Der Bau einer grenzüberschreitenden Straßenbahnlinie scheint in weitere Ferne gerückt. Slubices Vize-Bürgermeister Piotr Luczynski sagte, das Vorhaben sei für Slubice nicht finanzierbar. Man wolle stattdessen einen Bus. Die deutsche Seite hofft indes auf Hilfe aus Berlin und Warschau.
Zurückhaltend hat die Frankfurter Rathausspitze gestern auf die Slubicer vorläufige Absage an die Straßenbahn reagiert. "Wir halten an der vereinbarten Doppelstrategie fest. Wir starten als Pilotprojekt mit einer Buslinie und prüfen dann, wie wir gemeinsam langfristig eine Straßenbahnverbindung aufbauen können. Wichtig ist, dass ein solches Projekt juristisch sauber ist", sagte Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos). "Wir werden alles tun, damit die Menschen bald nicht nur zu Fuß oder mit dem eigenen Auto, sondern auch mit dem Öffentlichen Nahverkehr wieder an das jeweils andere Ufer der Oder gelangen können."
Slubices stellvertretender Bürgermeister Piotr Luczynski hatte am Dienstagabend bei einer Sitzung im Slubicer Rathaus deutlich gemacht, dass die Kommune aufgrund finanzieller Schwierigkeiten auf den Bau einer Straßenbahnlinie verzichten wolle. "Wir hätten gern sehr viel, aber wir müssen auch mit unseren Kräften haushalten", sagte er. Selbst bei einer aus Brüssel avisierten Förderung von 85 Prozent sei das Vorhaben für die Stadt nicht finanzierbar. Slubice halte nach wie vor an einer grenzüberschreitenden Buslinie fest. Die zunächst gemeinsam mit Frankfurt verfolgte Doppelstrategie, zunächst den Bus und dann die Tram fahren zu lassen, sei für Slubice vom Tisch. Auf die Frage, ob das eine endgültige Absage an die Straßenbahn sei, antwortete Luczynski: "Man sollte niemals nie sagen. Wir wissen doch nicht, wie es in mehreren Jahren hier aussieht." Mit Bürgermeister Tomasz Ciszewicz und dem Slubicer Stadtrat sei er sich in diesen Fragen einig.
In Frankfurt hofft man indes auf Hilfe aus Warschau und Berlin. Am 18. April finde eine Sitzung des zuständigen Ausschusses der deutsch-polnischen Regierungskommission statt, zu der beide Städte eingeladen seien, kündigte Sören Bollmann, Leiter des Frankfurt-Slubicer Kooperationszentrums, an.
Kritik kam von der Bürgerinitiative Pro Tram. Deren Vertreterin Sahra Damus rügte, dass beide Städte nicht längst einen Förderantrag gestellt haben. Einer im vergangenen Sommer vorgestellten Studie zufolge ist der Betrieb einer Straßenbahnlinie mit EU-Förderung wirtschaftlicher als der eines Linienbusses. Damus erinnerte auch daran, dass die vorläufige Einführung einer Buslinie auch damit begründet worden ist, dass sie sich rechtlich einfacher umsetzen lasse als die Tram. "Wir sehen jetzt, dass das nicht so ist." Michael Ebermann, Chef der Stadtverkehrsgesellschaft, sagte gestern, das Unternehmen sei auf den Busbetrieb vorbereitet.