Auf dem Gehweg am Oderturm sorgen seit dem Wochenende Blutflecken für Irritationen bei Passanten. Die Spur führt zu Loge 8, der zum Radiosender Pure FM gehörenden Bar am Brunnenplatz. Am Eingang sind die Umrisse einer Person aufgezeichnet. Wer an die Glasfront der Bar schaut, wird jedoch schnell darüber aufgeklärt, dass hier für eine Kriminacht geworben wird, die heute, 20 Uhr, in der Bar stattfindet.
Über die Zukunft des Frankfurter Radiosenders herrscht unterdessen weiter Ungewissheit. Wie berichtet, hat das Amtsgericht die vorläufige Verwaltung des Vermögens der pure Medien Network pMN GmbH angeordnet. Die Gesellschaft ist Lizenzinhaber der Ukw-Frequenz 98,0. In Berlin und Brandenburg ist  Pure FM auch digital über DAB+ zu hören. Einer der Geschäftsführer der GmbH ist Matthias Kayales. Auf Nachfrage hatte er darauf verwiesen, dass der Sendebetrieb in Frankfurt nun über die – in Gründung befindliche – Funkhaus Oderturm GmbH laufe.
Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg indes teilte auf Nachfrage mit, dass eine einmal erteilte UKW-Lizenz fest an den zugelassenen Veranstalter bzw. die Betreiber-Gesellschaft gebunden sei. „Rundfunkzulassungen sind medienrechtlich nicht auf andere Rechtsträger übertragbar“, sagt Marco Holtz, stellvertretender Direktor der Medienanstalt. Die Aufsichtsbehörde mit Sitz in Berlin beobachtet die Entwicklung beim Frankfurter Radiosender daher genau. Ein Betrieb über die neu gegründete Funkhaus Oderturm GmbH wäre demnach unzulässig. Allerdings: „Solange im vorläufigen Insolvenzverfahren ein geordneter Sendebetrieb gewährleistet ist, besteht kein Anlass, Pure FM die Lizenz zu entziehen“, betont Marco Holtz. „Nach Auskunft der Insolvenzverwalterin ist der Sendebetrieb jedenfalls aktuell gesichert.“ Die UKW-Lizenz 98,0 für Pure FM hat eine Geltungsdauer bis 2024.
Das Insolvenzverfahren mit ins Rollen gebracht hat Timm Zeiss. Er ist eigenen Angaben zufolge seit 2014 als stiller Gesellschafter an der pure Medien Network pMN GmbH beteiligt. Matthias Kayales wirft er vor, das Unternehmen „in den Bankrott“ geführt und Vermögen abgezogen zu haben. „Die übrigen Gesellschafter hätten unter anderen Umständen auch eine Sanierung finanziert und das wirklich tolle Projekt wäre zu retten gewesen“, sagt er. Matthias Kayales will dazu keine Stellung nehmen, nur so viel: „Die von Herrn Zeiss erhobenen Vorwürfe scheinen eher emotional veranlasst als rechtlich begründet zu sein.“
Timm Zeiss hat derweil bereits Anzeigen in Berlin und Frankfurt erstattet. Ingo Kechichian von der Staatsanwaltschaft Frankfurt bestätigte, dass eine Anzeige wegen Insolvenzverschleppung vorliege. „Um den Anfangsverdacht prüfen zu können, warten wir derzeit den Eingang des vom Insolvenzgericht in Auftrag gegebenen Insolvenzgutachtens ab. Erst nach Eingang des Gutachtens wird entschieden, ob Ermittlungen erforderlich sind“, so der stellvertretende Sprecher.