Für die Wohnungswirtschaft in Frankfurt (Oder) hat am Montag das letzte Rückbau-Kapitel begonnen. Zwei Bagger mit jeweils 37 und 25 Tonnen reißen bis Jahresende die 114 Wohnungen der Hausnummern 9-11 sowie 19-24 in der Seelower Kehre ab. Damit weichen die letzten Wowi-Blöcke, so wie im Stadtumbaukonzept beschlossen.
Die Entkernungsarbeiten als Vorbereitung für den Abriss hatten bereits Mitte August begonnen. Fenster, Türen, Bodenbeläge – das alles sei bereits in Containern verschwunden, bevor die Bagger und der 160-Tonnen-Kran für den technischen Rückbau heranrollten, berichtet Abdulhalim Bakkour von der Wowi.

Die Aussicht war klasse – die Hanglage weniger

„Wir sehen diese Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Mit dem Freizug und dem anschließenden Rückbau verschwindet ein Stück Frankfurter Geschichte, viele Frankfurterinnen und Frankfurter sind in dieser Gegend groß geworden und erinnern sich gern zurück. Die Aussicht in den oberen Etagen war klasse“, sagt Wowi-Geschäftsführer Jan Eckardt.
In den unteren Etagen habe es dagegen aufgrund der Hanglage technische Probleme vor allem mit Wasser gegeben, „sodass eine Instandsetzung nicht nur aufwendig, sondern auch teuer geworden wäre“, erklärt er.

Ohne Rückbau gäbe es heute 44,7 Prozent Leerstand

Im Stadtumbaukonzept war daher der Abriss der 1975 gebauten Häuser von den Stadtverordneten beschlossen worden. Insgesamt 5110 Wowi-Wohnungen wurden in den vergangenen 17 Jahren bereits rückgebaut, mit denen in der Seelower Kehre werden es 5224 sein.
„Ohne Rückbau und Abriss hätten wir heute eine Leerstandsquote von 44,7 Prozent, die massive Probleme mit sich bringen würde“, sagt Geschäftsführer Jan Eckart. Die aktuelle Quote betrage 6,5 Prozent, „eine Zahl, mit der man arbeiten kann“.
Bereits seit Ende der 1990er-Jahre war angesichts des Bevölkerungsrückgangs über einen Stadtumbau in Frankfurt diskutiert worden. Der Rückbau der ersten 140 Wohnungen begann 2002/2003 in der Sabinusstraße, der Wünschstraße und im Baumschulenweg.

Diskussionen und Konflikte begleiteten den Stadtumbau

Seitdem wurden stadtweit gut 11.000 Wohnungen abgerissen, gefördert mit rund 35 Millionen Euro aus Stadtumbaumitteln. Betroffen waren vor allem Häuser der Wowi und der Wohnbau in Neuberesinchen, Süd und Nord, 2019 riss auch die WoGe Süd Wohnungen ab.
Begleitet wurde der Stadtumbau von vielen politischen Diskussionen und Konflikten. Anwohner protestierten gegen den Abriss ihrer Blöcke, es gründeten sich Bürgerinitiativen, die für ein sozial verträgliches Umzugsmanagement der Wohnungsunternehmen kämpften. 2018 erklärte OB René Wilke, dass es keine weiteren Abrisslisten – außer die bis 2020 beschlossenen – mehr geben soll.
Die Bevölkerungszahl und der Wohnungsmarkt haben sich inzwischen stabilisiert, bezahlbarer Wohnraum soll nicht weiter verknappt sondern vielmehr sozial saniert werden.