Seit Dienstagnachmittag, 16 Uhr, rollt nichts mehr im Nahverkehr der Stadtverkehrsgesellschaft mbH (SVF). Oder zumindest fast nichts mehr. Jene Buslinien, die von Homann-Busreisen bedient werden, fahren weitgehend planmäßig - also die Linien 982, 984 und 987 sowie die beiden Nachtbuslinien. Auf allen anderen Linien tut sich bis auf einige Ausnahmen so gut wie nichts. "Wir haben um 15 Uhr zum Streik aufgerufen", sagt Marco Pavlik, Verhandlungsführer und Streikleiter der Gewerkschaft Ver.di, am Nachmittag, "seit 16 Uhr ist das Betriebsgelände der SVF blockiert." Die meisten Busse und Bahnen sind nach dem Aufruf zum Depot in Neuberesinchen zurückgekehrt. Dort bleiben sie stehen, bis der Arbeitskampf beendet ist. Wann das sein wird, ist unklar: "Unser Streik ist Teil des unbefristeten Arbeitskampfes im Land Brandenburg", betont Marco Pavlik. Und dieser Arbeitskampf kann noch mehrere Tage andauern. "Die Unternehmensführung bedauert dieses Vorgehen zutiefst und ist bestürzt über den respektlosen Umgang mit unseren Fahrgästen", teilt die SVF-Geschäftsführung über ihre Internetseite mit.
Einzelne Busse und Straßenbahnen der SVF sind am frühen Dienstagabend jedoch noch im Stadtgebiet im Linienverkehr unterwegs. Ob sie ins Depot zurückkehren, ist unklar. "Wir wollen am Mittwochmorgen auf jeden Fall den Schülerverkehr aus West und Neuberesinchen absichern", sagt Hartmut Huwe, Geschäftsbereichsleiter Technik der SVF. Dafür könnten auch diese Fahrzeuge genutzt werden. Details will er nicht vorab verraten. Die notwendigen Fahrer stehen ihm aber zur Verfügung: Mehrere SVF-Fahrer wollen sich an dem Streik nicht beteiligen. Weil sie nicht gewerkschaftlich organisiert sind oder aus anderen Gründen. Offenbar geht ein Riss durch die Belegschaft der SVF. Nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di existiert eine Liste mit Namen von knapp 30 Bus- und Bahnfahrern, die trotz Streiks arbeiten würden. "Die Unternehmensleitung auf der Ebene unterhalb des Geschäftsführers hat sich schon vergangene Woche damit gebrüstet, eine solche geheime Liste zu besitzen", sagt Marco Pavlik.
Diese Uneinigkeit der Fahrer ist auch der Grund dafür, dass der Streik in Frankfurt mit Verspätung beginnt. "Es gibt mehrere Fahrer, die gesagt haben, sie wollen auf jeden Fall arbeiten", sagt Hartmut Huwe, "denen wollten wir die Möglichkeit zum Arbeiten einräumen." Und deshalb ließ die Geschäftsleitung Montagabend mehrere Bahnen und Busse außerhalb des Betriebsgeländes abstellen. Fünf Straßenbahnen wurden im alten Depot in der Bachgasse geparkt und durch ein Sicherheitsunternehmen bewacht, sieben Busse auf dem Gelände des Subunternehmers Homann-Busreisen. Dort dürften die Fahrzeuge nur kurzfristig blockiert werden, ein Streik hätte keinen Sinn gemacht.
Marco Pavlik sieht in diesem Vorgehen der SVF-Führung "ganz klar eine Vorbereitung zum Streikbruch". Es habe solche Versuche auch schon in Schwedt, Eberswalde und Bad Freienwalde erlebt - allerdings erfolglos. "Aber das, was hier in Frankfurt passiert ist, das ist eine Unverschämtheit." Damit so etwas nicht noch mal möglich ist, wird der Streik am Dienstagnachmittag begonnen - vorbereitet unter strenger Geheimhaltung.
Der Gewerkschafter berichtet, "Führungskräfte der SVF" hätten am Sonnabend polnische Busfahrer eingewiesen, wie die Erdgastanks der SVF-Busse befüllt werden. Mitarbeiter der SVF wollen das beobachtet haben. "Ich halte das für gelogen", betont Hartmut Huwe. "Wir haben nie vorgehabt, polnische Fahrer zu verpflichten." Der Gedanke, die SVF würde sich in Polen Streikbrecher organisieren, sei absurd. Würden zusätzliche Kräfte gebraucht, kämen die immer von Homann-Busreisen. Der Subunternehmer beschäftigt in der Tat Busfahrer aus Polen, allerdings schon seit mehreren Jahren. Aktuell sind es fünf. "Jeder, der einen Busschein hat, kann sich bei uns bewerben", sagt Firmenchef Harald Homann.