Bekommt die Stadtverkehrsgesellschaft (SVF) bis 2022 die dringend notwendigen neuen Niederflurbahnen oder wird die Straßenbahn langfristig gar abgeschafft? Das ist die Frage, die heute Abend ab 18 Uhr im Kleist Forum diskutiert wird.
Wie berichtet, muss der Nahverkehr bis 2022 barrierefrei sein. Um das zu erreichen, muss die SVF bis dahin ihre Tatra-Bahnen durch neue Niederflurfahrzeuge ersetzen. Dazu kommt: Die bis 1990 gekauften Tatra-Bahnen müssen ohnehin ersetzt werden, da ihre maximale Lebensdauer etwa 30 Jahre beträgt.
Um das jetzige Leistungsangebot halten zu können, braucht die SVF 13 neue Niederflurbahnen. Eine Finanzierung über Kredite ist gesichert. Laut ersten Planungen sollten die Bahnen im Paket gekauft und von 2017 bis 2022 geliefert werden. Auf eine Ausschreibung hin haben zwei Hersteller Angebote abgegeben, deren Preisbindung spätestens am 30. September endet.
Da das Land bislang eine Förderung verweigert, müsste die Stadt die Kredite allein tilgen. Das würde den Haushalt über mehrere Jahre hinweg stark belasten. Um diese Belastungen auf weitere Jahre in die Zukunft hinein verteilen zu können, werden inzwischen verschiedene Alternativszenarien diskutiert. Diese reichen vom nur teilweisen Ersatz der Bahnen zum 1. Januar 2022 bis hin zum Neukauf von Niederflurbahnen erst ab 2034.
Das Problem dabei ist: Wird der Neukauf verzögert oder gestreckt, wird nicht nur das Ziel der Barrierefreiheit nicht erreicht. Es erhöhen sich auch die Gesamtkosten. Denn nur beim Paketkauf aller 13 Niederflurbahnen bis Ende 2021 sind keine weiteren Investitionen in die alten Tatra-Bahnen nötig. Außerdem müsste auf jeden Fall die Ausschreibung der Bahnen wiederholt werden, was den Preis in die Höhe treiben dürfte.
Ein Szenarium sieht vor, bis 2022 nur sechs Bahnen zu kaufen und die anderen sieben erst von 2027 bis 2029. Die Folge: Die Lebensdauer mehrerer Tatra-Bahnen müsste durch eine teure Ertüchtigung verlängert werden - und danach müssten die Bahnen trotzdem ersetzt werden. Ein anderes Szenarium sieht vor, von 2022 bis 2024 sechs Bahnen zu kaufen und die anderen von 2027 bis 2029. Die Folgen wären ähnlich, dazu käme, dass es bis 2022 überhaupt keinen Fortschritt in Sachen Barrierefreiheit gäbe.
Eine dritte Überlegung geht davon aus, neue Bahnen erst von 2034 bis 2037 zu kaufen und dafür 15 der aktuell 18 alten Tatra-Bahnen einer Generalreparatur - die bis zu 900 000 Euro je Fahrzeug kosten kann - zu unterziehen. Und die Tatras dann bis 2037, wenn einige fast 50 Jahre alt sein werden, fahren zu lassen. Dazu kommt: Im Jahr 2034 werden auch die 1994 gekauften acht Niederflurbahnen das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben und müssen ersetzt werden.
Neu ist eine fünfte Variante: Laut der soll ein externer Gutachter die "wirtschaftlich optimale Verkehrsvariante ... ohne Vorgaben zum Verkehrsträgermix" ermitteln. Im Klartext heißt das: Es soll untersucht werden, ob es möglich ist, die vorhandenen Bahnen auf Verschleiß fahren zu lassen und diese dann nach und nach durch Busse zu ersetzen. Das wäre das Ende der Frankfurter Straßenbahn. Bislang hat jedes Gutachten ergeben, dass die Straßenbahn, die deutlich mehr Fahrgäste transportieren kann als ein Bus, auf lange Sicht das günstigste Verkehrsmittel ist. Das umweltfreundlichste ist sie sowieso.
Auf einer Sondersitzung wird am Montag über den Weg zum Kauf neuer Straßenbahnen beraten.