„Na seht ihr, jetzt kaufen die Deutschen unser Land auf!“ Dieser empörte Ausruf eines Polen ist auf einer der Karikaturen des Stettiners Henryk Sawka zu lesen. Das Bild zeigt aber nur einen Grenzbasar, auf dem die Käufer Blumentöpfe oder Gartenerde erwerben.
Auf einem anderen Blatt stehen sich zwei Rechtsradikale direkt an der Oder gegenüber: ?„Polen raus!“ fordert der Deutsche. „Ja genau, Polen gehört nur den Polen!“, entgegnet der Nachbar.
Es sind kleine Meisterwerke voller Satire und Ironie, die man derzeit im 2. und 3. Foyer-?Geschoss des Gräfin-Dönhoff-Gebäudes der Europa-Universität betrachten kann. Mehr als 100 Karikaturen, die der Pole Sawka, der Franzose Jean Plantu und der Berliner Klaus Stuttmann (letzterer zeichnet vor allem für den „Tagesspiegel“) im Laufe ihrer Karrieren gefertigt haben, sind dort zu sehen.
„Wir haben solche Zeichnungen ausgewählt, die die Sicht auf die jeweils anderen Länder zum Ausdruck bringen“, erläutert Thomas Serrier. Der französische Gastprofessor an der Viadrina hat die Ausstellung gemeinsam mit seinem Kollegen Andreas Bahr vom Sprachenzentrum gestaltet. Die beiden konnten dafür aus einer Karikaturen-Sammlung wählen, die ihr früherer Kollege Walter Fekl angelegt hat.
Zur Ausstellungseröffnung am Montagabend trafen sich zwei der Künstler – Sawka und Stuttmann – zu einer Fachsimpelei vor interessiertem Publikum. „Ich zeichne nicht, was ich persönlich über Deutsche oder Franzosen denke, sondern versuche die Haltung meiner Landsleute aufzugreifen“, erläuterte Sawka. In vielen Fällen – wie etwa bei der von den Deutschen gekauften Erde – nimmt er dabei Vorurteile aufs Korn. „Ein guter Deutscher“ ist etwa ein Skispringer, der nicht so weit fliegt (und also dem Polen Adam Malysz keine Konkurrenz macht). „Ein schlechter Deutscher“ dagegen schafft einen sehr weiten Sprung.
Wie sein polnischer Kollege bedauerte auch Stuttmann, dass zahlreiche Anspielungen in Karikaturen nicht mehr verstanden würden, „weil immer weniger Menschen die Geschichte, klassische Mythologie oder selbst Märchen parat haben“. Deshalb müssten die Kommentare zu den Zeichnungen heute meist länger als früher sein.
Die Ausstellung im Dönhoff-Gebäude wird bis zum 17. November gezeigt. Weitere Zeichnungen aus Frankreich und Deutschland, die sich mit dem Streit um die offizielle Anerkennung von Polens Westgrenze im Jahr 1990 beschäftigen, sind bis zum 2. Dezember im Collegium Polonicum zu sehen.