Spurensicherung am Tatort
Auf zwei Seiten gruben sich die Wölfe unter dem Zaun durch, wie der alarmierte Wolfsbeauftragte später vor Ort feststellte. "Alles so liegen lassen, wie es ist", bekam der Tierbesitzer zuerst Anweisung. Wie bei einem Leichenfund durfte der Halter nichts aufräumen, bis der Wolfsbeauftragte mit seiner Arbeit begann. Bissspuren, Haarbüschel oder die Spurlänge, die die Wölfe beim Verschleppen ihrer Beute hinterließen – all das wurde genauestens erfasst und dokumentiert.
Entschädigung gibt es für keines der gerissenen Tiere – jedes bis zu 500 Euro wert – weil es Wild ist. "Wir wollten unseren Tierbestand sowieso herunterfahren", sagt der Tier-Halter. Klar sei der Verlust ärgerlich. Zukünftig sollen Schafe im Gatter ihr neues zu Hause finden. Zur Prävention empfahl ihm der Wolfsbeauftragte, einen Untergrabungsschutz unter dem Wild-Gatter anzulegen, als Maßnahme gegen weitere Angriffe; was auch ein Punkt im Wolfsmanagementplan Brandenburg 2019 ist: "Als Untergrabungsschutz sind zwei stromführenden Drahtlitzen (Bodenabstand 20 und 40 cm, Mindestspannung 2.500 Volt) mittels Abstandsisolatoren außen am Zaun anzubringen."
Wölfe sind keine Seltenheit mehr in der Region. Im Schlaubetal rissen mehrere Raubtiere auf einer Koppel am 8. November bei Rießen zwei Schafe – mit demselben Jagdverhalten: Sie gruben sich unter dem Zaun durch.
"Die Wölfe waren mitten im Ort, wo auch tagsüber Kinder spielen", warnt ein Jäger aus Lossow. Ein wenig unscharf, aber trotzdem deutlich zu erkennen, ist das graue Exemplar, das er mit seiner Wildkamera fotografierte (siehe Foto). "Der Wolf lief mir im Sommer bei den Oderwiesen vor die Linse", sagt der Jäger.
Wild rottet sich zusammen
Aus Polen, so meint der Jäger, seien die Wölfe vor gut zehn Jahren über die Oder gekommen, zwischen Lossow und Finkenheerd. Sie vermehrten sich und fressen sich "dick und rund", wie er sagt. Die Jagd werde schwieriger, da das Wild sich zurückziehe, hat der Weidmann beobachtet. Trauten sich Rehe früher bis an den Rand von Lossow, sehe er jetzt keine mehr in Dorfnähe. Die Bildung von Rotten sei eine weitere Folge der Wölfe. Insbesondere beim Schwarzwild würden sich zirka 30 bis 40 Tiere zusammenrotten – zum Schutz. Und zum Schaden von Koppeln, Grünflächen, Stadtparks und Gärten.
"Bald haben wir hier kein Wild mehr, Wildschäden und Verkehrsunfälle häufen sich und die Seuchengefahr steigt", warnt der Jäger. Er habe allgemein nichts gegen die grauen Raubtiere, genauso wenig, wie gegen Biber oder sonstige eingewanderte Tiere. "Aber alles, was sich unkontrolliert vermehren kann, ist nicht gut für die Umwelt", findet er.