Für Frankfurts Stadtentwicklungsdezernenten Markus Derling (CDU) ist die Buslinie 983 ein Symbol für die gelingende Zusammenarbeit von Frankfurt und Slubice. Und ein "Beweis, dass sich mit dem Festhalten an guten gemeinsamen Ideen der Weg dafür freimachen lässt." Slubices Bürgermeister Tomasz Ciszewicz hat bei dem Pressetermin zum einjährigen Bestehen der Linie gerade an die rechtlichen Hürden erinnert, die überwunden werden mussten, bevor der Bus rollen konnte. Er sei sehr glücklich, dass es dennoch gelungen sei. "Ich wünsche allen Städten an der Grenze, dass sie solche Projekte realisieren", sagt Ciszewicz.
Zahlen zum Projekt grenzüberschreitender Stadtbus steuert Michael Ebermann bei, Geschäftsführer der Stadtverkehrsgesellschaft Frankfurt (SVF). Seit Jahresbeginn sind nach seinen Worten 285 000 Menschen mit Bussen der Linie 983 gefahren. "Das sind echte Zahlen, keine Wunschvorstellungen oder Schätzungen", betont er. Erfasst werden sie über Zählsysteme, die an den Türen der Busse montiert sind, wie er berichtet. Bis Jahresende rechnet er mit insgesamt 303 000 Passagieren und sieht für das kommende Jahr durchaus noch Steigerungspotenzial. Zumal der Slubicer Bürgermeister ankündigt, dass für das kommende Jahr eine Erweiterung der Strecke angepeilt wird und dass der Bus dann auch den in der Nachbarstadt entstehenden deutsch-polnischen Kindergarten anfahren soll.
Doch auch was bisher gelaufen ist, macht den SVF-Chef ganz zufrieden. Zwar könne man die 983 nicht mit den Linien 980 und 981, die jährlich über zwei Millionen Fahrgäste befördern, vergleichen. Immerhin aber sei sie die am drittstärksten frequentierte. Und sie war in den vergangenen zwölf Monaten nur dreimal nennenswert unterbrochen: Beim Stadtfest, als die Präsidenten Deutschlands und Polens zu Besuch waren und als kürzlich ein psychisch Kranker auf einem Brückenbogen herumstolzierte.
Die Pläne, einmal eine Straßenbahn über die Oder fahren zu lassen, haben die Städte indes nicht aufgegeben. Dass für die Straßenbahnverbindung zwischen Kehl am Rhein und Straßbourg 19 Millionen Euro geflossen seien, lasse ihn auf finanzielle Hilfe für ein entsprechendes Frankfurt-Slubicer Projekt hoffen, sagte Michael Ebermann. "Es ist noch nicht aller Tage Abend." Ciszewicz betonte, das Vorhaben sei nicht aufgegeben, im Moment für seine Stadt aber nicht bezahlbar. "Wenn finanzielle Hilfe von außen kommt, sind wir offen für weitere Gespräche", sagte er mit Blick auf die EU. Derling kündigte an, dass beide Städte vom kommenden Jahr an einen gemeinsamen Nahverkehrsplan entwickeln wollen, in den auch Vorschläge zur Weiterentwicklung der gemeinsamen Verkehrsinfrastruktur aufgenommen werden sollen.