„Wie zerrüttet muss das Verhältnis sein, damit ein Kind von sich aus zum Jugendamt geht? Und was passiert dann“, fragt Regisseur Hannes Langer, der selbst Soziale Arbeit an der Fachhochschule Potsdam studiert. Für die Inszenierung haben er und Dramaturgin Katja Münster Jugendliche aus dem Kinderheim Rosengarten, Studentinnen der Sozialen Arbeit und gestandene Sozialarbeiter gewonnen. „Es ist die Besonderheit des Stücks, dass diese drei Perspektiven auf der Bühne aufeinander treffen“, so Hannes Langer.
Da sind die Heimkinder, deren Erlebnisse innere Wunden bei ihnen hinterlassen haben. Sie erzählen von den Alkoholvorräten der Mutter, die sie ins Klo gekippt haben, von Ohrfeigen, Nackenschellen, Rückenschlägen und umgeknickten Fingern, vom Stiefvater, der bei offener Zimmertür onanierte, vom Rausch, der es leichter machte, die Wirklichkeit zu ertragen. Da sind die Ideale angehender Sozialarbeiter und schließlich die Realität der Institution Jugendhilfe mit ihren Sachberichten, Unterschriften und Abrechnungen. „Letztendlich sind wir Dienstleister. Die Probleme der Jugendlichen sind unser Job. Ein merkwürdiges Gefühl“, sagt Runa Rexin, die Soziale Arbeit studiert.
„Als Hannes Langer uns das Projekt im Sommer vergangenen Jahres vorgestellt hat, war ich skeptisch“, erinnert sich Alexander Hetke, einer der Jugendlichen aus dem Kinderheim Rosengarten. Doch die Idee gemeinsam mit anderen auf der Bühne zu stehen, habe ihn gereizt. Grundlage des Stückes sind Interviews, in denen die Jugendlichen den Studentinnen ihre Geschichte erzählt haben. „Am Anfang war das sehr schwer“, sagt Alexander Hetke, doch mit der Zeit sei das Vertrauen gewachsen. „Inzwischen fällt es mir leichter, mich auch anderen Menschen gegenüber zu öffnen.“ Dabei geholfen hat auch die Idee, dass die Darsteller auf der Bühne jeweils Geschichten eines anderen erzählen. Auch den Studentinnen fielen die Interviews nicht leicht. „Ich war aufgeregt, hatte mir einen guten Leitfaden überlegt, musste im Laufe des Gesprächs dann aber alles über den Haufen werfen“, sagt Vivien Müller. „Man lernt, sich auf den Interviewpartner einzustellen. Jeder ist unterschiedlich“, hat Natali Omrcen festgestellt.
„Das ist die beste Produktion der Bürgerbühne, die ich bislang gesehen habe. Sie berührt mich wirklich“, lobt Florian Vogel, künstlerischer Leiter des Kleist Forums, das Team nach der ersten Hauptprobe. Auch die Darsteller sind zufrieden. „Ich bin so voller Adrenalin und Vorfreude“, sagt Natali Omrcen und fügt hinzu: „Die Premiere am Montag ist die Belohnung für die vielen Monate Arbeit, die hinter uns liegen.“ (soj)
Die Premiere am 14. Mai ist bereits ausgebucht. Weitere Vorstellungen sind am 15., 22. und 24. Mai um 20 Uhr sowie am 15., 18. und 22. Mai um 12 Uhr als Schulvorstellungen. Der Eintritt ist frei. Um Reservierung unter 0335 4010120 oder ticket@muv-ffo.de wird gebeten.