Mit schwarzen Klettverschlüssen werden weiße Stäbe an den Körpern befestigt. Die Bewegungsfähigkeit ist eingeschränkt. Die Schüler müssen aufpassen, dass sie sich nicht weh tun. Dann wird zur Musik des englischen Komponisten Gustav Holst durch die Turnhalle der Kleist-Oberschule getanzt. Die 100 Jahre alte Orchestersuite trägt den Namen "Die Planeten".
Was es mit den Stäben auf sich hat, erklärt Tanzlehrerin Be van Vark: "Der Planet Saturn, der das Leben von der Geburt bis zum Tod symbolisiert, bildet die gedankliche Grundlage für die Choreografie." Die Stäbe wirken dabei auf den Körper wie das Alter. Sie machen ihn steif und ungelenk. Bei der Probe wird noch zur Aufnahme vom Band getanzt. Für musikalischen Hochgenuss sorgt später das Brandenburgische Staatsorchester, Initiator des Education ("Bildungs")-Projekts.
Die 13-jährige Josephine Berger empfindet ein wenig Aufregung, aber vor allem große Vorfreude, wenn sie an die große Aufführung im Kleist Forum am 17.Mai denkt. Während der Saturn gemeinsam von Schülern der Frankfurter Kleist-Oberschule und dem Lyzeum in Slubice dargestellt wird, kommen Merkur, Mars, Uranus, Jupiter und Neptun aus Schulen und Musikschulen in Ostbrandenburg und Polen.
Im Januar gaben mehrtägige Workshops im Schloss Trebnitz (Müncheberg) den Startschuss für die Proben, zu denen die Planeten einzeln anreisten. "Wir hatten ganz schön mit Muskelkater zu kämpfen" sagt Achtklässlerin Josephine über die intensive Arbeit. Polin Anita Rajek tanzt auch in ihrer Freizeit. "Zumba ist mein Hobby", erzählt die 17-Jährige.
Projektleiterin Christine Hellert fand gerade diese erste Probenphase besonders wichtig, damit sich alle kennenlernen und Zusammenhalt entwickeln konnten. Auch deutsch-polnische Sprachübungen standen auf dem Programm. Zudem sind nicht alle Schüler in die Choreografie einbezogen, sondern arbeiten auch am Kostüm- und Bühnenbild sowie Ton- und Videotechnik.
Die Workshops im Schloss Trebnitz wurden von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit bezuschusst. Der größte Teil der Förderung stammt jedoch von der Drosos-Stiftung Zürich, die nicht nur das diesjährige Projekt, sondern auch die der Jahre 2013 und 2015 fördert. Im vergangenen Jahr wurde nicht getanzt, sondern gesungen: "Carmina Burana" von Carl Orff.
Dorota Rutka, Lehrerin am Lyzeum in Slubice, gefällt sowohl der Kontakt ihrer Schüler nach Deutschland als auch der hohe künstlerische Anspruch, den das Projekt stellt. Schulsozialarbeiterin Birgit Dauß von der Kleist-Schule beobachtet mit großer Freude, wie die Jugendlichen mit der Zeit über sich hinauswachsen und sich plötzliche viel mehr zutrauen, als sie zuvor gedacht hätten. Auch viele Eltern seien überrascht. "Man wächst mit seinen Aufgaben", fasst sie die Entwicklung zusammen. Auch ihr Kollege Michael Braunes findet, das Projekt lohne sich für die Teilnehmer in jeder Hinsicht. "Das Ganze ist eine Riesenerfahrung", sagt der Musiklehrer.