Sie werden zum ersten Mal bei einer Kommunalwahl in Frankfurt auf dem Zettel stehen, wenn auch zahlenmäßig weniger schlagkräftig, als geplant - die Piraten. Fünf Kandidaten waren zunächst aufgestellt. Für jeden Wahlkreis einen. Dass trotzdem nur vier gewählt werden können, lag an fehlenden Unterstützern in Süd. 20 Unterschriften brauchte die neue Partei pro Wahlvorschlag. Piraten-Kandidat Klaus Peter bekam diese in Wahlkreis 3 nicht zusammen.
Bleiben vier Kandidaten: Im Wahlkreis 1 (Zentrum) tritt Sebastian Bretag für die Piraten an. Der 31-Jährige ist Regionalbeauftragter der Partei für Frankfurt, und politisch sehr erfahren. Zwei Jahre war der gelernte Koch, der jetzt an der Viadrina studiert, im Landesvorstand der jungen Liberalen aktiv. Im Dezember 2009 schloss er sich den Piraten an. Sein Schwerpunktthema ist die Förderung des Tourismus. Kandidat für den Wahlkreis 2 (Neuberesinchen) ist der Medien- und Erlebnispädagoge Martin Hampel (32). Er vertritt die Themen Medien, Bildung und Transparenz. Angelika Meier (51) steht im Wahlkreis 4 (Nord) zur Wahl. Sie beschäftigt sich mit Gleichberechtigung von Frauen und Männern, Inklusion und einer Zukunftsvision für Frankfurt. Für die Piraten engagiert sich die Gewerkschafterin seit 2011. Wahlkreis 5 wird von Steffen Kern (48) besetzt. Kern arbeitet an der Uni als Systemadministrator, bei der Partei ist er seit 2012. Seine Thema: die Universität.
Nach Kräften unterstützt werden die vier von ihrem Regionalverband Dahme-Oder-Spree, der laut Kai Hamacher, dem Vorsitzenden, derzeit 171 Mitglieder zählt. Und das seien nicht nur Netzaktivisten. "Unser Verband ist ein Querschnitt der Gesellschaft. Bei einigen sind wir froh, dass sie überhaupt eine E-Mail-Adresse haben." Ein Großteil der Kommunikation spiele sich zwar online ab, dennoch sei man in Frankfurt auch "viel offline unterwegs". Zweimal im Monat gibt es einen offenen Stammtisch, vor den Wahlen auch wöchentlich.
Das große Querschnittsthema der Frankfurter Piraten lautet: mehr Transparenz bei der politischen Entscheidungsfindung sowie im Verwaltungshandeln. "Es passiert ganz viel im Rathaus, das man als Bürger einfach nicht mitbekommt", sagt Martin Hampel. Vorlagen, Diskussionen und Beschlüsse - etwa zum Haushalt - sollten in Zukunft transparenter und verständlicher nach außen getragen werden.
Konkret fordern die Piraten unter anderem mehr Investitionen in die touristische Infrastruktur der Stadt. Geld einsparen ließe sich im Gegenzug, wenn man die Verwaltung effektiver organisieren würde, oder auch bei den vielen Gutachten, die die Stadt von externer Seite erstellen lasse, sind sie überzeugt. "Das kostet ein Vermögen. Warum nutzt die Verwaltung hier nicht die Ressourcen der Universität?", fragt Sebastian Bretag. Zudem will die Partei weg von einer Wirtschaftspolitik, die große Unternehmen subventioniert. "Wir sollten lieber auf eine regionale Wirtschaft und eine regionale Versorgung setzen", so Angelika Meier. Eine Vision der Piraten ist eine technische Fakultät an der Viadrina.
Sollten die Piraten in die SVV einziehen, wollen sie sich dort für ein konstruktiveres Miteinander einsetzen. "Sachpolitik statt Parteipolitik, darum sollte es den Stadtverordneten doch gehen, und nicht um Zank und Streit", sagt Hampel. Aber auch der Bürger soll künftig mehr in den Ausschüssen mitreden dürfen - per Open-Antrag. Bretag: "Wir vertreten jedes Anliegen, solange wir dieses mit unserem Gewissen vereinbaren können."