Heinz Wehnert steht im Bus und klammert sich an der Haltestange fest. "Dit is ja hier wieder wie inne Sardinenbüchse", sagt der Rentner und berlinert dabei aufs Feinste. Berlinern - das ist der Jargon, den an diesem Vormittag die meisten Fahrgäste sprechen. Sie sind mit dem Regionalexpress aus der Hauptstadt angereist, um "billich einzukoofen". Denn in Slubice sei ja doch vieles günstiger zu haben, glaubt er. Am Bahnhof haben sie sich deshalb in den Bus der Linie 983 gequetscht, einen "Schlenki", der zwar gut 100 Fahrgästen Platz bietet, aber trotzdem prall gefüllt ist.
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"Dit is hier immer so eng", winkt Heinz Wehnert ab. An fast jedem Wochenende kommt er aus Berlin hierher, um weiterzufahren nach Slubice. Bis zum Herbst 2012 habe er ja vom Bahnhof oder zumindest von der Magistrale aus laufen müssen, aber seit es die Linie 983 gebe, sei alles viel bequemer. Auch wenn die Busse rappelvoll seien, erklärt er, "besonders die kleenen".
Die "kleenen" - das sind die Solobusse der Stadtverkehrsgesellschaft mbH (SVF). In ihnen haben noch weniger Menschen Platz, nicht mal 70, wenn alle wenigstens bequem stehen wollen. Werden sie auf der Linie 983 eingesetzt, drängen sich aber meist mehr Leute in den Bussen. Bei der SVF ist das natürlich bekannt. So oft es möglich ist, setzt sie für die Fahrten nach Slubice die großen Gelenkbusse ein, vor allem an den Wochenenden - aber auch diese sind meist voll besetzt. "Die Busse müssten öfter fahren", schlägt Rudolf Hundt, der Heinz Wehnert nach Polen begleitet, vor.
Die Zahlen der SVF sprechen für sich. Im vergangenen Jahr haben etwa 305 000 Fahrgäste die grenzüberschreitende Buslinie 983, die im Dezember 2012 gestartet war, genutzt. In diesem Jahr werden es nach Zählung bis einschließlich November und mit Prognose für Dezember etwa 316 000 sein - 3,6 Prozent mehr. Eine Steigerung, obwohl die Stadtbrücke im Juni und Juli vier Wochen lang gesperrt war und die Busse nur in Slubice hatten kreisen können, was einen Einbruch der Zahlen in diesem Zeitraum zur Folge hatte. "Ohne die Sperrung hätten wir dieses Jahr 40 000 Fahrgäste mehr als 2013", sagt Michael Ebermann - das wären plus 13 Prozent.
"Mit dem aktuellen Betriebskonzept stoßen wir bei der Linie 983 an unsere Grenzen", betont der SVF-Geschäftsführer denn auch. Dieses Konzept schreibt unter anderem fest, dass die Busse nur einmal stündlich nach Slubice fahren. Sollten sie öfter verkehren, müssten die Städte Frankfurt und Slubice das entsprechend bei der SVF bestellen und auch höhere Anteile an den dann höheren Kosten tragen.
Mit einer Straßenbahn könnten deutlich mehr Passagiere befördert werden, in einer Niederflurbahn bis zu 160. "Die Straßenbahn ist das leistungsfähigere System. Eine Verbindung nach Slubice bleibt mittelfristiges Ziel", erklärt Michael Ebermann. Er verstehe, dass die Politik in Slubice derzeit andere Probleme lösen müsse. "Ich denke aber nicht, dass dieses Projekt komplett abgeschrieben ist."
Die Fahrgastzahlen auf der Linie 983 nach Slubice steigen weiter. Allerdings sind die Busse längst überfüllt.