Sanieren billiger als neu bauen
"Sozialer Wohnungsneubau ist für Frankfurt keine Option, weil der betriebswirtschaftlich nur in Ausnahmefällen Sinn macht", erklärt Jan Eckardt mit Blick auf die derzeit diskutierte Stadtumbaustrategie. Denn auch wenn es in Zukunft eigentlich keinen geförderten Abriss ganzer Wohnblöcke mehr geben soll, stehen in Frankfurt weiter rund 1600 Wohnungen der großen Wohnungsunternehmen leer. Allein schon deshalb sei es kontraproduktiv, neue Sozialwohnungen zu errichten. "Die Alternative ist, bestehenden Wohnraum zu sanieren und zu modernisieren, und zwar so, dass er auch angenommen wird. Das ist um ein Vielfaches günstiger als neu zu bauen", sagt er.
Bereits seit dem vergangenen Jahr lässt das Unternehmen das Hochhaus am Juri-Gagarin-Ring 50a sanieren (siehe Infokasten). Nun sollen sechs weitere Blöcke im Kosmonautenviertel folgen. Die sechs Plattenbauten im Juri-Gagarin-Ring wurden Anfang der 1970-er-Jahre gebaut, das Alter sieht man ihnen an. "Die energetischen Werte sind katastrophal, von außen sehen die Blöcke furchtbar aus. Innen wurde zwar schon einiges getan. Aber es fehlen Aufzüge", sagt Eckardt.
Doch für die Mieter – von denen nicht wenige seit Jahrzehnten in den Blöcken wohnen – soll sich nun vieles zum Positiven verändern. Alle Häuser bekommen einen Aufzug und einen Vollwärmeschutz. Zugleich werden neue Balkon angebaut. "Die jetzigen Balkone sind sehr schmal. Wenn sie dort jetzt noch eine Wärmedämmung aufsetzen, können sie die nicht mehr sinnvoll nutzen. Deshalb bauen wir neue, tiefe Balkone an", erklärt der Wowi-Chef. Außerdem sollen alle Häuser, in denen noch Gas für die Warmwasserversorgung anliegt, künftig über Fernwärme oder Solarthermie versorgt werden. "Abschließend geklärt ist das noch nicht. Da sind wir mit den Stadtwerken noch am Rechnen."
Im Außenbereich seien ebenfalls Verbesserungen angedacht, beispielsweise bei den Fußwegen oder im Hinblick auf das Thema Elektromobilität. Eine Veränderung der Wohnungsgrundrisse dagegen ist nicht vorgesehen. Die Plattenbauten bieten vor allem Zwei- und Vier-Raum-Wohnungen jeweils auf einer Etage. Aus Sicht der Wowi ist genau dies eine ideale Kombination für eine gute Altersdurchmischung: Junge Familien mit zwei Kindern wohnen hier direkt neben den Großeltern.
Drei Bauabschnitte, drei Jahre
Geplant sind drei Bauabschnitte über drei Jahre. Spätestens Anfang 2021 könnten die Arbeiten beginnen – eventuell sogar schon im Herbst 2020. Die Architekten seien bereits mit der Planung beauftragt.  Noch geklärt werden müsse, ob die 23 bis 25 Millionen Euro an Investitionen ausschließlich über Kredite finanziert werden oder ob auch Fördermittel beantragt werden. Voraussetzung für eine Förderung ist ein Beschluss des Stadtparlamentes zur Stadtumbaustrategie.
Um Mieterhöhungen werde man anschließend nicht herumkommen, kündigt Jan Eckardt an. Allerdings sollen – so das angestrebte Ziel  – nach der Modernisierung alle Wohnungen KdU-fähig sein. Das heißt: bei Bedarf und Angemessenheit würden sich das Sozialamt beziehungsweise das Jobcenter an den Kosten der Unterkunft (KdU) beteiligen. Problematisch könne es aber beispielsweise für langjährige Mieter werden, die inzwischen zu zweit oder allein in einer Vier-Raum-Wohnung leben. "Aber dann gibt es ja immer noch die Option auf die andere Flurseite in die Zwei-Raum-Wohnung umzuziehen", sagt Jan Eckardt.

Sanierung Juri-Gagarin-Ring 50A


Das Hochhaus im Juri-Gagarin-Ring 50A  – direkt hinter dem Südring-Center – wird seit dem vergangenen Jahr saniert und zum Teil umgebaut. Vorbild ist der modernisierte Block im Winzerring. Das Haus bekommt unter anderem eine Vollwärmedämmung, neue Elektroanlagen und feuerhemmende Türen. Bäder und Heizungen wurden zum Teil bereits erneuert. Mit seinen breiten Fluren, dem ebenerdigen Eingang und dem Aufzug biete der Wohnblock ideale Bedingungen gerade für ältere Mieter, sagt Wowi-Geschäftsführer Jan Eckardt. Die meisten Wohnungen seien bereits vermietet. thg