Der Fotograf war wahrscheinlich Hans Zäpke, der Inhaber der Drogen-, Farbwaren- und Photohandlung Zäpke aus der Jüdenstraße 15. Er war als Schriftführer ehrenamtlich ein die Loge mitverwaltender Beamter und als Mitglied des Beamtenkollegiums für die Amtsführung der Vollversammlung mit verantwortlich.

Hohe Gesellschaft in Frankfurt

Zur Loge gehörten viele Einzelhändler, Hoteldirektoren, Fabrikanten, Bauunternehmer, Ärzte, Bankiers, Rechtsanwälte, Verleger, Beamte der Reichsbahndirektion Osten, der Regierung und der Stadtverwaltung. Fast ausnahmslos waren die auf dem Foto zu sehenden Logenbrüder für Frankfurt und Umgebung von herausragender Bedeutung. Umso wichtiger ist es, die im Bild gezeigten Personen nach einer vorhandenen Mitgliedsliste aus der Zeit der Aufnahme zu identifizieren. Anfangs konnten nur zwei Porträts Personen zugeordnet werden – Maler Max Heilmann (1. Reihe von unten, 4. v. r.) und Heinrich Jungclaussen (2. Reihe v. u., 4.v.r.). Inzwischen wurden weitere Frankfurter auf dem Foto erkannt, doch noch sind längst nicht alle bestimmt. Das Stadtarchiv ist daher weiter daran interessiert, sollte jemand eine Person auf dem Foto erkennen, davon zu erfahren.
Die Fotografie entstand am 13. April 1933. Die Loge bestand zu diesem Zeitpunkt schon 157 Jahre. Ihre Geschichte geht zurück auf das Jahr 1776, als sich einige Frankfurter wegen der Verleihung einer Konstitution an die Großloge "Zu den drei Weltkugeln" nach Berlin wandten. Am 2. März 1776 konnte die neue Loge "zum aufrichtigen Herzen" im Beisein des neuen Frankfurter Regimentskommandeurs Prinz Leopold von Braunschweig und Lüneburg, der selbst Logenmitglied war, eröffnet werden.
Auf einem 1781 von der Loge erworbenen Gartengrundstück in der Gubener Vorstadt errichtete sich die Loge nach den Plänen des Berliner Schlossbaumeisters Ludwig Ferdinand Hesse und des hiesigen Ober-Wegebauinspektors C.F. Gerhardt ein neues zweistöckiges Logengebäude. Im Erdgeschoss des am 18. Dezember 1846 eingeweihten Hauses lagen die Unterhaltungs- und Repräsentationsräume – darunter besonders der große Festsaal, der durch seine Spiegelwand und den großen Kronleuchtern ein prächtiges Aussehen erhielt. Im Obergeschoss befanden sich die Arbeits- und Beratungszimmer. Das im klassizistischen Stil errichtete Gebäude wurde mit seinem Eingang auf die nach der Loge bezeichnete neue Straße ausgerichtet. Den Garten ließen sich die Logenmitglieder vom Kgl. Gartendirektor Peter Joseph Lenné, der ebenfalls Logenmitglied war, mit Bäumen, Springbrunnen und Rosensträuchern gestalten.
Doch zurück zur Fotografie. Nach Hitlers Machtergreifung 1933 wurden auch die Logen zunehmend diffamiert. Den Nazis waren die internationalen Verbindungen, das humanistische, liberale Handeln der Logen ein Dorn im Auge. Die deutschen Logen wurden als Teil einer "jüdisch-freimaurerischen Weltverschwörung" diskriminiert, welche verantwortlich dafür gewesen sein soll, dass Deutschland den Ersten Weltkrieg verlor. Da die Nazis wegen der besonderen Prominenz der Logenmitglieder vorerst die Logen nicht einfach verbieten und die Mitglieder verfolgen konnte, setzten sie anfangs auf die Selbstauflösung der Logen. Noch während die Große National-Mutterloge "Zu den drei Weltkugeln" mit den Nazis über eine erzwungene Satzungsänderung verhandelte, gab sie sich einen neuen Namen. Fortan nannte sie sich Nationaler christlicher Orden "Friedrich der Große".
Die Frankfurter Loge mit mehr als 210 Mitgliedern wurde zur Ordensgruppe "Zum aufrichtigen Herzen". Wegen der fortgesetzten Diskreditierung durch den NS-Staat und den Veränderungen innerhalb der Loge traten Mitte des Jahres 1933 97 Mitglieder aus. Die Frankfurter Oder-Zeitung hob hervor, dass sie "beim Aufbau des Dritten Reiches innerhalb der NSDAP nicht zurückstehen" wollten. Die Sorge, künftig seine Stellung im Staat und der Gesellschaft zu verlieren, wird manches Logenmitglied, wie den Oberbürgermeister Hugo Kinne, zum Austritt veranlasst haben. Für einige andere dürften die Veränderungen innerhalb der Loge der Grund dafür gewesen sein. Neben dem Musikverleger Bratfisch und etlichen Kaufleuten fällt dabei die Zahl von Ärzten auf, darunter der Chefarzt der Chirurgie im städtischen Krankenhaus Dr. Ernst Ruge. Sollte ein Teil der ausgetretenen Mitglieder ihre Logenarbeit außerhalb der neuen Ordensgruppe fortgesetzt haben? Noch heute wird vermutet, dass bis zum Verbot der Logen in Deutschland im Juli 1935 eine Johannis-Loge mit Sitz in einem Haus in der Halben Stadt – wo auch Dr. Ruge wohnte – existierte.
Das Foto vom 13. April 1933 wurde anlässlich eines Festmahls (Agape), zu dem alle Mitglieder eingeladen waren, aufgenommen. Im großen Festsaal versammelten sich die anwesenden Mitglieder zum Gruppenbild. Kam man an jenem Tag zusammen, um die Auflösung der Frankfurter Loge zu beraten, wie eine rückseitige Aufschrift auf dem Bild vermuten lässt? Der Fotograf Hans Zäpke, der dann gleichfalls sein Amt als Beamter niederlegte und aus der Loge austrat, fertigte an jenem Tag eine ganze Fotoserie. Das Gruppenbild dokumentiert die wahrscheinlich letzte Zusammenkunft der Loge.

1935 wurden Logen von den Nazis verboten

Spätestens im August 1933 bezog die SA das alte Logenhaus. Wie überall hatte die paramilitärische Kampftruppe der nationalsozialistischen Partei auch in Frankfurt Terror und Schrecken verbreitet. Während sich die Loge in das Obergeschoss des Logenhauses zurückziehen musste, richtete sich SA-Obersturmbannführer Gestefeld mit seinem Stab im Haus, das nun "Haus der Standarte 8" hieß, ein. Sein Arbeitszimmer ließ er sich im einstigen Leopold-Zimmer einrichten. Dafür requirierte er auch ein kostbares Gemälde einer trauernden Frau – die personifizierte Stadt Frankfurt in Trauer über den Tod des Prinzen Leopold von Braunschweig. Der prachtvolle Festsaal diente nun der SA für ihre Zwecke.
Mit dem Verbot der Logen 1935 beschlagnahmte der NS-Staat das Logenhaus. Die Heeresverwaltung als neuer Eigentümer brachte hier die Wehrersatz-Inspektion unter. Dazu wurde dem Haus ein weiteres Stockwerk aufgesetzt und durch einen kleinen Anbau mit dem benachbarten Paketpostamt verbunden.
Zur Zeit der DDR, in der die Freimaurerlogen weiterhin verboten blieben, nutzte zuletzt die Bezirksbehörde der Volkspolizei das Grundstück. 1990, kurz vor der Wiedervereinigung, nahm der Lehrer Dr. Hermann Peisert Kontakt zur Mutterloge "Zu den drei Weltkugeln" in Westberlin auf. Sein Vater, Bankdirektor Richard Peisert (auf dem Foto 3. Reihe v. u., 6. v. l.), war einst selbst Mitglied der Loge. In der Wohnung des im Jahr 2011 verstorbenen Studienrates in der Sophienstraße bildete sich, wie ein von Anfang an dabei gewesenes Logenmitglied berichtet, ein freimaurerisches Kränzchen für einen wachsenden Kreis von Interessenten. Am 8. Januar 1992 konnten 10 Brüder die Frankfurter Loge wiederbegründen.
Die Logenmitglieder nutzen für ihre Arbeit heute die Räume im Anbau zwischen dem Logenhaus und der Post. Das eigentliche alte Logengebäude wird von der Europa-Universität genutzt. Der Festsaal wurde bis Mitte 2013 unter großem Aufwand denkmalgerecht wiederhergestellt und ist heute ein Ort vieler Veranstaltungen für die ganze Stadt.