Vor der erwartet kältesten Nacht des Jahres hatten die Frankfurter auch am Mittwoch erst einmal wieder mit dem Schnee zu kämpfen. Wo ist denn nun der angekündigte Sand und wo bleibt der angekündigte Salzeinsatz an neuralgischen Punkten?, fragte so mancher.
Nein, zufrieden sind auch Tiefbauamtsleiter Frank Herrmann und seine Mitarbeiter mit der Situation auf Straßen und Gehwegen nicht. Das gibt der Amtsleiter unumwunden zu. Doch mehr als das derzeitige sei einfach nicht zu leisten, beklagt er. Der Winterdienst ist privatisiert, wird von Dritten im Auftrag der Stadt realisiert. Dafür gebe es pro Einsatztag ein Prozent der Vertragssumme, das sind 4000 Euro. „Wie soll man damit in einer Stadt wie Frankfurt mit 330 Kilometer Straßennetz bei diesen extremen Verhältnissen einen den Erwartungen entsprechenden Winterdienst realisieren?“, fragt Herrmann. Von vornherein anders planen, entgegnen Kritiker da. Doch auch da kontert Herrmann: „Wenn ich 2009, als der Winterdienst 2010 geplant wurde, gesagt hätte, ich brauche ihn für 90 Einsatztage, die wir ja mit denen von Anfang des Jahres jetzt schon haben, hätte man mir einen Vogel gezeigt.“
Der Amtsleiter versichert, dass die Leistungen der Dienstleister kontrolliert würden. Es werde Sand gestreut und an Kreuzungen oder Anstiegen auch Salz, doch das vermische sich eben mit dem von der festgefahrenen Schneedecke immer wieder durch die Autos aufgewirbelten Schnee. Dadurch würde manche Straße oder Kreuzung aussehen, als sei sie nicht geschoben.
Da jetzt die Barrikaden an den Straßenrändern schon so hoch aufgetürmt seien, könne auch gar nicht mehr Schnee beiseite geschoben werden, erklärt er weiter. Zudem seien fast überall parkende Autos ein großes Hindernis. Für das Räumen der Straße Am Kleistpark gab es von mehreren Frankfurtern Lob. Denn dort ist das viel besuchte Ärztehaus. „Doch das Räumen dort war mit extrem hohem Aufwand verbunden“, erklärt Herrmann. Obwohl 72 Stunden vorher Hinweisschilder aufgestellt worden waren, mussten Anwohner aus dem Bett geklingelt werden, damit sie ihr Auto wegbringen. Weil Busse nicht mehr durch die Sophien- und die Lindenstraße kommen, sollen heute auch dort ab 7 Uhr Räumfahrzeuge anrücken. Die Halteverbotsschilder seien aufgestellt. „Wir werden dort noch stehende Autos rigoros abschleppen lassen“, sagt der Amtsleiter, obwohl er noch gar nicht weiß, woher das Geld für diese Aktion und für die Räumfahrzeuge kommt. Denn für das Schneeräumen muss die Stadt Baufirmen binden. Eigene Kapazitäten dafür gebe es nicht.
Auch den Hinweis, dass andere Kommunen den Winterdienst besser im Griff haben, will Herrmann so nicht stehen lassen. Vergleiche hinken, meint er. Zunächst müsse man fragen, wer dort für den Winterdienst verantwortlich ist. „Bei uns ist es die Kommune, die trotz Bevölkerungsschwund immer noch eine Infrastruktur wie für 90 000 Einwohner hat, die mit geringeren Steuereinnahmen in Schuss gehalten werden muss.“
Für die kommenden Tage rechnet Herrmann trotz angekündigter steigender Temperaturen kaum mit Entlastung. So schnell werde der Schnee nicht tauen. An tiefer gelegenen Stellen, wo sich dennoch Schmelzwasser sammelt, werde notfalls freigeschaufelt, kündigt er an. Und er befürchtet, dass sich auf einigen ohnehin schon sehr schmalen Straßen Spurrinnen bilden werden.
Diese machen schon jetzt dem Frankfurter Müllentsorger zu schaffen. Teils kämen die Fahrzeuge schon gar nicht mehr durch, heißt es bei der Veolia Umweltservice Nord-Ost GmbH. Damit hat man auch nach wie vor beim Stadtverkehr zu tun. Rutschige Straßen erweisen sich nach Worten von Fred Bernau, Geschäftsbereichsleiter Technik bei der SVF, dabei ebenso als Hindernis für Bus und Bahn wie zu weit auf der Fahrbahn parkende Autos. Man sei weiter dabei, gemeinsam mit dem Winterdienst wieder Bedingungen für einen regulären Straßenbahnverkehr zu schaffen. Derzeit fahren die Bahnen der Linien 1, 3 und 4 (zum Europaplatz statt zum Stadion). Das Messegelände wird im Schienenersatzverkehr von Bussen angefahren.
Auch die Feuerwehr ist beinahe täglich im Wintereinsatz. Wieder mussten lange Eiszapfen und Schneebretter von Dächern entfernt werden. Die Kosten dafür tragen die Hauseigentümer.