Jugend- und Sportministerin Britta Ernst erklärt dazu: "Zahlreiche Sportvereine, die sehr aktive Jugendarbeit betreiben, habe sich gemeldet und nachgefragt, ob es zutrifft, dass das Abstandsgebot auch in diesem Bereich keine Anwendung finden muss. Besonders wichtig ist dies insbesondere für die anstehenden Sommerferien. Ich freue mich, sagen zu können, dass die Antwort schlicht "ja" lautet. Jungen Menschen können ihren Spiel- und Sportmöglichkeiten wieder vollumfänglich nachgehen. Das eröffnet auch für die Ferienbetreuung noch einmal viele tolle Aussichten. Der Infektionsschutz sollte weiterhin beachtet werden, aber die Abstandsregelung muss nicht zwingend beachtet werden. "
Schwerpunkt auf Spielformen
Große Freude herrscht darüber beim 1. FC Frankfurt. Der größte Fußballverein der Region hat für die neue Spielzeit insgesamt 13 Nachwuchs-Mannschaften gemeldet. "Wir sind sehr froh, dass wir endlich wieder Spielformen und Eins-gegen-Eins trainieren können", sagt FCF-Nachwuchsleiter Mathias König. "Die vergangenen Wochen haben wir mit Passspiel, Technik-Training und Fußball-Tennis versucht, wieder etwas Leben auf den Platz zu bringen. Aber gerade beim Fußball liegt der Schwerpunkt auf den Spielformen und daher ist es sehr schön, dass dies nun wieder möglich ist. Zweikämpfe sind bei uns einfach das A und O", sagt König, der in der vergangenen Woche seinen 60. Geburtstag feierte.
Zwar kehrt auf dem Platz zumindest im Nachwuchs langsam wieder etwas Normalität ein, daneben gibt es aber nach wie vor strenge Richtlinien. "Die Umkleidekabinen und Duschen müssen immer noch geschlossen bleiben. Daher wären zum Beispiel weiter entfernte Auswärtsspiele schwer zu organisieren, da man dort bereits umgezogen erscheinen und nach dem Spiel ohne Duschen und Umziehen den Heimweg antreten müsste", erklärt König.
Ungeachtet dessen sind die Frankfurter bereits dabei, erste Testspiele zu organisieren. Wann die neue Saison startet, weiß man aber auch hier nicht. "Wir wollen die Vorbereitung und Trainingslager so legen, dass wir Mitte August, also zum ursprünglichen Starttermin eine Woche nach dem Ende der Sommerferien, startbereit sind. Wann es dann wirklich losgeht, weiß auch der Fußball-Landesverband noch nicht", sagt der Trainer.
Kritik an der neuen Verordnung kommt hingegen von Verantwortlichen aus dem Erwachsenenbereich. Denn dort gilt nach wie vor die Eindämmungsverordnung, nach der Zweikämpfe zumindest bis 16. August untersagt sind. Marvin Herrgoß, Sportlicher Koordinator der Abteilung Fußball und Trainer des Kreisligisten Hertha Neutrebbin, erklärt auf seiner Facebook-Seite: "Das erste Ziel ist erreicht, aber Männer und Frauen wollen auch wieder ohne Abstand Fußball spielen. Was ist das denn für ein Quatsch? Also sortiere ich jetzt beim Training der Männer nach Alter? Die Gruppe bis 27 darf normal trainieren und die Gruppe ab 28 darf dabei zusehen und weiter nur mit bestimmten Bedingungen trainieren?", macht der der 24-Jährige seinem Ärger Luft.
Aufruf zu Protestschreiben
"Wer denkt sich sowas aus ? Haben diese Verantwortlichen selbst nie Sport ausgeübt?", fragt Marvin Herrgoß und bittet darum, E-Mails an das Ministerium (pressestelle@mbjs.brandenburg.de) zu schicken und sich damit gegen die Regelungen auszusprechen. Schon in der Vorwoche hatte er gemeinsam mit seinem Vater Dirk Herrgoß, Trainer des Müllroser SV, zu einem Protestschreiben gegen die Regelungen aufgerufen.
Auch der Landessportbund (LSB) fordert weitere Lockerungen für die älteren Semester. "Die jetzige Regelung zieht eine Trennlinie durch unser Sportland, die auf wenig Verständnis stößt", sagt der LSB-Vorstandsvorsitzende Andreas Gerlach.  "Wir haben die Einschränkungen der Corona-Krise über alle Altersklassen hinweg gemeinsam verantwortungsvoll getragen und umgesetzt. Daher sollten nun auch alle Aktiven gleichermaßen an den Lockerungen teilhaben dürfen, zumal diese bereits in angrenzenden Bundesländern umgesetzt sind", erklärt Gerlach.

Sportvereine als Jugendarbeit


Laut der aktuell geltenden Umgangsverordnung ist auch bei sportlichen Aktivitäten der Mindestabstand von 1,50 Meter einzuhalten. Die Abstandsregelung gilt aber nicht im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit, in den Kindertagesstätten und ab Donnerstag auch nicht mehr in den Schulen. "Junge Menschen sollen sich altersgemäß Verhalten können. Der Infektionsschutz soll zwar beachtet werden, aber nur in dem Umfang, wie dies erwartet und praktisch realisiert werden kann. Eine starre Abstandsregelungen passt hierzu nicht", heißt es dazu von Seiten der Landesregierung.

Angebote der Sportvereine für junge Menschen sind Jugendarbeit im Sinne des  Sozialgesetzbuches. Dort ist die Jugendarbeit in Sport, Spiel und Geselligkeit ausdrücklich als ein Schwerpunkt der Jugendarbeit genannt. Daraus folgt, dass sämtliche sportlichen und bewegungsorientierten Angebote der Sportvereine nicht dem Abstandsgebot unterliegen, auch nicht auf Sportanlagen Jugendarbeit erfasst Kinder, Jugendliche und junge Heranwachsende bis zum 27. Lebensjahr. red