Kaufland hat den Schriftzug inzwischen übermalt als am Donnerstag ein Beitrag des rbb erschien. Nach wie vor prangt der Schriftzug an mehreren Orten, so im Umfeld der Grundschule Am Botanischen Garten, an der Mauer der Turnhalle, an einer Brücke übers Klingefließ, an einer Mauer neben dem Jugendclub "Nordstern". Auch an anderen Schulen tauchte der Schriftzug auf, etwa im März an der Waldorfschule. Der Code "NR-Zone" stehe für "Nationalrevolutionäre Zone" und greife die Symbolik der Hammer-und-Schwert-Bewegung auf, eines nationalsozialistischen Flügels der 20er Jahre angeführt von den Brüdern Strasser. Zuerst wies darauf öffentlich die anonym agierende "antifaschistische recherchegruppe frankfurt oder" am 12. November in ihrem Blog hin. Die Autoren verwiesen auch auf eine Facebookseite namens "H&S crew ffo", auf der die Sprühereien in Videos inszeniert werden und Inhalte mit Bezug zur Hammer-und-Schwert-Bewegung geteilt werden. Die Autoren warnen vor einer "neonazistischen Sekte". Die Facebookseite ist seit einigen Tagen nicht mehr aufrufbar.
Andreas Carl von der Pressestelle des Potsdamer Innenministeriums bestätigt auf Anfrage die Einordnung der Sprühereien: "Diese NS-Strömung hat auch in Brandenburg Anhänger. Schriftzüge wie "Love Strasser Hate Hitler" in Verbindung mit "NR-Zone" lassen in der Tat darauf schließen, dass hier Materialien in Umlauf gebracht werden, welche für "Nationalrevolutionäre Zone" stehen, rechtsextremistisch motiviert sind und eben dem sozial-revolutionärem Flügel des Neonationalsozialismus zuzurechnen sind."
Die anonyme Recherchegruppe brachte in ihrem Artikel auch die Gewalttätigkeiten vom 11. Oktober gegen einen Mann in der Bergstraße ins Spiel, da, wo der Schriftzug häufig auftrat. Zu jenem Vorfall würden noch Zeugen gehört, teilt die Polizeidirektion mit. Zu den "NR-Zone"-Schmierereien, insbesondere an den Schulen, wolle man sich derzeit nicht äußern. Die Abteilung Staatsschutz sei mit dem Thema betraut – und zwar schon bevor die Recherchegruppe darauf aufmerksam machte, betont Polizeisprecher Stefan Möhwald.
Laut rbb war anders als im Jugendclub "Nordstern", wo Sozialarbeiter die rechtsextremen Codes seit November kennen, jedoch den Einfluss der Gruppe auf Jugendliche dahinter gering einschätzen, Susann Rehberg, Schulleiterin am Botanischen Garten, nicht informiert gewesen. Sie habe die Schmierereien auf ihrem Schulhof angezeigt, sei jedoch über die rechtsextreme Bedeutung nicht informiert worden und habe auch nicht deren Entfernung veranlasst.
Jan Augustyniak, Stadtverordneter der Linken, der zum Thema Jugendgewalt in Nord bereits im November eine Anfrage gestellt hatte, kündigt an, dass im Hauptausschuss am 24. Februar thematisiert werden solle, inwiefern die Polizei den rechtsextremen Hintergrund der Sprühereien verschwiegen habe.
Zuletzt mehr Hakenkreuze
Laut einem Mitglied der Recherchegruppe steckten hinter der "H&S crew" drei bis vier polizeibekannte Personen Anfang 20. Zuletzt hätten sie nicht mehr den Code "NR-Zone" benutzt, sondern sprühten jetzt direkt Verfassungsfeindliches wie "NS-Zone". Auch Hakenkreuze, teils in drei-armiger Ausführung, wie es etwa an der Mauer an der Haltestelle Stadion Anfang Januar zu sehen war, rechne man der Gruppe zu, da sie dieselbe Handschrift trügen.
Verfassungsfeindliche rechtsextreme Botschaften im Stadtgebiet vermeldete die Polizei zuletzt häufig. Insgesamt neun derartige Delikte seien allein im Januar festgestellt worden, so Polizeisprecher Stefan Möhwald.