Unterschied: Die deutschen Kinder verlassen die Kita bereits mit sechs, während die polnischen Mädchen und Jungen erst später in die Schule starten. Eine solche schaut sich die Delegation aus Frankfurt ebenfalls an: Die Szkola Podstawowa Nr. 1 verfügt drinnen wie draußen über Sportanlagen vom Feinsten. „Da können wir uns eine Scheibe von abschneiden“, meint Jens-Marcel Ullrich anerkennend. Słubice hat europäische Fördermittel für die Sportausstattung einsetzen können, und nun können auch Bürger die Anlagen nutzen.
Auf möglichst viele Gäste auch aus Deutschland hoffen die Betreiber des Freizeit- und Erholungszentrums in Słubice. Ein nagelneues zeltartiges Gebäude beherbergt zwei Tennisplätze. „Wir wollen keine Konkurrenz schaffen zu Frankfurt, sondern eine Ergänzung“, übersetzt Astrid Staven die Worte des Geschäftsführers Zbigniew Sawicki. Ein privater polnischer Investor hat die überdachten Tennisplätze finanziert. Sie befinden sich in direkter Nachbarschaft zu „einem der schönsten Stadien in ganz Polen“, wie Roman Sieminski die ehemals als Ostmark-Stadion bekannte Anlage beschreibt.
„Gemeinsame Stadtentwicklung“ zu betreiben, regt Jens-Marcel Ullrich an. Sorgenkind bleibt die Buslinie, die Frankfurt und Słubice verbindet. Noch immer ist nicht klar, ob der Bus nach September weiter fährt: Słubice ist als Stadt und Gemeinde auf Entscheidungen aus Warschau angewiesen.
Politische Veränderungen auf beiden Seiten der Oder sollten keinesfalls die Zusammenarbeit beeinflussen, darin waren sich Ullrich und Sieminski einig. Beide Kommunalpolitiker beklagen den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, der sich inzwischen auch in den Verwaltungen bemerkbar mache.
Circa 90 Menschen sind in der Verwaltung in Słubice beschäftigt.  Der deutsch-polnischen Zusammenarbeit ist im Rathaus ein eigenes Büro gewidmet.
Nach vierstündiger Erkundungsfahrt zieht Jens-Marcel Ullrich dieses Fazit des „Perspektivwechsels“: „Wir müssen uns öfter treffen.“