Bauleiter Heiko Sternberg ist zufrieden. Die Arbeiten auf der Stadtbrücke liegen im Plan, Stück für Stück demontieren Bauleute der Firma TSU Müncheberg die Grenzabfertigungshäuser, die in den 90er-Jahren erst gebaut worden sind. Mit dem Wegfall der mobilen Grenzkontrollen Ende 2007 sind sie überflüssig geworden, sodass jetzt Tausende Tonnen Baumaterial bewegt werden.
Für Frankfurts Baudezernenten Markus Derling (CDU) eine gute Nachricht und vor allem eine lange erwartete. Zähe Verhandlungen mit dem Bund, dem Eigentümer der Anlagen, waren notwendig, bis der Abriss in Gang gekommen ist. Ziel des Beigeordneten ist es jetzt, Investoren zur künftigen Nutzung der Flächen zu finden, die teils der Stadt und teils der städtischen Wohnungswirtschaft gehören. Vorerst aber können auf beiden Seiten Passanten weit ins Land schauen: Neben der bereits bestehenden Plattform auf der südlichen Seite wird auch nördlich ein Aussichtspunkt geschaffen, wie Derling ankündigt. Die insgesamt fünf Ein- und Zweigeschosser, die zwei Gebäudekomplexe bilden, verschwinden bis dahin.
Vorher aber werden rund 98 000 Euro für die Demontage von etwa 7060 Quadratmeter umbautem Raum fließen. Abzubauen sind unter anderem 125 Innen- und 20 Außentüren sowie 105 Fenster und Lichtbänder, wie Andreas Rein erläutert, der das Vorhaben für die Stadt steuert. Alles werde den Vorschriften entsprechend entsorgt. Direkt wiederverwerten lasse sich allerdings kaum etwas, sagt Michael Reiß vom Frankfurter Ingenieurbüro igf. "Wer stellt sich heute schon noch eine Tür in den Keller, weil er sie irgendwann gebrauchen könnte?", meint er. Auch für die großen Glasscheiben, die an beiden Seiten Passanten den Durchblick in Richtung Oder erlaubten, gebe es keine Verwendung. "Das ist Panzerglas, das sich nicht mehr bearbeiten lässt", erläutert Reiß. Jede Scheibe sei tonnenschwer. "Wenn man die für eine Terrasse nutzen wollte, müsste man das Haus drumherumbauen", scherzt der Umwelt- und Altlastenberater Frank Kobelt, der den Bau betreut. Auch deshalb seien letztlich alle Gedanken an eine Wiederverwendung verworfen worden.
Dafür komme eine ganze Menge Abfall zusammen: So müssten rund 645 Tonnen Stahlbeton, Mauerwerk, Faserzementplatten und Gipsprodukte entsorgt werden. Dazu kämen gut 380 Tonnen Stahl und sonstige Metallteile. Außerdem sind noch 15 Tonnen Ziegel, Glas, Kunststoffe und Holz sowie 30 Tonnen Dämmmaterial aus Wänden, Decken und Zwischendecken fortzuschaffen; diese 45 Tonnen werden als gefährliche Abfälle eingestuft. Aus diesem Grunde ist der Abfallberater beteiligt, und darum müssen die Bauleute Teile der Entkernungsarbeiten mit Schutzausrüstung erledigen.
Damit der Verkehr dennoch ungehindert rollen kann, ist unter der Brücke eine Baustraße entstanden. Über Collegienstraße und Oderpromenade können nun die Baufahrzeuge heranfahren. Ende Januar sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Bleibt noch der Straßenbau auf der Brücke, der in einem dritten Bauabschnitt in diesem Frühjahr geplant ist. Genauer lasse sich der Termin noch nicht festlegen, heißt es aus dem Rathaus, erst müsse klar sein, ob die Frankfurter Stadtwerke ihr Vorhaben einer Fernwärmeleitung nach Slubice tatsächlich realisieren. Darüber werde derzeit aber noch verhandelt, wie es heißt.
Die Kosten für die Bauarbeiten an der Straße trägt der Landesbetrieb für Straßenwesen. Geplant ist nach Reins Worten eine grundhafte Sanierung der Slubicer Straße zwischen Schulstraße und Brücke. Dabei dürfte den Arbeitern mit den alten Fundamenten der Kontrollhäuschen auf der Straßenmitte eine Herausforderung bevorstehen. Versuche, sie vor einigen Jahren zu entfernen, waren gescheitert.