"Es werden immer mehr." Diesen Eindruck von Busfahrer Manfred Lemanczuk kann Andreas Lorenz, Geschäftsbereichsleiter bei der Stadtverkehrsgesellschaft, mit Zahlen belegen. In der vergangenen Woche ist der 50 000 Fahrgast in den Stadtbus zwischen Frankfurt und Slubice gestiegen; durchschnittlich mehr als 1000 Passagiere fahren inzwischen pro Tag mit. "Manche kommen jeden Tag", hat Manfred Lemanczuk festgestellt. "Das sind oft Berliner. Wohl zum Zigarettenholen."
Lockt so manchen der zollfreie Einkauf in die eine Richtung, ist es nach Westen oft die Arbeit. Viele Pendler seien inzwischen regelmäßig von Slubice nach Frankfurt unterwegs, hat der Busfahrer beobachtet. Sie fahren morgens mit zum Bahnhof und abends wieder zurück über die Grenze. Für Manfred Lemanczuk ist es inzwischen Normalität, auf der Linie zu fahren, die 8,6 Kilometer und damit die kürzeste Strecke der SVF-Linien ausmacht. Etwa zweimal pro Woche ist er auf dem Rundkurs zwischen Frankfurts Bahnhof beziehungsweise dem Gräfin-Dönhoff-Gebäude und dem Slubicer Heldenplatz eingesetzt.
Unterwegs gibt es für Bereichsleiter Lorenz allerdings noch einige Punkte, die ihm Sorgen bereitet. Dazu gehört die Haltestelle am Supermarkt Intermarché, die sich mitten auf dem dazugehörigen Parkplatz befindet und in der Regel zugeparkt ist. Parkplatz-Ärger gibt es oft auch am ersten Halt jenseits der Grenze am Collegium Polonicum. "Dort können unsere Fahrer wegen parkender Autos oft nicht dicht genug an den Bordstein heranfahren und deshalb die Rampe für gehbehinderte Fahrgäste nicht herauslassen", berichtet Andreas Lorenz. Anderes klappe sehr gut. Die Zusammenarbeit mit der polnischen Polizei, zum Beispiel, was das Linksabbiegen am plac Pryjazny auf die vierspurige al. Wojska Polskiego betrifft: Die Beamten hätten ihm versichert, dass es keine Probleme gebe, wenn der Bus dort einmal zwei Spuren blockieren müsse, um den Gegenverkehr aus Richtung Kostrzyn vorbeizulassen.
"Manche reden ja schon von einer Erfolgsgeschichte", sagt Lorenz. "Ich finde, dass wir gut gestartet sind. Die Geschichte müssen wir aber erst noch schreiben." Dennoch kann er berichten, dass die Buslinie 983 inzwischen die am drittstärksten frequentierte im Netz der Stadtverkehrgesellschaft ist. Dabei sehe die SVF durchaus noch Optimierungsmöglichkeiten, etwa mit einer ganztägigen Abfahrt am Bahnhof auf vielfachen Fahrgastwunsch. Im Raum stehe auch der Bau einer zusätzlichen Haltestelle in der Slubicer Straße, auch von Fahrgästen angeregt.
Auf Slubicer Seite ist man indes mit der neuen Buslinie so zufrieden, dass bereits eine zweite geplant wird, die nur in der Nachbarstadt verkehrt. Bürgermeister Tomasz Ciszewicz hat angekündigt, dass dieser Bus unter anderem den Großen Basar ansteuern und auch als Schulbus dienen soll.
Viel genutzt: Die Fahrgastzahlen im Stadtbus zwischen Frankfurt und Slubice steigen. Inzwischen plant die Nachbarstadt eine zweite Buslinie.Foto: Michael Benk
Täglich rund 1000 Fahrgäste von dies- und jenseits der Oder / Nachbarstadt bereitet neue Linie vor