Der Streik im Nahverkehr - er ist der längste, den es bei der Stadtverkehrsgesellschaft mbH (SVF) jemals gab. Seit einer Woche befinden sich Bus- und Bahnfahrer jetzt im unbefristeten Ausstand, zu dem die Gewerkschaft Ver.di aufgerufen hatte. Ein Ende ist vorerst nicht in Sicht. Nach MOZ-Informationen tagt am Mittwoch die Ver.di-Tarifkommission. Thema wird u. a. der Vorschlag sein, den aktuellen Tarifstreit durch eine Schlichtung zu lösen. Stimmt die Kommission dieser Lösung zu, könnten die Schlichtungsgespräche am Freitag beginnen und der Streik würde bis Donnerstagabend beendet - denn während einer Schlichtung gilt die sogenannte Friedenspflicht. Bislang lehnt Ver.di eine Schlichtung ab.
Die Unternehmensführung der SVF ruft ihre Fahrer unterdessen dazu auf, die Besetzung des Betriebshofes zu beenden. "Wir haben einen Dienstleistungsauftrag, den wir auch erfüllen müssen. Die Fahrgäste bezahlen dafür", sagte am Montag Geschäftsführer Wolfgang Worf. Er appellierte an die Streikenden, "mehr Fahrzeuge vom Hof zu lassen. Wir bekommen viele Anrufe, weil Kinder nach der Schule nicht nach Hause kommen oder ältere Menschen nicht zum Klinikum nach Markendorf fahren können", sagte er. Der Schülerverkehr am Morgen könne aber weiter abgesichert werden. Der Streik wirke sich mittlerweile auch deutlich auf die Einnahmen der SVF aus: "Wir merken seit Monatsbeginn, dass viele Leute erst mal keine neuen Monatskarten kaufen, sondern nur Einzelfahrscheine. Für uns sind das große Einnahmeverluste."
Die Belegschaft der SVF ist beim Thema Streik gespalten. Ein Grund dafür ist die Forderung Ver.dis nach Sonderleistungen in Form von Urlaubsgeld oder zusätzlichen Urlaubstagen nur für Gewerkschaftsmitglieder. Und immer mehr Mitarbeiter beenden für sich den Streik und melden sich zur Arbeit. "An den vergangenen Tagen haben mehrere Fahrer mir gegenüber erklärt, dass sie nicht mehr streiken und dass sie aus der Gewerkschaft austreten wollen", bestätigte Wolfgang Worf.
Inzwischen gibt es mehr arbeitswillige Fahrer als Fahrzeuge, die zur Verfügung stehen. Vor allem Straßenbahnen fehlen. Vier Bahnen sind seit dem Streikbeginn im Dauerbetrieb unterwegs, alle anderen werden auf dem Betriebshof festgehalten. Am Montag hatte die SVF-Führung den Streikenden einen Handel vorgeschlagen: Die Streikenden wollten einen Bus nutzen für die Fahrt zur Demonstration am Rathaus, die Unternehmensleitung sagte zu unter der Bedingung, dass im Gegenzug zwei Bahnen den Hof verlassen dürfen. Das lehnten die Streikenden ab. Seit Montagnachmittag ist auf der SVF-Internetseite ein Notfahrplan veröffentlicht.
Ver.di wirft der SVF-Führung vor, drei Fahrer, deren befristeter Arbeitsvertrag Ende Juni ausläuft, zum Abbruch des Streiks gedrängt zu haben. Alle drei - davon zwei Gewerkschaftsmitglieder - seien vergangene Woche zu Andreas Lorenz, Leiter Verkehr bei der SVF, bestellt worden, berichtete einer der Streikenden am Montag der MOZ. "Einer der drei hat mir erzählt, Herr Lorenz habe die befristeten Arbeitsverträge auf den Tisch gelegt, darauf hingewiesen, an welchem Tag die Verträge enden, und gesagt, sie sollten sich genau überlegen, wie sie sich verhalten", erzählte er. Da alle drei ihre Verträge verlängert haben möchten, hätten sie den Streik beendet. "Dieses Vorgehen ist gesetzwidrig und wäre ein Fall der Nötigung", betonte Gewerkschaftsmitglied Carsten Johst. SVF-Geschäftsführer Wolfgang Worf sagte zu den Vorwürfen: "Wir haben das ausgewertet und ich kann dazu nur sagen: Das stimmt nicht. Herr Lorenz hat mir gegenüber versichert, dass es solche Fälle nicht gibt. Bei uns wird niemandem gedroht, auch nicht indirekt."
Notfahrpläne: www.svf-ffo.de