Die Deutsche Einheit war für viele Ostdeutsche in erster Linie mit einer Zäsur in der Berufsbiografie verbunden. Wirtschafts- und Beschäftigungsstrukturen veränderten sich über Nacht, Industriezweige brachen komplett weg, die Arbeitslosenzahlen stiegen rasant. Auch in Frankfurt (Oder), wo sich unter anderem Tausende Beschäftigte des Halbleiterwerkes nach dessen Schließung umorientieren mussten.
Bildungsträger, die Umschulungen anboten, hatten in dieser Zeit Hochkonjunktur. Als einer der ersten Dienstleister engagierte sich der Internationale Bund (IB) in Frankfurt – und er ist der Stadt bis heute verbunden geblieben. Vor wenigen Tagen feierte der IB sein 30-jähriges Standort-Bestehen.

Berufsbildungszentrum auf ehemaligem Stasi-Gelände

Am 3. September 1990 eröffnete der Internationale Bund auf der ehemaligen Liegenschaft der Staatssicherheit am Südring das Berufsbildungszentrum BBZ. Die Initiative dazu war unter anderem von der spätere Sozial- und Arbeitsministerin Regine Hildebrandt, dem damaligen OB Wolfgang Denda sowie Hanna-Renate Laurien – bis 1989 Schulsenatorin in Berlin und viele Jahre ehrenamtlich für den IB aktiv – ausgegangen.
Für den 1949 in Tübingen gegründeten sozialen Träger war Frankfurt seinerzeit der erste Standort in Ostdeutschland überhaupt.

Große Bandbreite an Umschulungen und Weiterbildungen

Fortan fand unter dem Dach des IB auf dem früheren Stasi-Gelände täglicher Unterricht statt, um den Wiedereinstieg von Arbeitslosen, Schulabgängern und Menschen mit Behinderung zu fördern und neue Berufsperspektiven aufzuzeigen. In den 1990er Jahren begleitete der IB mehr als 5000 Menschen auf ihrem beruflichen Weg.
Die Bandbreite an Umschulungen und Weiterbildungen war damals sehr groß. Von Büro-, Einzelhandels- und EDV-Kaufleuten über Schneider, Köche, Floristen und Tischler bis hin zu Malern und Lackierern, Maurern, Dachdeckern, Elektrikern oder Fliesenlegern reichten die Berufszweige. Außenstellen der beruflichen Bildung betrieb der IB dabei auch in Bad Saarow, Eisenhüttenstadt, Pillgram, Neuenhagen bei Berlin und Pinnow bei Angermünde.

Seit 2014 betreibt der IB die Gemeinschaftsunterkunft Seefichten

Bis Mitte der 2000er Jahre nahm die berufliche Bildung beim IB in Frankfurt eine zentrale Stellung ein. Ab zirka 2005/06 sorgten dann veränderte Rahmenbedingungen und die zunehmenden Einschränkungen in der Finanzierung durch die Agentur für Arbeit und das Jobcenter dafür, dass die Maßnahmen zurückgefahren werden mussten. Stattdessen baute der Internationale Bund seine Angebote in der sozialen Arbeit, darunter in den Bereichen Jugendsozialarbeit, Flüchtlings- und Wohnungslosenhilfe sowie Jugendmigrationsdienst, in Frankfurt weiter aus.
So betreibt der IB seit 2005 den Jugendclub Nordstern, seit 2007 den Hochseilgarten und die Kletterhalle am Südring mit erlebnispädagogischer Begleitung, seit 2014 die Gemeinschaftsunterkunft Seefichten für Wohnungslose und Geflüchtete sowie das Internat Haus Einstein für Schüler, Auszubildende und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

93 Mitarbeiter arbeiten für den IB in Frankfurt (Oder)

Der IB gehört mit 93 Beschäftigten zu den größeren Arbeitgebern im Sozialbereich in Frankfurt. Allein 68 Mitarbeiter sind am Südring tätig, wo der IB insgesamt sieben Gebäude nutzt. Auf dem Gelände befinden sich die Verwaltung sowie die Bereiche berufliche Bildung, Gastronomie und Logis, die Erlebnispädagogik und ein offener Garten für alle. In der beruflichen Bildung konzentriert sich der IB heute unter anderem auf Berufsorientierung und –vorbereitung für Schüler, ausbildungsbegleitende Hilfen für junge Erwachsene mit und ohne Abschluss und die berufliche Rehabilitation und Eingliederung von Menschen mit Behinderung.

Intensive Zusammenarbeit mit Slubice

„Dass der IB Berlin-Brandenburg heute zu einem der wichtigsten Träger in Frankfurt gehört, ist der sehr guten und langjährigen Zusammenarbeit mit den Akteuren der Stadt zu verdanken“, sagt Niels Spellbrink, Geschäftsführer der IB Berlin-Brandenburg gGmbH. Daraus entstanden zum Beispiel die enge Kooperation mit dem Gauß-Gymnasium und die Kletterwoche im Kleistpark.
Darüber hinaus hat sich in den vergangenen Jahren auch ein enger Austausch mit Słubice entwickelt. Unter anderem zusammen mit der Stiftung IB Polska mit Sitz in Krakau organisiert der IB in Frankfurt Jugendbegegnungen, Praktika und Fachkräfteaustausche. In einem aktuellen Projekt werden beispielsweise polnischen Fachkräften aus der Grenzregion sprachliche Kompetenzen und zusätzliche Kompetenzen für den deutschen Arbeitsmarkt vermittelt.

IB Berlin-Brandenburg gGmbH


Mit mehr als 1400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an über 100 Standorten gehört der IB Berlin-Brandenburg zu den großen sozialen Trägern in der Region. Neben beruflichen und schulischen Bildungsmaßnahmen ist der Internationale Bund auch in der Wohnungslosen-, Behinderten-, Erziehungs- und Seniorenhilfe, in der Flüchtlings-, Migrations- und Jugendsozialarbeit, in der Kinderbildung und -förderung sowie in den Freiwilligendiensten aktiv. Die IB Berlin-Brandenburg gGmbH gehört zur IB Gruppe mit Sitz in Frankfurt am Main. Der Internationale Bund e. V. wurde im Januar 1949 gegründet und feierte 2019 sein 70-jähriges Bestehen. Mehr Informationen unter: www.ib-brandenburg.de