OB-Stichwahl: René Wilke wird neuer Amtsinhaber

Bildergalerie OB-Stichwahl: René Wilke wird neuer Amtsinhaber

Ungläubig blickte René Wilke auf die Leinwand im Eiscafé Bellini, als die ersten Auszählungsstände veröffentlicht wurden. Nach drei Stimmbezirken führte er mit 61,4 Prozent der Stimmen deutlich vor Martin Wilke mit 38,6 Prozent. Bereits da gratulierten ihm die ersten Anhänger zum Sieg. Doch der Landtagsabgeordnete der Linken ließ sich noch nicht zu einem vorzeitigen Jubel hinreißen. Erst im Laufe des Abends wurde die Stimmung auch bei ihm gelöster und ausgelassener. Denn an der ersten Tendenz sollte sich bis zum vorläufigen Endergebnis nicht mehr viel ändern. Die zeitweilig größte Sorge, dass die Wahl René Wilkes noch am Quorum scheitern könnte, hatte sich spätestens gegen 18.33 Uhr in Luft aufgelöst. Da übersprang er die Mindeststimmzahl von 7286. Am Ende lag er mit 11 332 Stimmen deutlich über den erforderlichen 15 Prozent aller Wählerstimmen. Das waren nochmal 1827 Stimmen mehr als vor zwei Wochen. Sein Kontrahent Martin Wilke holte 6803 Stimmen – 2370 Stimmen mehr als im ersten Wahlgang. Bei seinem Wahlsieg vor acht Jahren hatte der Booßener 11 970 Stimmen (59,5 Prozent) auf sich vereinen können.
Die Beteiligung an der Stichwahl fiel mit 37,7 Prozent erwartungsgemäß deutlich niedriger aus als noch im ersten Wahlgang. Insgesamt wurden 18 135 gültige Stimmen abgegeben. Vor zwei Wochen waren es 21 879  und 45,5 Prozent Wahlbeteiligung. Zum Vergleich: Vor acht Jahren gingen 20 352 Frankfurter zur Wahl, die Beteiligung lag bei 39,5 Prozent, allerdings gab es damals auch knapp 3000 Wahlberechtigte mehr.
René Wilke wird der erste Oberbürgermeister der Oderstadt und im Land Brandenburg mit linkem Parteibuch seit der Wende. Genau aus diesem Grund ließ es sich auch die Spitze der Bundes- und Landespartei nicht nehmen, dem jungen Politiker persönlich zu gratulieren. Gespannt verfolgte beispielsweise Bernd Riexinger, einer der beiden Bundesvorsitzenden der Linken, den Wahlabend live vor Ort in Frankfurt. Denn allzu viele ostdeutsche Städte mit einem linken OB gibt es nicht, sie lassen sich mit Halberstadt (Sachsen-Anhalt) oder Eisenach (Thüringen) an einer Hand abzählen. Und er überreichte René Wilke als ein symbolisches Geschenk eine Schaufel „zum Zuschütten der Gräben, die sich vor und während des Wahlkampfes in Frankfurt aufgetan haben“. Zugleich lobte er den engagierten Wahlkampf des 33-Jährigen. „Davon können wir als Bundespartei viel lernen“, sagte Bernd Riexinger.
René Wilke traf dann gegen 19.15 Uhr mit großem Tross im dicht gefüllten Rathausfoyer ein. In seiner Begleitung war neben Riexinger auch Landesprominenz der Linken mit Fraktionschef Ralf Christoffers und Justizminister Stefan Ludwig.  Ein sichtlich bewegter René Wilke, der sich wenig später mit seiner Mutter in den Armen lag, freute sich im Rathausfoyer, wo sich Vertreter aller Parteien und Fraktionen versammelt hatten, über das tolle Ergebnis. Er sehe darin zugleich eine Verpflichtung, sich nach der Amtseinführung gleich an die Arbeit zu machen, um mit den Bürgern die Stadt zu gestalten. Dem Amtsinhaber zollte er Respekt: „OB Martin Wilke hat sich in seiner Amtszeit verdient um die Stadt gemacht.“ Der amtierende OB Martin Wilke gratulierte seinem Herausforderer beim Eintreffen im Rathaus als erster. An René Wilke gerichtet sagte er: „Ich wünsche Ihnen für die nächsten acht Jahre eine gute Hand für die Stadt.“
Bernd Riexinger sieht in der Wahl von René Wilke zum OB ein Signal über Frankfurt hinaus. „Nicht nur die Rechten können im Osten bei Wahlen erfolgreich sein. Diese OB-Wahl in Frankfurt zeigt, dass es mit einem bürgernahen Kandidaten möglich ist, links von der Mitte Wahlen zu gewinnen.“  Und Ralf Christoffers ergänzte, dass Frankfurt nach dem Wahlkampf einen Neuanfang braucht. „René Wilke wird ein guter Oberbürgermeister“, prophezeite er. Die Linken hatten Christoffers 2014 bei der Wahl zum Fraktionschef im Landtag den Vorzug gegenüber René Wilke gegeben.
Alena Karaschinski (Bündnis90/Die Grünen), die mit ihrer Partei Teil des Unterstützerbündnisses für den Kandidaten René Wilke war, freute sich, dass die Frankfurter sich für einen Aufbruch entschieden haben. „Trotz teilweise unschönen Methoden im Wahlkampf, werden wir jetzt alle miteinander ins Gespräch kommen müssen über die Zukunft Frankfurts und wie Frankfurt besser geht“, betonte sie.
667421
In der Stichwahl konnte sich René Wilke gegen Kontrahent Martin Wilke durchsetzen.