Für viele der Schüler aus Frankfurt (Oder) ist es die erste Demonstration, an der sie teilnehmen – und vor allem die erste, die sie selbst organisiert haben. Am Donnerstag (03.03.) kamen 1500 Schüler aus weiterführenden und Grundschulen der Stadt an der Friedensglocke zusammen, um gegen den Krieg in der Ukraine zu protestieren. Die Initiative ging von der Schülerschaft aus, die sich am Wochenanfang an Torsten Kleefeld, Schulleiter des Karl-Liebknecht-Gymnasiums, gewandt hatte und wissen wollte, was sie in der Situation tun könne.
"Kein Krieg" forderten die Schülerinnen und Schüler aus Frankfurt (Oder).
„Kein Krieg“ forderten die Schülerinnen und Schüler aus Frankfurt (Oder).
© Foto: Winfried Mausolf

Schüler aus Frankfurt (Oder) hätten nicht gedacht, so eine Situation erleben zu müssen

„Fassungslos“ sei sie, sagte eine Schülerin der Sportschule, die nicht erwartet hatte, dass im 21. Jahrhundert noch Waffen erhoben würden – in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz aufgebaut werde. Auch die Schulsprecherin der Oberschule „Heinrich von Kleist“ sagte: „Ich dachte immer, das ist etwas, das ich nie erleben werde.“ Frankfurt sei so winzig, versammelt hätten sich zum Großteil „nur Jugendliche“, sie wisse nicht, „ob es hilft“. Vielen Schülerinnen und Schüler tat es aber offenbar gut, ihren Gefühlen und Gedanken Raum zu geben. Elftklässler Aaron sieht darin eine Hoffnung, Levin aus der 9. Klasse findet, dabei zu sein, gebe einem selbst ein gutes Gefühl – aber schenke auch den Leuten in der Ukraine Hoffnung.
1500 Gymnasiasten, Grund- und Oberschüler kamen zur Kundgebung.
1500 Gymnasiasten, Grund- und Oberschüler kamen zur Kundgebung.
© Foto: Winfried Mausolf

Mädchen und Jungen gehen für Demokratie und Souveränität der Ukraine auf die Straße

Es ist so, betonte ein Schüler der Oberschule „Ulrich von Hutten“, dass „Krieg niemals die Lösung eines Konflikts sein darf und kann.“ Auf die Straße gehen sie, so ein Schülervertreter des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums, „für Demokratie, für die Souveränität eines Staates“.
Schülersprecherin Andrea Baumann vom Liebknecht-Gymnasium sagte, sie sei Abiturientin, aber auch ein „einfaches 18-jähriges Mädchen“, das vollkommen entsetzt sei von der Situation, so wie alle. „Aber es geht nicht um uns“, sagte sie. Eine Mitschülerin betonte, dass die Menschen auf der Flucht nicht wüssten, ob sie ihre Lieben wieder in die Arme schließen. Die Menschen seien voller Furcht und hätten Angst um ihr Leben. „Wir leiden alle unter der Entscheidung einer Person.“
Die Kundgebung endete mit dem Läuten der Friedensglocke an der Oder.
Die Kundgebung endete mit dem Läuten der Friedensglocke an der Oder.
© Foto: Winfried Mausolf

„Es gibt nur einen Weg in die Zukunft und das ist der Weg des Friedens“

Krieg gab es im vergangenen Jahrhundert genug, sagte jemand. „Der Zweite Weltkrieg reichte der Menschheit – sollte man meinen.“ Den Ernst der Situation, so Andrea Baumann, zeige der Fakt, „dass Kinder und Jugendliche um Frieden flehen müssen.“ Aber die Schüler machten sich auch gegenseitig Mut. „Noch ist es nicht zu spät“, sagte Andrea. Ein paar Schüler verfassten Gedichte, auch mit Forderungen an die Erwachsenen. Darin ging es zum Beispiel um „Wunder vollbringen und Putin in die Knie zwingen“.
Zusammen stehen: Friedenskundgebung Frankfurter Schulen an der Friedensglocke.
Zusammen stehen: Friedenskundgebung Frankfurter Schulen an der Friedensglocke.
© Foto: Winfried Mausolf
Oder um die Sturmwelle, die auf ein Fischerboot zurollt. Die Menschen der Ukraine verteidigen ihr Land, sagte ein Schüler, „aber alleine sind sie chancenlos gegen die Militärmacht Russlands“. Putin wolle keine stabile und friedliche Ukraine. „Er bringt Krieg über ein Land, nur weil es nicht seinem Willen gehorcht. In seinem Größenwahn verliert er jedes Gefühl für das Leid, welches sein Handeln verursacht“, sagte er. „Zeigen wir den Ukrainerinnen und Ukrainern, dass ihr Kampf nicht sinnlos und vor allem nicht endlos sein wird. Lasst uns der Leuchtturm des Friedens sein, der dem Fischerboot hilft, durch den Sturm zu finden. Es gibt nur einen Weg in die Zukunft und das ist der Weg des Friedens.“
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