Zuerst hieß sie Gauck-, dann Birthlerbehörde. Seit 2011 wird sie Jahn-Behörde genannt - die des Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit Roland Jahn. Nach einem Beschluss des Bundestages im Jahr 2016 steht er vor der schwierigen Aufgabe, die erhaltenen Dokumente der DDR-Geheimpolizei perspektivisch in das Bundesarchiv zu überführen. Seitdem wird über eine mögliche Zentralisierung und damit auch die Zukunft der zwölf Außenstellen diskutiert. Einige stehen auf der Kippe. Der Standort in Frankfurt aber dürfte erhalten bleiben. Schon allein deshalb, weil er der einzig verbliebene in Brandenburg ist. Das zumindest gab Roland Jahn am Montag bei einem Vor-Ort-Termin mit Dietmar Woidke und Maria Nooke zu verstehen. Gleichzeitig stehe der - etwas abseits in Frankfurt-West gelegene - Standort bei Investitionen hinten an. "An einzelnen Außenstellen müssen wir Investitionen vorbereiten. Frankfurt gehört bislang nicht dazu, weil hier die Voraussetzungen noch relativ günstig sind", sagte Jahn. Grundsätzlich gelte es, gemeinsam mit dem Bundesarchiv "eine Strategie zu entwickeln, um die Stasi-Unterlagen für die nächsten Jahrzehnte zu sichern".
Anlass für den Besuch aus Potsdam waren die 100 Tage, die Maria Nooke nunmehr als Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur (LAkD) im Amt ist. Die BStU-Außenstelle gehöre zu den wichtigsten Partnern ihrer Behörde. Die Landesinstitution gibt es seit 2009, erste Leiterin war Ulrike Poppe.
Dietmar Woidke ergänzte, dass die Landesregierung alles dafür tun werde, dass der BStU-Standort in Frankfurt erhalten bleibe "und sich gut weiterentwickeln kann". Nicht nur als Anlaufstelle für Anträge sondern auch als "Ort der Demokratie-Erziehung, um gerade jungen Menschen zu zeigen, was passiert, wenn Rechte nicht da sind, die heute manchmal viel zu selbstverständlich wahrgenommen werden".
Mit Außenstellenleiter Rüdiger Sielaff und Roland Jahn besichtigten Dietmar Woidke und Maria Nooke zuvor Teile der Dauerausstellung und unternahmen einen Rundgang durch das Archiv. Dabei warfen sie auch einen Blick auf Stasiakten ihrer beider Heimatstadt Forst (Lausitz).
Kerngeschäft der Außenstelle bleiben auch mehr als 25 Jahre nach ihrer Gründung Anträge von Bürgern auf Akteneinsicht, Entschlüsselung von Decknamen sowie auf Rehabilitierung und Entschädigung (siehe auch Infokasten). Der Ministerpräsident und die Landesbeauftragte erinnerten in dem Zusammenhang daran, dass Brandenburg und andere ostdeutsche Bundesländer kürzlich im Bundesrat einen Entschließungsantrag zur Aussetzung der bis 2019 geltenden Frist für Anträge auf strafrechtliche und berufliche Rehabilitierung eingebracht haben. Dieser Forderung schloss sich in Frankfurt ebenso Roland Jahn an. "Aufklärung hat kein Verfallsdatum. Da kann man nicht 2019 einfach eine Grenze setzen."

Zahlen und Fakten zur BStU-Außenstelle


¦ Die Frankfurter Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) verwahrt und erschließt alle überlieferten Dokumente der Staatssicherheit der ehemaligen Bezirke Frankfurt und Cottbus. In dem Archiv lagern 7700 laufende Meter Akten ,1,7 Millionen Karteikarten sowie 1550 Säcke zerrissene Dokumente. ¦ Im vergangenen Jahr wurden am Standort Frankfurt 2170 Anträge auf Akteneinsicht von Bürgern gestellt. Im Vorjahr waren es 2506. Deutschlandweit stieg die Zahl der Anträge leicht auf 48 855. Seit Bestehen des BStU Ende 1990 gab es 3,2 Millionen Bürgeranträge. Hinzu kommen rund 4 Millionen weitere Anträge und Ersuchen, darunter solche zur Rehabilitierung und materiellen Entschädigung von Bürgern, die durch das DDR-System Unrecht erlitten haben. In Frankfurt haben voriges Jahr 199 Menschen ein solches Ersuchen an die Behörde gerichtet. ¦ Die Frankfurter Außenstelle bietet außerdem Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen an. Kontakt über: (0335) 60680. Weitere Informationen unter: www.bstu.de