18 000Frankfurter - und damit noch mehr als in den Vorjahren - zog es zum Brückenfest. Neben Musik und Bratwurst rückten die Linken das Thema der Solar-Pleite in den politischen Fokus ihres Festes. Andere Parteien blieben der Veranstaltung in diesem Jahr größtenteils fern.
Ein "politisches Volksfest" will das Brückenfest auch im zwanzigsten Jahr nach der Premiere noch sein. Das haben die Organisatoren der Linken gestern neben allen kulturellen und kulinarischen Programmpunkten einmal mehr bewiesen. Auch wenn die verteilten Stoff-Nelken immer öfter als Schmuck im Haar statt als politische Botschaft an der Weste getragen werden, gab es in diesem Jahr zumindest ein handfestes wirtschaftspolitisches Thema, das die Organisatoren sich vornahmen: Den Rückzug von First Solar aus der Oderstadt und der damit verbundene Verlust von mindestens 1200 Arbeitsplätzen. Und so gerieten die Diskussionsrunden vor schönster Oder-Kulisse zum informativen Podium, inklusive einem kleinen Schlagabtausch.
Als Vertreterin der Landesregierung war Daniela Trochowski an die Oder gekommen. Die Staatssekretärin des Finanzministeriums berichtete von den Bemühungen des Landes, Frankfurt in der schwierigen Situation nach dem Weggang von First Solar zu helfen. Neben einer Transfergesellschaft stelle das Land auch Bemühungen in Aussicht, Investoren nach Frankfurt zu lotsen. "Außerdem denken wir über den Behördenstandort Frankfurt neu nach." Es gehe darum, die Einwohner zu halten und den Standort zu sichern.
Wirtschaftsreferent Sebastian Jarantowski nahm den Faden auf und forderte vom Land "keine weitere Schwächung des Verwaltungsstandortes". Darüber hinaus verbreitete er Optimismus: "Auch wenn es makaber klingt: Wir haben 1200 gut ausgebildete Arbeitskräfte und eine hervorragende Infrastruktur zu bieten." Aus der letzten Krise sei Frankfurt gestärkt hervorgegangen. "Und das werden wir auch diesmal", so Jarantowski.
Während er mit diesen optimistischen Aussichten sowohl Beifall als auch ungläubiges Kopfschütteln hervorrief, musste er für eine andere Bemerkung Pfiffe einstecken. Nachdem Peter Ernsdorf, 1. Bevollmächtigter der IG-Metall Ostbrandenburg, erneut die fristlose Entlassung eines Betriebsrates des Solar-Unternehmens kritisierte, mahnte Jarantowski zur Vorsicht bei der Einschätzung dieses Vorfalls. "In dem Werk wird mit hochgiftigen Stoffen gearbeitet, da kann man nicht einfach Kollegen gefährden", sagte der Wirtschaftsreferent. Ernsdorf entgegnete, es sei keinesfalls so gewesen, dass sich der Mitarbeiter "mit einem Baseballschläger durch den Chemiebaukasten geprügelt" hätte. First Solar hatte die Kündigung mit einer massiven Störung des Betriebsablaufes begründet.
Während die Linke ihr Fest, zu dem nach Parteiangaben in den vergangenen 20 Jahren insgesamt 340 000 Besucher gekommen sind, für ihre Interpretationen der jüngsten politischen Ereignisse nutzte, blieben die anderen etablierten Parteien dem Fest in diesem Jahr fern. Einzig die Piratenpartei hatte einen sehr gut besetzten und besuchten Stand aufgebaut. Die Piraten diskutierten mitunter lebhaft ihre Anliegen mit den Besuchern. Die in der Stadtversammlung vertretenen Parteien hingegen hatten anders als in den Vorjahren ihre Teilnahme abgesagt.
So blieb es verschiedenen Initiativen und Vereine - vom Stadtteilforum Mitte bis zum Verein Puerto Alegre - überlassen, für politischen Diskussionsstoff zu sorgen.