"Es wird sowieso viel umgegraben. Deshalb sollte man sich auch über die künftige Gestaltung ein paar Gedanken machen", meinte Pätzold, dessen Büro als Co-Planer für die mit dem Hochwasserschutz beauftragten Ingenieursgesellschaften BPM und Heinrich tätig ist. Die ersten Überlegungen konzentrieren sich dabei zunächst auf den Abschnitt zwischen dem Bereich ab der Stadtbrücke flussabwärts. Zwischen Collegienstraße und Ziegelstraße muss das Land – das zuständig ist für den Hochwasserschutz – ohnehin tätig werden. Untersuchungen ergaben, dass die abgenutzten Spundwände wegzubrechen zu drohen. Seit September hat die Stadt daher auch einen Teilbereich des Uferweges mit Bauzäunen abgesperrt (MOZ berichtete). Bis 2022 sollen nun eine 20 bis 35 Zentimeter höhere Mauer auf dem gut 300 Meter langen Abschnitt entstehen und dicht an dicht stehende, bis zu zwölf Meter tiefe Betonsäulen den nötigen Schutz vor dem Wasser bieten.
Die Überlegung: Trotz höherer Kaimauer wollen Pätzold Architekten die Oder noch mehr zum Erlebnis werden lassen. An einer Stelle sehen die Entwürfe ein langgezogenes Podest vor – an einer anderen drehbare Balkone, die über die Uferkante ragen. "Bei Eisgang müssen diese komplett einschwenkbar sein. Technisch wäre das kein Problem. Aber es wäre zugleich ein Alleinstellungsmerkmal, denn das gibt es bisher so noch nicht." Mit den Balkonen habe man das Motiv der Kräne aufgegriffen, die das Ufer der Handelsstadt Frankfurt einst lange geprägt hätten, erläuterte Christopher Pätzold.
Auch die Römertreppe möchten die Planer aufwerten. "Das Ziel ist eine höhere Aufenthaltsqualität, nicht so viele Zäune und Wände, eher verbindende Elemente". Möglicherweise, so Pätzold, könne die Treppe künftig auch als Ort für kleinere Veranstaltungen dienen. In dem Bereich zwischen Konzerthalle und Ufer soll zudem möglichst unauffällig auch ein Stemmtor integriert werden, das bei Hochwasser geschlossen werden kann.
Das Gesamtkonzept reicht bis an die Nordspitze des Ziegenwerder. Es sieht eine klarere Radwegeführung vor, mehr Grün und bei Nacht eine durchdachtere Beleuchtung. Für die Engstelle am Oderspeicher südlich der Stadtbrücke ist eine Erweiterung angedacht. "Mit dem Schifffahrtsamt ist das vorbesprochen und wäre kein großes Problem, auch dort würden wir einen langen Balkon vorsehen wollen", erläuterte der Architekt. Großes Potenzial sehen er und seine Kollegen außerdem am Holzmarkt: der Bereich um die Treppe könne ebenfalls erweitert und ergänzt werden, möglicherweise mit Pontons. "Aber das ist alles noch Zukunftsmusik", so Pätzold.
Ab 2021 soll gebaut werden
Denn gemeinsam mit der Stadt geht das Land zunächst die Bauabschnitte 1 und 2 (nördlich der Stadtbrücke) von insgesamt 5 an. Allein die ersten beiden Teilprojekte haben einen Wertumfang von 11,6 Millionen Euro an Planungs- und Baukosten, finanziert zum Teil aus Fördermitteln des Stadt-Umland-Wettbewerbs. 2020 geht es in die Genehmigungsverfahren, ab 2021 soll dann gebaut werden. "Für den Abschnitt südlich der Stadtbrücke brauchen wir Fördermittel aus einem anderen Programm. Trotzdem betrachten wir das gleich mit", sagt Katrin Blume vom Landesumweltamt.
Die Vision der Planer: ein Boulevard am Wasser, der den Fluss erlebbarer macht. Zum Spazierengehen, mit Spielplätzen für Kinder, Cafés und Restaurants – oder einfach nur zum Durchatmen.