Die Verwaltung drückt bei der Planung für die Rathaussanierung aufs Tempo. Denn bis Mitte 2015 müssen beim Land qualifizierte Fördermittelanträge vorliegen, um die für das Projekt zugesagten 9 Millionen Euro auch zu bekommen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Junghanns sprach von einer großen Chance, "die uns eine Aufgabe anpacken lässt, die wir sonst in den nächsten 50 Jahren nicht anpacken hätten können." Das letzte Mal umfänglich saniert wurde das Rathaus, dessen Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht, in den 1970er-Jahren.
Der Zeitplan ist eng gestrickt. Den Anfang macht ein Realisierungswettbewerb. Bis Ende Dezember 2014 will die Stadt dazu eine detaillierte Aufgabenstellung ausarbeiten. Drei Frankfurter Planungsgemeinschaften werden gesetzt, weitere zehn nach einer europaweiten Ausschreibung hinzugelost. Abgabeschluss für die Entwürfe ist März 2015, ein Preisgericht kürt dann den Sieger. "Ende April, Anfang Mai erfolgt die Bekanntgabe der Preisträger", sagte der Beigeordnete Markus Derling (CDU).
Die eigentliche Bauphase ist von Juni 2016 bis Juni 2018 vorgesehen. In dieser Zeit muss die Verwaltung auf andere Räume ausweichen, davon betroffen seien laut Derling etwa 550 Mitarbeiter. Auch der Stadtverordnetensitzungsaal, im Moment aus Sicherheitsgründen gesperrt, ist dann nicht nutzbar.
Im Ausschuss stellte Derling eine lange Liste mit ersten Vorschlägen und Ideen für die Wettbewerbsaufgabe vor. So soll etwa der Eingangsbereich auf der Südseite "optimiert und offener gestaltet werden". Ebenso gewünscht ist eine Überdachung des Atriums, auch aus energetischen Gründen. Im Rathaus verbleiben soll das Standesamt, "jedoch nicht zwingend am gleichen Standort", sagte Derling. Auf der Liste stehen darüber hinaus eine Klimatisierung für den Stadtverordnetensitzungssaal, die Wiederherstellung der historischen Dachform von 1912/1913 - sowie die Überlegung, die historische Rathaushalle künftig anders, etwa für repräsentative Zwecke zu nutzen. Für das Museum Junge Kunst, eine der bedeutensten Kultureinrichtungen des Landes, müsste dann ein neuer Standort her.
Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) verteidigte in diesem Zusammenhang die Idee einer europäischen Kunsthalle im Lichtspieltheater der Jugend (wir berichteten). "Es ist ganz und gar nicht so, dass wir das Museum Junge Kunst verdrängen wollen", sagte Wilke. Die Stadt sei auf der Suche nach Lösungen, sollte die Rathaushalle Bestandteil der Sanierung werden. "Und dies dann mit einer Sanierung des Alten Kinos in Verbindung zu bringen, halte ich für eine interessante Variante."
Altes Kino hin oder her: Ob das Museum Junge Kunst tatsächlich aus dem Rathaus ausziehen muss, "lässt sich jetzt noch nicht sagen. Wir müssen da einfach den Wettbewerb abwarten", sagt Stadtsprecher Martin Lebrenz. Zumal das Geld angesichts der Größe der Aufgabe ohnehin knapp bemessen ist, wie Markus Derling betont. "Die Mittel sind vor allem für die Sanierung einzusetzen."
Die reinen Baukosten sollen 6 Millionen Euro betragen. Die restlichen 3 Millionen Euro fließen in Baunebenkosten (Planungskosten, Ausstattung, Reserve). Kostenlos ist die Sanierung des Rathauses für die Stadt jedoch nicht zu haben. Der Wettbewerb schlägt mit 180 000 Euro zu Buche. Die Umzugskosten zum Baustart 2016 bezifferte Derling auf 90 000 Euro. Am teuersten aber dürfte die Anmietung von Büros in der Übergangszeit werden, nach einer ersten Schätzung der Verwaltung rund 900 000 Euro. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Tilo Winkler mahnte daher auch an, "auf die Folgekosten für den Haushalt unser besonderes Augenmerk zu legen."
Eine Baukommission unter Leitung von Markus Derling soll das Projekt Rathaussanierung kritisch begleiten. Das Gremium besteht aus jeweils drei Vertretern des Hauptausschusses und des Stadtentwicklungsausschusses, dem Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung, Wolfgang Neumann (Linke), Oberbürgermeister Martin Wilke sowie einem Vertreter des Denkmalschutzes. Noch in diesem Jahr soll die Kommission erstmals tagen.