Der schriftliche Nachlass des berühmten, in Frankfurt (Oder) geborenen Dichters Heinrich von Kleists schriftlicher Nachlass ist verschwindend gering: zwei – unvollständige – Dramen-Manuskripte und 19 Gedichtabschriften beziehungsweise Tagebucheinträge sind erhalten.

Elf Autografe nun Teil der Sammlung des Museums

Nicht nur die Handschriften seines dramatischen, erzählerischen und publizistischen Werks, auch der weitaus überwiegende Teil der Korrespondenzen des Dichters sind verloren. 235 Briefe sind im Wortlaut bekannt. Nur 173 Kleist-Briefe sind im Original erhalten – und weltweit verstreut.  Das Kleist-Museum konnte jetzt – zum 209. Todestag des Dichters am 21. November – eine weitere Handschrift erwerben und damit seine Sammlung auf elf Autografe erweitern.

Frankfurt (Oder)

Das nun erworbene Exemplar ist ein Einzelblatt auf chamois-Papier (bräunlich-gelber Farbton) ohne Wasserzeichen. Es gehört zu den Billets und kurzen Briefen, die Kleist 1810 und 1811 an seinen Verleger Georg Andreas Reimer schrieb. In diesem Billett vom 12. Januar 1811 bittet Kleist darum, „mir zwei Ex. meiner Erzählungen zu überschicken und auf Rechnung zu setzen“. 19 Schriften an den Verleger sind bekannt, 13 liegen heute noch als Originale vor. Die Handschrift war zuletzt vom Auktionshaus Stargardt aus der Sammlung Siegfried Unseld zurückgekauft worden – nun ist sie Eigentum des Museums.

Erbschaft einer Kleist-Freundin ermöglicht Ankauf

Der Erwerb wurde ermöglicht durch eine Erbschaft einer großen Kleist-Freundin. Gabriele Führer (1958-2019), literaturbegeisterte Bibliothekarin aus Bückeburg (Niedersachsen), hatte früh ihre Leidenschaft für Heinrich von Kleists Werk und Persönlichkeit entdeckt und ließ sich jede Neuerscheinung schicken.
Als sie an MS erkrankte, war Kleist neben Novalis ihr wesentlicher Trost. Dem Kleist-Museum blieb sie auch in der Zeit ihrer schweren Erkrankung über Telefonate verbunden. Ihr Testament sah vor, ihren Nachlass zu veräußern und den Ertrag gleichmäßig unter der Multiple-Sklerose-Gesellschaft, der Novalis-Stiftung und dem Kleist-Museum aufzuteilen, dem das Erbe nun den Ankauf dieses Briefes ermöglichte. „Frau Führers Interesse an unserem Dichter war bewegend“, sagt die Direktorin Hannah Lotte Lund, „wir sind sicher, es hätte sie gefreut, den Schatz des Kleist-Museums um ein Stück zu erweitern.“