Frankfurt. Zum ersten Mal seit dem Lockdown ist das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder) am 19. September wieder in ganz großer Besetzung zu hören. Mit knapp 100 Musikern spielt es unter der Leitung von Generalmusikdirektor Jörg-Peter Weigle eines der bewegendsten Orchesterwerke der jüngeren Geschichte: Dmitri Schostakowitschs 7. Sinfonie, die „Leningrader“. Im Mai wollte das Staatsorchester – 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges – diese Musik dort aufführen, wo 1945 die blutigste Schlacht auf deutschem Boden stattfand: auf den Seelower Höhen. Wegen des Lockdowns musste das Konzert abgesagt werden.
Am 19. September holt das Orchester die Aufführung nun ab 19.30 Uhr in der Frankfurter Messehalle 1 nach. Um so viele Musiker gefahrlos auf die Bühne zu bringen, wird das gesamte Orchester schon vor Beginn der Proben und bis zum Konzert alle drei Tage auf Sars-CoV-2 getestet.

Große Trauer und Zuversicht vereint

Damit übernimmt das Brandenburgische Staatsorchester deutschlandweit eine Vorreiterrolle auf der Suche nach Wegen, wie große sinfonische Live-Aufführungen auch unter den derzeitigen Bedingungen möglich sind.
Schostakowitsch begann mit seiner 7. Sinfonie, als die Wehrmacht einen Belagerungsring um Leningrad legte, um die Stadt auszuhungern. Etwa 900 Tage dauerte diese Blockade, bei der schätzungsweise eine Million Menschen starben. Auch Dmitri Schostakowitsch gehörte zu den Eingeschlossenen und Zeitzeugen eines der schlimmsten Kriegsverbrechen der Geschichte. Die Regierung der Sowjetunion ließ ihn aus Leningrad ausfliegen, damit er seine unter dem Eindruck dieses Schreckens entstehende Komposition vollenden konnte. Sie vereint große Trauer und große Zuversicht, ist nicht allein nur Stimmung, sondern auch Haltung. Eine Musik, deren friedlicher, zart-lyrischer Beginn sich als sehr zerbrechlich erweist, die dramatisch ins Dunkle stürzt und sich aus der Finsternis zum Licht erhebt. Bis heute ist die „Leningrader“ Schostakowitschs populärste Sinfonie.

Konzerteinführung mit GMD Weigle

Auch in der Messehalle wird es dazu wieder eine Konzerteinführung geben – diesmal mit GMD Jörg-Peter Weigle. Sie beginnt am 19. September um 18.45 Uhr und wird sich mit den inhaltlichen und historischen Hintergründen der „Leningrader“ befassen.
Tickets, die für das Konzert im Mai gekauft und noch nicht zurückgegeben wurden, behalten ihre Gültigkeit, müssen aber wegen des neuen Sitzplans der Messehalle an der Vorverkaufskasse gegen Karten für den 19. September umgetauscht werden.
19. September, 19.30 Uhr, Messehalle 1, Messegelände Frankfurt (Oder), Tickets unter 0335 4010120 oder ticket@muv-fo.de